Aus dem Jugendschöffengericht

Unbelehrbar: 19-Jähriger immer wieder mit Drogen erwischt – 18 Monate Jugendstrafe

Obwohl er eine Bewährungsstrafe verbüßte, erwischte die Polizei einen 18-jährigen Österreicher mit Haschisch.
+
Obwohl er eine Bewährungsstrafe verbüßte, erwischte die Polizei einen 18-jährigen Österreicher mit Haschisch.
  • vonTheo Auer
    schließen

Das Jugendschöffengericht Traunstein fasste die Bewährungsstrafe eines 19-jährigen Österreichers zu einer Einheits-Jugendstrafe von 18 Monaten zusammen. Zur Bewährung setzte sie der Richter für den Wiederholungstäter dieses Mal nicht mehr aus. Zu oft war der junge Mann mit Drogen erwischt worden.

Traunstein – Im August 2020 kontrollierten die Beamten der Schleierfahndung im Zug von Rosenheim nach Salzburg bei Bergen den 18-jährigen Angeklagten, der bei der Frage nach seinen Papieren lediglich eine Kopie seines österreichischen Personalausweises vorlegte. Die Beamten schauten genauer nach und fanden prompt drei Haschisch-Blütendolden mit einem Gewicht von 1,1 Gramm. Am 15. September wurde der 18-Jährige erneut in der Bahn nach Traunstein kontrolliert. Wieder legte er seine zerfledderte Ausweiskopie vor und wieder fand man bei ihm einen Marihuana-Joint.

Mehrere Verurteilungen in Bayern und Österreich

Der vorbestrafte junge Mann verbüßte gerade mehrere offene Bewährungsstrafen, die auf Verurteilungen in Österreich als auch Bayern zurückzuführen waren. In Bayern war dies eine Jugendstrafe von einem Jahr und fünf Monaten. Wegen mehrfachen Wohnort-Wechsels zwischen Bayern und Österreich schien es ihm kaum notwendig, sich bei der jeweils zuständigen Bewährungshilfe zu melden. Darüber hinaus wurde er positiv auf Drogenmissbrauch getestet, obwohl ihm ein gerichtliches Drogenverbot auferlegt worden war.

Zwei Mal an einem Tag mit Drogen erwischt

Als besonders dreist wurde bei der Gerichtsverhandlung betont, dass er noch am selben Augusttag, an dem er vormittags mit Marihuana im Zug erwischt worden war, am Nachmittag am Bahnhof in Prien wiederum mit solcher Droge angetroffen wurde. Inzwischen lebt er im Innkreis, wo er an einer österreichischen Resozialisierungs- und Berufsbildungsmaßnahme teilnimmt.

Staatsanwalt: „Offene Bewährung und keine Auflagen erfüllt.“

Der Staatsanwalt vermerkte zwar, dass es sich lediglich um eine geringe Menge einer so genannten weichen Droge gehandelt habe. Andererseits habe sich der Angeklagte in doppelt offener Bewährung befunden und keine Auflagen erfüllt. Er beantragte deshalb – unter Einbeziehung der vorhergegangenen Verurteilungen – eine Einheitsjugendstrafe von einem Jahr und elf Monaten auszusprechen.

Das könnte Sie auch interessieren: Mühldorf: Illegales Autorennen mit Unfall – Fahrer wollen Urteil nicht akzeptieren

Verteidiger: Mandant habe sich aus dem kriminellen Umfeld gelöst

Der Verteidiger Walter Holderle stimmte dem Staatsanwalt in der Bewertung der Situation zu, verwies aber eindringlich darauf, dass sein Mandant sich zwischenzeitig aus dem kriminellen Umfeld gelöst habe. Er befände sich in einer sozial betreuten Ausbildung und strebe ein gänzlich verändertes neues Lebensziel an. Deshalb bat der Rechtsanwalt um nochmalige Bewährungszeit.

Keine Chance auf Bewährung

Dem konnte und wollte das Gericht nicht entsprechen. „Selbst wenn sie keinerlei Straftat begangen hätten“, so der Vorsitzende Richter Hans-Peter Kuchenbaur, „müsste ich hier und heute die ihnen gewährte Bewährung widerrufen.“ Der Richter verwies auf die Weigerung des Angeklagten, auch nur einer der Bewährungsauflagen nachzukommen. „Wir haben die ursprüngliche Strafe von 17 Monaten Jugendstrafe lediglich um einen Monat auf 18 Monate erhöht. Aber Bewährung gibt es nun nicht mehr. Diese haben sie bereits vorher verwirkt.“

Kommentare