Traunstein: Eine Zeitreise auf dem Waldfriedhof

Kapellengräber waren in den 1950er Jahren modern. Heute geht auch am Waldfriedhof der Trend zu Urnengräbern.
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Kapellengräber waren in den 1950er Jahren modern. Heute geht auch am Waldfriedhof der Trend zu Urnengräbern.

Der Traunsteiner Waldfriedhof birgt viele Geschichten. Vermutlich kennt sie niemand so genau wie Sepp Häusler. Die Chiemgau-Zeitung hat mit ihm über Filmstars, Handwerkerdynastien und Gingko-Bäume gesprochen.

Traunstein – Mit den Totengedenktagen rückt ein Ort in den Vordergrund, den viele Menschen sonst weniger im Blick haben: der Friedhof. Josef Häusler kennt den Waldfriedhof wie kein zweiter, denn bereits vor 60 Jahren, als 14-jähriger Lehrling, arbeitete er auf dem Friedhof und blieb der Friedhofsgärtnerei bis zum Eintritt ins Rentenalter treu. Der Chiemgau-Zeitung hat er eine Führung gegeben.

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Die Denkmäler auf dem Friedhof, können Geschichten erzählen, die an Tragik manchmal kaum zu überbieten sind: Ganze Familien ausgelöscht bei der Bombardierung Traunsteins 1945, Kinder, die ein Unfall aus dem Leben riss, junge Menschen, die keinen Ausweg sahen und sich das Leben nahmen.

Tragische und rührende Geschichten

Sepp Häusler kennt auch rührende Geschichten: „Ich habe einmal beobachtet, wie Jahrzehnte nach seinem Tod eine elegante alte Dame das Grab von Staatsschauspieler Friedrich Ulmer besucht hat und habe sie angesprochen. Er wäre halt so ein schöner Mann gewesen, sagte sie zu mir.“ Friedrich spielte unter anderem in Luis Trenkers Film „Der Berg ruft“ (1938), in dem es um die dramatische Erstbesteigung des Matterhorns geht. Das Matterhorn begegnet einem ebenfalls auf dem Friedhof, auf dem Grabstein des berühmten Bergsteigers und Malers Gustl Kröner, der 1933 am Matterhorn den Tod fand.

Bekannte Traunsteiner

Traunsteiner Originale wie Lona Feichtner, die „Ferkel-Loni“, ganze Handwerkerdynastien wie die letzten Schieferdeckermeister und hochdekorierte Militärs wie General Theodor Endres kann man Seite an Seite auf dem Waldfriedhof an ihrer letzten Ruhestätte besuchen.

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Viele markante individuelle Grabdenkmäler sind dort zu sehen. Das liegt unter anderem daran, dass viele sehr alte Steine vom ehemaligen Katharinenfriedhof in der Innenstadt auf den erst 1908 eingeweihten Waldfriedhof transferiert wurden. So kommt es, dass auf dem heute gut 110-jährigen Friedhof viel ältere Steine stehen. Die Grüfte in den nördlichen Arkaden sind teils kunstvoll ausgemalt oder mit Mosaiken ausgestattet. Sepp Häusler zeigt in den Arkaden handgefertigte Weihwasserkessel und uralte Sterbebildchen hinter Glas.

Grabstätten mit unterschiedlicher Prägung

In einigen Sektionen ist der Geist jüngerer Zeiten zu erkennen. Etwa in der ersten Erweiterungszone, die geprägt ist von Kapellengrabmalen, wie sie in den 1950er Jahren in Mode waren und von Monumentalkunst aus den 30er-Jahren, etwa die bronzene Engelskulptur des Bildhauers Paul Bronisch. An einigen ist ein kleiner Vogel zu entdecken, das Markenzeichen des Schlossermeisters Binder aus Traunstein.

Steine aus der Tropfsteinhöhle

Auch eigenwillige Gräbmäler, wie die Grabstätte der Familie Rappolt, finden sich auf dem Waldfriedhof. Sie prägt ein kapellenartiger Grabstein, der komplett mit Kirchenfenstern und Eingangstür samt Schlüssel ausgestattet ist. Ihre Umrandung besteht aus Steinen aus einer Tropfsteinhöhle, weiß Häusler. Zum Glück müssen erhaltenswerte Grabmäler nach der Auflassung der Grabstätte auf dem Waldfriedhof nicht entfernt werden, wie es sonst der Fall ist, sondern können – wenn keine Eigentumsansprüche daran bestehen – neu vergeben werden.

Letzte Ruhe im früheren Stadtwald

Das Friedhofsareal gehörte früher zum Stadtwald von Traunstein und auch nach dessen Rodung sollte der waldartige Charakter bestehen bleiben. Deshalb wurden Bäume gepflanzt, die heute die parkähnliche Atmosphäre des Friedhofs prägen: hohe Fichten, Thujen, Buchen und Birken, von denen einige nicht mehr standfest sind und sukzessive gefällt werden müssen.

Besondere Baumarten

Für jeden gefällten Baum werden allerdings drei neue verschiedene Arten gepflanzt. So kann man mittlerweile auch einige botanische Besonderheiten entdecken, wie den Ginkgo oder den eindrucksvollen Japanischen Blumenhartriegel, der im Frühjahr mit einem Blütenmeer und im Herbst mit leuchtender Laubfärbung und appetitlichen Früchten die Blicke auf sich zieht.

Der Gingko

Der Ginkgo (Ginkgo biloba) ist der einzige noch lebende Vertreter einer urzeitlichen Gruppe von Samenpflanzen. Er gilt daher als Symbol für das ewige Leben und die Hoffnung. Er wächst zu einem großen Baum heran, es gibt aber auch Zwergsorten für das Grab.

Die Pflanze Ginkgo biloba steht symbolisch für ewiges Leben.

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