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Eigentümer Otto Baur aus Traunstein blickt zurück

Vom Getreidespeicher zur Disco - und bald der Abriss: „Es ist schon Wehmut dabei“

Abriss des Getreidelagers („Club Metro“) für „Campus Chiemgau“ in Traunstein - Otto Baur
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Otto Baur vor dem ehemaligen Getreidelager der Familie an der Güterhallenstraße in Traunstein. In den Osterferien wird es für den „Campus Chiemgau“ abgerissen.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Eines der prägendsten Gebäude am Traunsteiner Bahnhof wird bald abgerissen: Wir haben mit Eigentümer Otto Baur über die bewegende Geschichte des alten Getreidelagers gesprochen - und noch einmal einen Blick hineingeworfen.

Traunstein - Es war jahrzehntelang der Umschlagplatz für Getreide im Traunsteiner Raum schlechthin, später ein zentraler Anlaufpunkt für Nachtschwärmer und überstand ganz nebenbei drei Brände: doch im April wird das markante Lagerhaus an der Güterhallenstraße in Traunstein abgerissen. Der Platz wird für den „Campus Chiemgau“ gebraucht. Beim Besuch von chiemgau24.de schaut Otto Baur mit vielen Erinnerungen auf das Gebäude zurück, das ihm und seiner Schwester Barbara gehört.

Abriss des Getreidelagers („Club Metro“) in Traunstein

Das markante Gebäude, das viele wohl in erster Linie mit dem „Club Metro“ verbinden, hat seine Geburtsstunde im Jahr 1948. Für genau 40 Jahre sollte es das Getreidelager für die Walzmühle der Baurs werden. Von Berchtesgaden bis nach Rosenheim verkauften sie ihr Mehl an die Bäcker. „Es war unser Brot- und Butter-Gebäude“, so Otto Baur - „während der Ernte das Lager vollmachen und daraus dann die Mühle füttern“. Ganze sieben Geschoße standen zur Verfügung, über 700 Tonnen konnte der Speicher fassen.

So sieht es in einem der Dachgeschoße im ehemaligen Getreidelager an der Güterhallenstraße aus. Bis zuletzt wurden die oberen Stockwerke vom Sportwarengeschäft „Cypress“ genutzt.

„Einmal in der Woche haben wir als Kinder das Stiegenhaus geputzt“, erinnert sich Baur zurück. Auch vom Ungeziefer fangen oder vom Getreide schaufeln erzählt er mit einem Lächeln im Gesicht. Es war noch eine andere Welt damals: Dort, wo sich bald der „Campus Chiemgau“ neben das Annette-Kolb-Gymnasium gesellen wird, wurde laut Baur nach dem Zweiten Weltkrieg mit Kohlen, Schweinen, Öl und Schrott gehandelt - und dann eben auch mit Getreide. Die Bahngleise gingen damals noch direkt bis vors Gebäude. „Das meiste Getreide haben wir aus der Ukraine, Frankreich, Ungarn oder Norddeutschland bekommen. Von dort war die Qualität für die Bäcker am besten.“

Ab den frühen 1980er-Jahren wurden der Getreidespeicher dann Stück für Stück verpachtet. Unter anderem ein Werkzeughändler war drin, auch von „Baustoff Schneider“ wurden Flächen genutzt. Bis zuletzt war das Sportgeschäft „Cypress“ einquartiert und nutzte nahezu alle Stockwerke ebenfalls als Lager - und nicht zu vergessen: die Nachtgastronomie. „Von allen Handwerks- oder Abrissfirmen, die ich zuletzt hier hatte, erzählen mir die Leuten, dass sie nur schöne Erinnerungen an das Gebäude haben“, freut sich Otto Baur.

Seit 1995 waren im Keller Discos untergebracht. Hier Otto Baur vor dem ehemaligen Barbereich.

1995 ging es mit der Disco „Lagerhaus“ los, später übernahm die „Metro“ und ab 2018 dann der „Salon Erika“. Auch kurz vorm Abriss ist der Club im Keller gut wiederzuerkennen: Das Inventar ist zwar längst entfernt, aber Aufkleber und Graffitis lassen Erinnerungen bei Nachtschwärmern wach werden. Auch drei Brände hat das Getreidelager der Baurs hinter sich, erzählt Otto Baur: 1992, 1995 und Ende der 2000er. „Aber das schwere Holz konnte immer gut standhalten.“ Nur manche Rußflecken an den Wänden und einige wenige, hellere Holzbalken zeugen heute noch davon, wenn man ins Innere blickt.

Ehemalige Toiletten in der Disco im Keller.

Doch sie werden nicht mehr lange davon zeugen. 2019 nahm das Landratsamt Gespräche mit den Baurs auf und offenbarte ihnen die Pläne für den Campus. Nach und nach wird das ganze Areal rund um den alten Getreidespeicher, insgesamt rund 23.000 Quadratmeter, freigemacht, wie es im Baujargon heißt. In den Osterferien wird dann auch das markante Gebäude von Otto Baur abgerissen. Und als würde es sich um einen alten Patienten handeln, der im Sterben liegt, sagt Baur: „Ich war die letzten sieben Wochen jetzt noch tagtäglich dort. Es ist schon auch Wehmut dabei jetzt.“

xe

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