Traunstein ehemaliger Rathauschef Christian Kegel im Interview: „Umgangston ist rauer geworden“

„Ich nehme viele positive Erfahrungen mit“, sagt Traunsteins ehemaliger Rathauschef Christian Kegel im Interview mit der Heimatzeitung. Effner

Traunstein – Seit 1. Mai leitet mit Dr. Christian Hümmer ein neuer Oberbürgermeister die Geschäfte der Kreisstadt Traunstein. Über die Erfahrungen, Herausforderungen und besonderen Momente in den vergangenen sechs Jahren sprachen wir mit dem bisherigen Rathauschef Christian Kegel, der sich jetzt neuen beruflichen Herausforderungen stellt.

Welche Vorhaben oder realisierten Projekte halten Sie rückblickend für Ihre wichtigsten Meilensteine, die Sie als Oberbürgermeister für Traunstein gesetzt haben?

Christian Kegel:Die Meilensteine habe ich zusammen mit dem Stadtrat gesetzt. Ich denke an die Sanierung und Erweiterung aller städtischen Schulen, um für die Ganztagsbetreuung gewappnet zu sein. Dazu gehört auch die neue Kita an der Vonfichtstraße. Persönlich sehr wichtig war mir der Neubau eines Mehrgeschosswohnhauses in Haidforst, erstmals wieder in Eigenregie der Stadt, wo wir bezahlbare Mieten mit sieben Euro pro Quadratmeter anbieten können. Meilensteine sind auch das neue Kulturforum Klosterkirche, der Salinenpark, die barrierefreie Vollendung des Bahnhofs, die Sporthalle am AKG und der Erwerb von Zehntausenden von Quadratmetern für künftiges Bauland im Ansiedlungsmodell.

Welches waren für Sie persönlich die größten Herausforderungen im Amt?

Kegel: Zu den großen Herausforderungen gehörte nicht zuletzt, immer das Allgemeinwohl über die privaten Interessen einzelner zu stellen, auch wenn diese noch so offen und in Teilen aggressiv formuliert werden. Im Sinne einer gerechten und positiven Stadtentwicklung halte ich das für unerlässlich. Herausfordernd und bedauerlich war, anerkennen zu müssen, dass die Parteipolitik selbst auf kommunaler Ebene eine so große Rolle spielt.

Sie selbst sind ja für die SPD angetreten.

Kegel: Ja, aber trotz meiner politischen Heimat in der SPD habe ich als Oberbürgermeister immer versucht, partei-übergreifend zu denken und zu handeln. Natürlich dürfen und sollen im Entscheidungsprozess kontroverse Meinungen ausgetauscht werden. Nur sollte das Ergebnis von allen Stadträten bis zum Ende des Projektes mitgetragen werden und nicht solange „nachgearbeitet“ werden, bis ich das von mir gewünschte Ergebnis erreicht habe.

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Welche Erfahrungen aus dem Amt nehmen Sie für Ihren weiteren beruflichen Werdegang mit?

Kegel: Ich nehme viele positive Erfahrungen mit. Dazu gehört, dass ich 300 Kolleginnen und Kollegen hauptverantwortlich führen und begleiten durfte, außerdem, sich in einen komplett neuen Aufgabenbereich wie die Verwaltung einzuarbeiten oder jede halbe Stunde mit einer anderen Thematik konfrontiert zu sein. Das Schönste war und ist der Umgang mit den unterschiedlichsten Menschen und sich auf sie einzustellen. Diese aus dem Lehrerberuf bekannte Fähigkeit hat mir auch im politischen Amt geholfen, mich schnell zurechtzufinden.

Was hat sich in den sechs Jahren Ihrer Amtszeit verändert und wie ist die Stadt für die Herausforderungen der Zukunft gewappnet?

Kegel: Es hat sich vieles verändern. Herausstechend war aus meiner Sicht der mediale Umgangston, der speziell durch die „sozialen“ Netzwerke deutlich rauer geworden ist. Eine unschöne Entwicklung. Ich musste viele Beleidigungen und Angriffe unter die Gürtellinie über mich ergehen lassen, jenseits jeder Sachlichkeit. Da würde ich mir mehr gegenseitigen Respekt wünschen. Traunstein ist aus meiner Sicht gut gerüstet für die Zukunft. Aktuell for-dert die Überwindung der Corona-Krise alle Kräfte. Nicht aus den Augen verlieren dürfen wir die Klimawende, die Stärkung von ÖPNV und Radverkehr und den Ausbau bezahlbaren Wohnraums.

Was wünschen Sie Ihrem Nachfolger?

Kegel: Ich wünsche meinem Nachfolger alles Gute und ein glückliches Händchen bei der Moderierung dieser vielfältigen, herausfordernden und spannenden Aufgaben. Das fordert einen sieben Tage die Woche mit zum Teil weit über 70 Stunden. Die nötige Kraft dafür wünsche ich ihm ebenso. Und ich wünsche ihm einen Stadtrat, der sich seiner besonderen Verantwortung bewusst ist, partei-übergreifend agiert und das Allgemeinwohl an die erste Stelle setzt.

Wie sehen Ihre persönlichen Pläne für die nächste Zeit aus?

Kegel: Meine persönlichen Pläne liegen noch im Dunklen. Klar ist nur, dass ich in den Schuldienst zurückkehre, vo-raussichtlich aber erst im neuen Schuljahr. Es wäre schön, wenn das in Traunstein oder der näheren Umgebung sein könnte.

Axel Effner

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