Wegen stark gestiegener Infektionszahlen

Ab nach Hause: In Traunstein müssen viele Schüler in den Distanzunterricht

Für einen Großteil der Schulklassen werden ab Montag die Stühle für drei Wochen hochgestellt.
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Für einen Großteil der Schulklassen werden ab Montag die Stühle für drei Wochen hochgestellt.
  • Heidi Geyer
    vonHeidi Geyer
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Die Infektionszahlen sind im Landkreis Traunstein derart schnell nach oben geschnellt, dass Landrat Walch nun reagiert: Die Schülen schließen drei Wochen lang für einen Großteil der Schüler. Das kommt nun auf Eltern, Schüler und Lehrer zu.

Landkreis Traunstein– Noch am Dienstag sagte Landrat Walch im Gespräch mit unserer Zeitung, die Schließung der Schulen wolle er dringend vermeiden. Nun ist es soweit: Für einen Großteil der Schüler heißt es, ab Montag für drei Wochen zuhause zu bleiben. Obwohl sich noch nicht überdurchschnittliche viele Schüler mit Corona infiziert hätten.

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„Bei der hohen Inzidenz ist aber wichtig, dass auch hier die Kontakte reduziert werden“, sagte Walch in einer Videobotschaft am Donnerstagvormittag auf Facebook. Es gehe gar nicht so sehr darum, das Gebäude zu meiden, sondern um die hohe Anzahl an Personen, die sich dort auf engem Raum zusammen kommen. Das Landratsamt informierte die Schulleiter im Kreis noch am Mittwochabend über die geplante Einstellung des Präsenzunterrichts. Nachdem der Sieben-Tage-Inzidenzwert in den vergangenen Tagen den Kreis Traunstein mehrfach zum Spitzenreiter in ganz Deutschland gemacht hat (Stand Donnerstag 412,25), hat das Landratsamt nun die Notbremse gezogen.

Ausnahmen für einige Klassenstufen

In einer Pressemitteilung heißt es, dass die Behörde eine flächendeckende Reduzierung der Anzahl der Schülerinnen und Schüler sowohl in der Schülerbeförderung als auch an der Schule selbst für erforderlich halte.

„Wir versuchen wie immer das Beste. Die Lehrer und Schüler, die es betrifft, sind in Homeschooling mittlerweile fit. Aber Distanz ist in jeder Hinsicht schlechter als Präsenz“, sagte Otto Manzenberger, Rektor der Grund- Mittelschule Unterwössen im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Für die Eltern wie für die Lehrer steige die Belastung.

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Für die Familien ist es eine Herausforderung, binnen vier Tagen die Betreuung und Beschulung ihrer Kinder zu organisieren. Immerhin: Grundschüler sollen vorerst noch regulären Unterricht erhalten. Distanzunterricht „hätte zwangsläufig zur Folge, dass oftmals die Großeltern die Aufsicht übernehmen müssten, welche als Angehörige der Risikogruppe jedoch besonders geschützt werden sollen“, so die Auskunft von Michael Reithmeier, Sprecher des Landratsamts. Um den Schülern der Eingangs- und Abschlussklassen gleiche Chancen gegenüber Anderen zu ermöglichen, sollen auch diese nach wie vor in die Schule gehen.

Internat im Notbetrieb

„Für uns ist die Regelung ab Montag tatsächlich leichter zu organisieren, als im rollierenden System“, sagt Jürgen Bader, Internatsleiter am Landschulheim Marquartstein. Bislang habe es dort nur weniger als eine Handvoll Corona-Fälle gegeben. „Rund 50 Schüler werden bei uns bleiben, darunter auch die internationalen Schüler“, sagte Bader im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Für absolute Notfälle bei Schülern, die nicht zu ihren Eltern reisen können, halte das LSH außerdem die Türen offen.

„Das sind beispielsweise Kinder, deren Eltern selbst erkrankt sind. Da werden wir eine Lösung finden“, sagte der Internatsleiter. Bader, der die Stelle erst zum Halbjahr übernommen hatte, nimmt es gelassen: „Inzwischen kennen wir sämtliche Unterrichts-Varianten. Ich hoffe, dass die Eltern zuhause einigermaßen klar kommen.“ Die Entscheidung des Landratsamtes könne er nachvollziehen.

Folgen die Grundschulen?

Sorge haben die Eltern von kleineren Kindern, dass es noch zu Schließungen von Grundschulen kommen könnte. Kerstin Seidel ist Elternbeiratsvorsitzende an der Grundschule Grabenstätt. „Ich persönlich kann die Entscheidung zur Schließung der Schulen definitiv verstehen, auch wenn es meinen Mann und mich vor ein Problem stellen würde, wenn das noch für Grundschüler kommt“, so die Elternbeiratsvorsitzende. Sie hätten beide keine Möglichkeit, aus dem Home Office zu arbeiten. Sie könne sich vorstellen, dass einige Eltern angesichts des Infektionsgeschehens ihre Kinder lieber zuhause hätten. „Die Hauptsache ist, dass wir alle gesund bleiben“, sagt Seidel. Eine große Anspannung bei den Eltern stellt Bernhard Benoist, Leiter der Grundschule Übersee fest. „Die müssten im Fall von Distanzunterricht viel organisieren, weil auch ein Großteil der Kinder in der Mittagsbetreuung ist“, sagt der Schulleiter.

Die Regelung im Landkreis Traunstein

Vom 16. November bis einschließlich 4. Dezember wird der Präsenzunterricht vorübergehend eingestellt, das bedeutet eine komplette Umstellung auf Beschulung in Distanz.

Diese Regelung gilt nicht in folgenden Fällen:

  • in allen Jahrgangsstufen der Grundschulen,
  • in den Schulvorbereitenden Einrichtungen und der Grundschulstufe der Förderschulen,
  • in den fünften und neunten Klassen der Förderschulen,
  • in den zehnten, elften und zwölften Klassen des Förderzentrums geistige Entwicklung (Berufsschulstufe),
  • in den fünften, neunten und M 10-Klassen der Mittelschulen,
  • in den fünften und zehnten Klassen der Realschulen,
  • in den fünften Klassen sowie in der Q 11 und Q 12 der Gymnasien sowie
  • in den Klassen FOS 12/13 und BOS 12/13 der Fach- und Berufsoberschule.

Reduziert werden soll außerdem Klassen- und jahrgangsstufenübergreifender Unterricht und nicht notwendige oder klassenübergreifende Wahlunterrichtsangebote.

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