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Traunstein für Bewerbung um Olympia

Die Stadt Traunstein unterstützt eine Bewerbung der Region um die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022. Wettbewerbe sind unter anderem auch in den Nachbarorten Ruhpolding und Inzell geplant. Mit 17:7 Stimmen hat der Stadtrat am Donnerstag beschlossen, dass sich der Landkreis Traunstein - vorausgesetzt die Bürger geben am 10. November grünes Licht - an der Bewerbung Münchens beteiligen soll.

Traunstein - Oberbürgermeister Manfred Kösterke machte deutlich, dass der Stadtrat aufgerufen sei, sich zu positionieren. Für Traunstein biete sich die Möglichkeit, den Stadtplatz für die Medaillenvergabe im Rahmen der Paralympischen Spiele für die Wettkämpfe in der Region Chiemgau-Königssee zur Verfügung zu stellen und damit das Bild der Stadt in der ganzen Welt bekannt zu machen.

Ebenso würde die Schieneninfrastruktur zwischen München und Traunstein zur Abwicklung der Spiele modernisiert und in der gesamten Region behindertenfreundlich ausgebaut werden, so Kösterke. Der Ausbau der Schieneninfrastruktur Richtung Norden zwischen Traunstein und Mühldorf zur schnelleren Anbindung an den Flughafen München, der Teil des Konzepts ist, würde nachhaltig eine Verbesserung für die Menschen im ganzen Landkreis darstellen und die Bedeutung des Bahnhofs Traunstein als Bahnknotenpunkt und "Hauptbahnhof des Chiemgaus" dauerhaft sichern.

Mit Blick auf die Erhaltung bestehender Sportstätten sowie nötiger Infrastrukturprojekte in der Region wie beispielsweise den Ausbau der A8 sowie Investitionen in Schiene und Straße betonte er, dass vieles nötig sei, auch ohne dass die Olympischen Spiele in die Region kämen. "Aber leichter zu realisieren ist es mit den Spielen", so das Stadtoberhaupt, der die Gesamtdimension von Olympia mit 20 parallel laufenden Weltmeisterschaften verglich.

Simon Steiner (Traunsteiner Liste) sah "viel Blenderei, ein einmaliges Strohfeuer und die Gier des Funktionarismus". Seine Fraktion sei dagegen, da man "so ein Mega-Event nicht braucht, um unsere Straßen in Ordnung zu bringen". Man bringe das auch anders hin, wolle finanzielle Mittel lieber in die Schulen und den Breitensport investieren.

Stefan Namberger (CSU), als Vorsitzender des Stadtverbandes der Sportvereine besonders mit dem Traunsteiner Sport verbunden, sagte, die Region könne durch Olympia nur gewinnen. Man habe die Sportstätten weitgehend bereits im Bestand, touristisch gesehen sei das Thema eine "Spitzenwerbung für die Region".

Walburga Mörtl-Körner (Bündnis 90/Die Grünen) warnte vor einem Spitzensport, der ein Dopingproblem habe und in dem dadurch oft kein fairer Wettbewerb mehr gegeben sei. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Auswirkungen des Klimawandels stehe ihre Stadtratsfraktion nicht hinter einer Bewerbung. Daneben stelle sie in Frage, "ob eine solch schöne Landschaft wie der Chiemgau ein solches Mega-Event verträgt".

Ihren Argumenten um den vorrangigen Einsatz von Billiglohnkräften bei Bauarbeiten und des seit Wochen durch die Diskussionen "geisternden" Themas der Autobahnsperre während der olympischen Tage in der Region entgegnete der Oberbürgermeister: "Bitte auf dem Boden bleiben und sich sachlich mit den Szenarien auseinandersetzen." Von einem "Mega-Wettbewerb in der Region könne keine Rede sein, die Zahl der Sportarten und Wettkämpfe sei "sehr begrenzt". Kösterke: "Hier kommen keine 2,5 Millionen Besucher nach Ruhpolding."

Karl Schulz (CSU) wünschte sich, dass auf dem Stadtplatz Sieger nicht nur paralympischer, sondern auch olympische Wettbewerbe geehrt werden. Bezugnehmend auf einen Antrag der Fraktion der Grünen, der unter anderem vorsah, dass der "Stadtrat die Bürger auffordert, sich über Pro und Contra der Olympiabewerbung zu informieren," sprach er vom "erhobenen Zeigefinger im Oberlehrerstil" und meinte: "Die Bürger tun das sowieso."

Auf praktisch gute Erfahrungen mit der Biathlon-Weltmeisterschaft wies Ingrid Boedecker, die Vorsitzende der SPD-Fraktion, hin: Die Maßnahmen beim Umbau des Traunsteiner Bahnhofs seien vor dem Hintergrund der WM gerade beim Ruhpoldinger Gleis beschleunigt durch- und umsetzbar gewesen.

Wolfgang Lenz (UW) wünschte sich für die Olympischen Spiele den Amateursport vor 50 Jahren zurück. Für ihn gebe es viel Pro und Contra in der jetzigen Bewerbung. Unsichere Kostenentwicklungen, verbunden mit einem hohen Risiko für den Steuerzahler, sowie Knebelungsverträge des IOC bringen ihn aber, wie er sagte, zu der persönlichen Einschätzung: "Finger davon lassen."

Dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholer-Niederlöhner (SPD) meinte: "Eigentlich wissen wir nichts und deshalb vermuten wir vieles." Sie rief dazu auf, mit Argumenten auf der "sachlichen Seite" zu bleiben.

Wilfried Schott (Bündnis 90/Die Grünen) kritisierte, dass "die Bürger sehr einseitig informiert worden sind", und bezog sich dabei auf die Versendung der Wahlunterlagen für den Bürgerentscheid. Kritiker bemängelten mehrfach, dass kein Pro und Contra der Bewerbung den Unterlagen beigelegt gewesen seien. wz

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