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Gegen den Fachkräftemangel

Traunstein bekommt eigene Schule für Heilerziehungspflege

Ein Beruf, in dem man enge soziale Beziehungen aufbaut: Julia Neuhauser, die zur Staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin ausgebildet wird, und Max Maier, der in der Traunsteiner Lebenshilfe wohnt. Derzeit muss Neuhauser einen weiten Weg für ihre schulische Ausbildung auf sich nehmen. Ab 2022/23 ist der Schulbesuch auch in Traunstein möglich.
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Ein Beruf, in dem man enge soziale Beziehungen aufbaut: Julia Neuhauser, die zur Staatlich anerkannten Heilerziehungspflegerin ausgebildet wird, und Max Maier, der in der Traunsteiner Lebenshilfe wohnt. Derzeit muss Neuhauser einen weiten Weg für ihre schulische Ausbildung auf sich nehmen. Ab 2022/23 ist der Schulbesuch auch in Traunstein möglich.
  • Heidi Geyer
    VonHeidi Geyer
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Wer im Landkreis Traunstein bislang Heilerziehungspfleger werden möchte, der braucht in erster Linie Zeit. Denn die derzeitige Schule ist weit weg. Doch das Kultusministerium verspricht Abhilfe.

Traunstein – Die Stadt Traunstein bekommt zum Schuljahr 2022/23 eine neue Fachschule für Heilerziehungspflege. Gestern gaben das Bayerische Finanz- und das Kultusministerium bekannt, dass das Schulzentrum um einen weiteren Ausbildungszweig erweitert und dort künftig der Abschluss zum „Staatlich anerkannten Heilerziehungspfleger“ möglich sein wird.

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„Eine wunderbare Sache“, sagt die Geschäftsführerin der Lebenshilfe Traunstein und Bezirksrätin (CSU) Annemarie Funke. Die Freude ist ihr anzuhören. Tatsächlich erfuhr sie im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung von der Nachricht.

Derzeitige Schule in Altenhohenau

Allein bei der Lebenshilfe werden 30 junge Menschen als Heilerziehungspfleger ausgebildet und müssen derzeit noch lange Fahrtzeiten in Kauf nehmen. Die nächste Fachschule ist in Altenhohenau in der Gemeinde Griesstätt im Landkreis Rosenheim.

Zwei Stunden täglich im Auto

Nadine Schambeck (26) lebt in Surberg und wird derzeit bei der Lebenshilfe als Heilerziehungspflegerin ausgebildet. „Ich fahre derzeit knapp eine Stunde nach Altenhohenau“, erzählt sie. Eine Schule in Traunstein sei „eine riesengroße Erleichterung“. Sie kenne sogar einige, die wegen des weit entfernten Schulstandorts deshalb die Ausbildung gar nicht erst machen oder sogar währenddessen abbrechen.

Fachkräftemangel in Sozialberufen

Funke setzte sich daher seit 2018 gemeinsam mit Lothar Wagner, Geschäftsleiter des Traunsteiner Landratsamtes, und dem stellvertretenden Schulleiter im Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Traunstein, Martin Brunnhuber, für einen Standort in der Großen Kreisstadt ein.

Heute können sich junge Menschen aussuchen, wo sie arbeiten wollen, meint Funke. „Das ist schon ein Anreiz, wenn die Schule in der Nähe ist“, sagt Funke. Denn wie in allen sozialen Berufen sind auch Heilerziehungspfleger sehr gefragt: „Wir hoffen, dass uns das beim Fachkräftemangel hilft.“

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Denn der Beruf selbst sei sehr attraktiv. „Er ist sehr vielseitig und das gefällt unseren Auszubildenden. Ein richtig bunter Beruf!“, sagt Hermann Seeböck, der die gesamtpädagogische Gesamtleitung bei der Traunsteiner Lebenshilfe innehat.

Heilerziehungspflege begleiten Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung. sodass diese so selbstständig wie möglich leben können, erklärt Seeböck. „Der Schwerpunkt in der Ausbildung ist ganzheitlich, mit Elementen aus Pädagogik, Psychologie und Medizin“, sagt Seeböck. Eine sehr wertige Aufgabe sei die Arbeit als Heilerziehungspfleger, bei denen Menschen Lebensqualität vermittelt werden soll und zu denen man eine enge Beziehung aufbaut.

Erst Schuljahr 2022/23

„Wir haben uns mit den Kollegen aus dem Berchtesgadener Land abgestimmt, wo es auch keine Fachschule gibt“, sagt Lothar Wagner. Gemeinsam versuchte man, Lösungen mit verschiedenen Trägern zu finden. „Letztlich war eine staatliche Schule die beste Lösung“, berichtet Wagner. Dies sei auch im Sinne von Landrat Siegfried Walch (CSU), der derzeit an Corona erkrankt ist und deshalb nicht zu sprechen ist.

Auf den Landkreis kommen zukünftig als Sachaufwandsträger die Kosten für die neue Schule zu, wobei der Freistaat Bayern das Lehrpersonal bezahle. „Leider ist es von ministerieller Seite zum neuen Schuljahr nicht möglich zu starten, sondern erst in einem Jahr“, sagt Wagner.

Hoher Andrang erwartet

Eng könnte es auch im Staatlichen Beruflichen Schulzentrum in Traunstein werden. „Wir haben eine solide Basis und können auf Synergieeffekte mit unseren Berufsfachschulen und der Fachakademie für Sozialpädagogik setzen“, sagt Martin Brunnhuber. Langfristig werden die momentan verfügbaren Räume für den zusätzlichen Zweig vermutlich nicht ausreichen. Starten werde man mit einer Klasse.

„Dann müssen wir schauen, wie wir das stemmen können, es ist auf jeden Fall machbar.“ Der stellvertretende Schulleiter weiß um den hohen Bedarf und überlegt schon jetzt, nach welchen Kriterien die ersten Schüler ausgewählt werden: „Wir werden eine Mischung aus Noten, Herkunftsort und sozialen Kriterien brauchen.“ Er rechnet derzeit mit 20 Plätzen, das stehe aber noch nicht fest.

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