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Nach Drogendeal am Fußballplatz in Bayerisch Gmain

Chat-Verläufe liefern tiefe Einblicke – Prozess-Fortsetzung am Montag

49-jähriger Drogendealer aus Frankfurter vor dem Landgericht in Traunstein
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Verhandlung wegen BtmG-Verstoßes und schweren Raubes am Donnerstag (12. Mai) in Traunstein
  • Sascha Ludwig
    VonSascha Ludwig
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Bayerisch Gmain/Traunstein – Einen lukrativen Drogen-Deal hatten sich alle Beteiligten Ende 2021 in Bayerisch Gmain wohl anders vorgestellt. Doch wo viel Geld im Spiel ist, entstehen nicht selten Begehrlichkeiten. chiemgau24.de berichtet aktuell von der Verhandlung gegen einen 49-Jährigen am Donnerstag (12. Mai) vor dem Traunsteiner Landgericht.

Update, 17.30 Uhr - Chat-Verläufe liefern tiefe Einblicke – Prozess-Fortsetzung am Montag

Nach der Mittagspause wird der Prozess gegen die beiden 49- und 42-jährigen Angeklagten fortgesetzt. Nachdem sich mehrere, direkt an den Vorkommnissen Anfang Oktober 2021 beteiligte Zeugen kurzfristig krank gemeldet haben, muss sich das Gericht zunächst neu ordnen.

Die Klärung von Widersprüchen und nach wie vor offenen Fragen in den Aussagen des vormittags vernommenen Österreichers bleiben also zunächst weiter bestehen. Sowohl der Freund des 31-jährigen Zeugen, der ihn zum Drogendeal nach Bayerisch Gmain begleitet haben soll, als auch dessen Freundin werden erneut und dann zum zweiten Prozesstag am kommenden Montag (16. Mai) geladen.

Streifenbeamter schildert den vermeintlichen Betrug

Den Anfang macht die Aussage eines Beamten der Polizeiinspektion Bad Reichenhall. Er habe sich mit dem 31-Jährigen kurz nach der Tat vor Ort in Bayerisch Gmain getroffen. Der Österreicher habe auf der Wache angerufen und einen Raub gemeldet. Er hätte am Sportplatz ein Auto kaufen wollen, sei aber betrogen und bestohlen worden. Nach weiteren Gesprächen mit dem vermeintlich Geschädigten, dämmerte dem Polizisten dann aber doch ein Verdacht: „ Die Geschichte war irgendwie nicht ganz so plausibel, auf jeden Fall war erkennbar, dass er deutlich alkoholisiert war. Und er hatte keinen Führerschein“, so der Beamte vor Gericht.

Nach einem Abgleich der Angaben des Österreichers mit den Polizei-Datenbanken, habe sich dennoch ein erster Tatverdächtiger bereits vor Ort ermitteln lassen, denn: „Der Geschädigte hat uns da einen Instagram-Kanal am Handy gezeigt; auch der Klar-Name war dort zu lesen.“ Über den Namen des jetzt angeklagten 49-Jährigen hätten die Beamten schließlich auch schnell den Bezug zu Betäubungsmitteln sowie einem möglichen Handel herstellen können. „Dass er überwältigt und ausgeraubt worden ist, halte ich für glaubwürdig,“ so der Polizeibeamte zusammenfassend. Dass der Streitgegenstand dabei etwas anderes als ein Auto gewesen sein könnte, bestätigt er ebenso.

Kripo zu den Ermittlungen und der Festnahme des Angeklagten

Ein Beamter der Kripo Traunstein macht weiterführende Angaben: Er hatte den vermeintlich Geschädigten im Nachgang der Vorkommnisse verhört. Ihm gegenüber habe der Österreicher zugegeben, dass er ein Kilogramm Kokain und kein Auto kaufen wollte. Die Aussagen des Österreichers deckten sich im Verhör weitestgehend mit seinen Einlassungen heute vor Gericht. Und auch der Verkauf von 500 Gramm Kokain zum Preis von 27.500 Euro ein paar Monate vorher durch den Angeklagten 49-Jährigen sei bereits beim Verhör zur Sprache gekommen.

Ein weiterer Beamter der Kripo Traunstein hat den Fall mit Bezug auf Betäubungsmittel bearbeitet und war bei der Festnahme des 49-Jährigen in NRW vor Ort. Der Polizist schildert vor Gericht, dass dabei mehrere Telefone gefunden wurden. Weitere Beweismittel wurden nicht sichergestellt. Der Beamte übernahm im Anschluss auch die Sichtung der auf den Smartphones gespeicherten Gesprächsverläufe. „Insbesondere zwei relevante Chats“ seien dabei ins Auge gefallen; rund um den Tat-Tag ließen sich daraus wichtige Erkenntnisse erzielen, so der Polizist vor Gericht. Ob der 31-jährige Österreicher und der 49-jährige Angeklagte schon länger in Kontakt standen, könne der Ermittler nicht mit Sicherheit sagen.

Aus den Chatverläufen habe sich für den Beamten die Schlussfolgerung ergeben, dass es sich bei dem Deal nicht um echtes Kokain gehandelt haben kann. Bilder von Spachtelmasse und sarkastische Kommentare wie „Von uns nur beste Qualität“ würden hier eindeutig in eine Richtung zeigen, so der Kriminalpolizist.

Fortsetzung mit zahlreichen Zeugen am Montag (16.Mai)

Weiter fraglich ist, welche Rolle der Begleiter des 31-jährigen Österreichers bei den Vorkommnissen in Bayerisch Gmain und bereits beim vermeintlich ersten Deal einige Monate zuvor gespielt hat. Laut Staatsanwaltschaft soll der Fahrer des Geschädigten von der österreichischen Polizei bereits vernommen worden sein. Krankheitsbedingt habe der Zeuge allerdings heute nicht aussagen können. Bis zur Prozess-Fortsetzung am Montag (16. Mai) soll aber sowohl das Protokoll der Vernehmung als auch die persönliche Aussage vor Gericht organisiert werden.

Update, 13 Uhr - „Geld weg, Koka weg“ – Statt Kokain gab es wohl eine Knieverletzung

Als Nächstes steht die Aussage des geprellten Kunden auf dem Programm. Da auch gegen ihn derzeit Ermittlungen laufen, wird der Zeuge von zwei Polizeibeamten vor die Strafkammer um den vorsitzenden Richter Volker Ziegler geführt. Vorab hatte ihm ein Kommissar der Kripo in Traunstein mehrere Lichtbilder gezeigt; die Angeklagten konnte er darauf allerdings nicht zweifelsfrei identifiziern. Der 31-jährige Österreicher befindet sich derzeit wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz in Untersuchungshaft.

Er habe den angeklagten 49-Jährigen ein paar Monate vor der Tat über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. „Beim ersten Mal ist es um 500 Gramm gegangen, da hat alles gepasst“, so der Zeuge. Beim zweiten Deal, der in der Nacht Anfang Oktober 2021 stattfinden sollte, habe er ihn dann abgezogen.

Ein Freund habe den Zeugen an diesem Abend abgeholt und zum Treffpunkt gefahren. Nach rund 20 Minuten Fahrt sei man in Bayerisch Gmain angekommen. Am Sportplatz habe der Angeklagte bereits auf ihn gewartet. Eine zweite Person habe er zwar gesehen, könne sie aber nicht näher beschreiben. Man habe die Übergabe vorbereitet, er habe das vereinbarte Geld präsentiert; unvermittelt sei er dann aber umgerissen worden.

Ein Messer, das ihm der Angeklagte zuvor zur Probe der Lieferung übergeben haben soll, fiel zu Boden. Als er wieder auf die Beine gekommen war, sei der Angeklagte weg gewesen. „Geld weg, Koka weg“, so der 31-jährige Zeuge knapp. Bei diesem Vorgang habe er sich eine Verletzung am Knie zugezogen. „Beim ersten Mal hat ja auch alles gepasst, also hab ich mir keine Gedanken gemacht,“ erklärt der Zeuge auf Nachfrage von Richter Ziegler zu möglichen Zweifeln vor dem Geschäft.

Nach der Tat sei er mit dem Freund wieder nach Hause gefahren. „Dann hab ich mir überlegt was ich tun soll. Und beschlossen, das lass ich mir nicht gefallen. Und dann hab ich die Polizei gerufen,“ so der Zeuge. Dort gab er einen gescheiterten Autoverkauf als Ursache für den Betrug an. „Glaub mir, ich finde Dich. Ich komm zu Dir nach Hause und bring Dich und deine Kinder um“, drohte der Zeuge dem 49-jährigen Angeklagten kurze Zeit später per Sprachnachricht.

Den Aussagen der beiden Angeklagten, dass es zu keinerlei Gewalt bei der Übergabe gekommen sein soll, widerspricht der Zeuge mit Nachdruck. Er sei umgerissen, gewürgt und mit Gewalt am Boden festgehalten worden. Auch das erste Geschäft ein paar Monate vorher habe definitiv so stattgefunden; „mit einem schwarzen SUV, Rosenheimer Kennzeichen“ sei der Angeklagte damals unterwegs gewesen.

Nach der Mittagspause wird die Verhandlung weiter fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen noch offene Fragen beantworten und wenn möglich die widersprüchlichen Aussagen von Geschädigtem und Angeklagtem aufklären.

Update, 11.30 Uhr - „Schweren Raub würde ich nie machen; Betrug schon“: Angeklagte mit Teilgeständnis

Unter dem Vorsitz von Richter Volker Ziegler beginnt am Donnerstag die Verhandlung um die Vorfälle, die sich im Oktober 2021 in Bayerisch Gmain zugetragen haben sollen, vor der 2. Strafkammer des Landgerichts in Traunstein. Für die Staatsanwaltschaft ist Nils Wewer im Saal, der mit der Verlesung der ausführlichen Anklageschrift beginnt.

Wie bereits bekannt, soll der 49-jährige Angeklagte bereits vorher Kokain verkauft haben – damals in Österreich. Wie Staatsanwalt Wewer ausführt, habe der Angeklagte im vorgeworfenen Fall aber nie vorgehabt, die Drogen wirklich an den vermeintlichen Kunden in Bayerisch Gmain zu übergeben. Bei der Übergabe der als Kokain getarnten Spachtelmasse habe er dem Kunden zwar ein Messer zur Prüfung der Substanz übergeben, was allerdings nur als Ablenkung dienen sollte. Als sich der Käufer dem Päckchen zuwendete, soll dann alles ganz schnell gegangen sein.

Komplize ebenfalls vor Gericht

Auf der Anklagebank nimmt neben dem 49-Jährigen noch eine weitere Person Platz: Ein 42-Jähriger – ebenfalls aus NRW – der die Übergabe des falschen Kokains als Komplize begleitet haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm neben den Btmg-Verstößen insbesondere den Angriff auf den vermeintlichen Käufer, also schweren Raub, vor. Er soll den überrumpelten Käufer am Boden fixiert und bis zur Atemnot gewürgt haben. Von der Gesamt-Beute in Höhe von 40.000 Euro soll der 42-Jährige rund 18.000 Euro kassiert haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass beide Angeklagte die Tat gemeinsam geplant und schließlich auch begangen haben.

Nach der Verlesung der Anklageschriften steigt der vorsitzende Richter Volker Ziegler in die Befragung der beiden Angeklagten ein. Der 49-Jährige mit kroatischen Wurzeln sei bereits vorbestraft; unter anderem wegen Erpressung in Österreich. „Dazu möchte ich aber keine Angaben machen“, so der Angeklagte. Aktuell betreibe er einen gastronomischen Betrieb. Nach seinem Drogen-Konsum befragt gibt er an, vor seiner Verhaftung „so ein, zwei Gramm Kokain“ pro Tag zu sich genommen zu haben.

Der zweite Angeklagte, ein 42-jähriger Deutscher mit jugoslawischen Eltern, gibt an, seit ungefähr 2010 regelmäßig – in der Regel täglich – Kokain zu konsumieren. Zum ersten Mal straffällig geworden sei er im Jahr 2012. Zu diesem Zeitpunkt wurde er zu einer Freiheitsstrafe mit Bewährung verurteilt. Den anderen Angeklagten kenne er seit rund drei Jahren.

Angeklagter bestreitet Vorwürfe – gibt den Betrug allerdings zu

Von der Strafkammer auf die Tat im Oktober 2021 angesprochen, lässt der 49-Jährige eine Erklärung über seinen Anwalt – den Rosenheimer Harald Baumgärtl – verlesen. Er gibt zu, den Kunden in Bayerisch Gmain von Anfang an und mit Absicht getäuscht zu haben. Nachdem der Mann Kontakt mit ihm aufgenommen hatte, habe er die Spachtelmasse im Baumarkt gekauft und alles vorbereitet. Ein Messer will der Angeklagte aber nicht bei sich gehabt haben.

Und auch einen Angriff auf den Käufer soll es nicht gegeben haben. Wie sich sein Kunde dann die dokumentierten Verletzungen zugezogen haben soll, könne er nicht sagen. Zudem bestreitet der 49-Jährige den ersten Tat-Vorwurf – den Verkauf von 500 Gramm an denselben Kunden in Österreich.

Der 42-Jährige bestätigt vor Gericht die Angaben seines Freundes. Er gibt den vollzogenen Betrug zu und ergänzt, das Fahrzeug geführt zu haben. „Schweren Raub würde ich nie mitmachen, Betrug ja. Keine Sekunde Gewalt!“ erklärt der Komplize vor Gericht. Das Geld habe er genutzt, um alte Schulden zu begleichen.

Vorbericht zur Verhandlung

Die Szenen, die sich Anfang Oktober 2021 in der beschaulichen Gemeinde im Berchtesgadener Land abgespielt haben sollen, erinnern umgehend an einen fesselnden Gangster-Film: Nach einem erfolgreichen Deal, der schon ein paar Monate zuvor abgewickelt worden sein soll, verständigten sich ein 49-Jähriger aus Nordrhein-Westfalen und eine weitere Person auf das ganz große Ding: Ein Kilogramm Kokain sollte zum Preis von 40.000 Euro den Besitzer wechseln. Doch dann kam alles ganz anders.

Wie die Traunsteiner Staatsanwaltschaft ermittelt hat, soll der 49-jährige Angeklagte ganz bewusst versucht haben, seinen Kunden in Bayerisch Gmain zu täuschen, denn: Zur Übergabe brachte er statt Kokain nur Spachtelmasse mit. Bei der Überprüfung durch den Abnehmer soll die Situation auf dem Sportplatz in der Berchtesgadener Gemeinde dann eskaliert sein. In dem Moment, als der Empfänger der Ware diese testen wollte, soll ihn der Angeklagte blitzschnell zu Boden gerissen und gewürgt haben. Erst als der Abnehmer die Gegenwehr durch Atemnot bedingt einstellte, soll der Angreifer von ihm abgelassen haben.

Zusammen mit einem Komplizen und den vereinbarten 40.000 Euro habe der Angeklagte daraufhin die Flucht ergriffen. Zurück blieb ein verletzter Besteller und das falsche Kokain. Am Donnerstag (12. Mai) muss sich der 49-Jährige nun vor dem Landgericht in Traunstein verantworten. Neben dem Handel mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge wird ihm deshalb auch schwerer Raub und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. Chiemgau24 berichtet ab 9 Uhr aktuell und in Ausschnitten aus dem Gerichtssaal.

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