Für 1,6 Millionen Euro in der Brunnwiese

Traunstein baut Hackschnitzelwerk

Die Stadtwerke Traunstein bauen für die Nahwärmeversorgung "Brunnwiese" ein Hackschnitzelwerk. Die beiden Geschäftsführer des Traunsteiner Energieversorgers, Josef Loscar und Stefan Will (von links) stellten das Konzept jetzt der Öffentlichkeit vor. Foto wittenzellner
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Die Stadtwerke Traunstein bauen für die Nahwärmeversorgung "Brunnwiese" ein Hackschnitzelwerk. Die beiden Geschäftsführer des Traunsteiner Energieversorgers, Josef Loscar und Stefan Will (von links) stellten das Konzept jetzt der Öffentlichkeit vor. Foto wittenzellner

Traunstein - Die Stadtwerke investieren weiter in die regionale Nahwärmeversorgung: Für 1,6 Millionen Euro soll in der Brunnwiese ein Hackschnitzelwerk gebaut werden. Baubeginn ist für den Juli geplant. Das Werk soll Anfang 2012 fertig sein und Wärme für die umliegenden öffentlichen Gebäude liefern. Die Geschäftsführer der Stadtwerke, Josef Loscar und Stefan Will, stellten das Projekt im Rahmen einer Pressekonferenz in den Räumlichkeiten der Stadtwerke der Öffentlichkeit vor.

Das Hackschnitzelwerk soll nach seiner Fertigstellung die öffentlichen Gebäude Chiemgau-Gymnasium, das Sonderpädagogische Förderzentrum und die Ludwig-Thoma Schule mit Wärme versorgen. Im Rahmen von einer mittelfristig erwarteten Reduzierung des Wärmebedarfs der umliegenden Wohngebäude, die durch vorgenommene Wärmedämmungen an den Häusern entstehen könnte, sollen im Nachgang auch die Städtische Galerie, die Klosterkirche und das vor einer Sanierung stehende Alte Kurhaus an die Nahwäreversorgung angeschlossen werden. Umliegende private Wohnhäuser an die neue Anlage anzuschließen sei derzeit nicht vorgesehen. Eher ist daran gedacht auf längere Sicht den Gebäudekomplex der nahen Justiz, das Fnanzamt und gegebenenfalls größere Wohngebäude im Bereich Obere-Hammer-Straße mit einzubeziehen. Strom kann in der Anlage nicht produziert werden. Die CO2-Einsparung durch die neue Anlage wird nach Berechnungen der Stadtwerke bei rund 550 Tonnen pro Jahr gegenüber des bestehenden Ist-Zustandes beziehungsweise der derzeitigen Versorgung durch das bestehende Gasleitungsnetzes liegen.

1,6 Millionen Euro sollen in Gebäude, Heizhaus und Technik sowie in das rund 550 Meter lange Nahwärmenetz investiert werden. 800 kW soll der Kessel der Biomasseanlage schaffen, in dem auch erntefrisches Hackgut verfeuert werden soll. Dazu kommt ein Gaskessel, der auf bis zu 1500 kW ausgelegt ist, um eine kontinuierliche Versorgung zu jedem Zeitpunkt sicher zu stellen erläuterte Will. 90 Prozent der Wärme sollen aus dem Einsatz der Hackschnitzel kommen, Gas steuert zehn Prozent dazu und soll insbesondere in den warmen Sommermonaten eingesetzt werden. Das Gebäude selbst soll - ohne Berücksichtigung des Kamins - eine Höhe von rund zehn Meter haben. Baubeginn ist für Ende Juli vorgesehen. "Die Ferienzeit der Schulen bietet sich hier an" sagte Will.

Loscar wies darauf hin, dass zwar eine regionale Belieferung gewollt sei. "Aber die Liefersituation wird nicht einfacher" so der Geschäftsführer, der darauf hinwies, dass sich die Preise für den Rohstoff innerhalb von zwei Jahren verdoppelt hätten. Das treffe auch das bestehende Werk in Geising, das von einem Traunreuter Anbieter beliefert werde. "Da ist der Preis anders, als wir uns vorgestellt haben" sagte er und wies darauf hin, dass "der bayerische Staat derzeit der größte Preistreiber ist." Hintergrund ist auch der Vertrag, den die Bayerischen Staatsforsten mit einer österreichischen Gruppe abgeschlossen haben, und von dem nun auch über Umwegen der russische Holzgigant Ilim Timber profitiert.

Die beiden Geschäftsführer wiesen darauf hin, dass ihrer Einschätzung nach die Energiekosten mittelfristig überregional deutlich steigen würden. Will erläuterte, dass sich bei Pelletsheizungen die gängigen Fünf-Jahres-Kontrakte von 140 Euro pro Tonne zwischenzeitlich auf bis zu 280 Euro pro Tonne verdoppelt hätten.

Klar nahmen die Beiden nochmals zu der Zusammenarbeit mit der Salzburg AG Stellung, die künftig noch weiter ausgebaut werden soll. Private Haushalte würden ihre Stromversorgung aus Einhundert Prozent Wasserkraft erhalten. Dies sei von Energie Control Austria, dem behördlichen österreichischen Regulator geprüft und werde dort überwacht. Stromzertifikate, die für die Stadtwerke Traunstein gerechnet werden, würden von der erzeugten Strommenge abgezogen. Sie verwiesen darauf, dass Industriekunden hier ein anderes Einkaufsverhalten an den Tag legen würden als Privatkunden. "Da bezieht man den günstigsten Strom und das ist Atomstrom" so Will.

Geschäftsführer Loscar wies darauf hin, dass man hoffe, regional weitere Pläne zur Stromerzeugung verwirklichen zu können. Auch müsse man in großem Stil in Speichermöglichkeiten investieren, sagte er und fügte hinzu: "Sonne und Wind als Energielieferant sind nicht wirklich planbar." wz

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