Aus dem Amtsgericht

Traunstein: Dieb wortwörtlich wegen seiner Nase überführt

Der Angeklagte drückte bei einer Bäckerei in Reit im Winkl ein Fenster ein und stahl Geld aus den Kassen.
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Der Angeklagte drückte bei einer Bäckerei in Reit im Winkl ein Fenster ein und stahl Geld aus den Kassen.

In Reit im Winkl und in Traunreut schlug er zu: Einen 24-Jährigen verurteilte das Traunsteiner Amtsgericht wegen drei Diebstählen zu einer Freiheitsstrafe. Nase, Ohren und Statur hatten ihn verraten.

Traunstein/Reit im Winkl /Traunreut – Ein Anthropologe aus München trug dazu bei, einen Dieb zu identifizieren, der in Reit im Winkl in eine Bäckerei eingestiegen war und danach versucht hatte, die erbeuteten Münzen in einer Bank im gleichen Ort in Scheine zu wechseln. Ein Gutachten zu Videos aus Überwachungskameras führte in beiden Gebäuden dazu, einen 24-Jährigen zu überführen. Das Amtsgericht Traunstein verhängte gegen den Angeklagten gestern wegen dreier Diebstähle eine Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren. Angesichts der zehn Eintragungen im Bundeszentralregister stellte sich die Frage der Bewährung nicht.

Im Urlaub im Chiemgau auf Diebestour

Den Kopf, den Haaransatz, die Nase, die Ohren, die Statur – alle Merkmale passten nach Worten des Sachverständigen Dr. Andreas Düring aus München „hochwahrscheinlich“ bis „höchstwahrscheinlich“ zu erkennungsdienstlichen Aufnahmen der Polizei vom Angeklagten.

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Er machte im September 2019 Urlaub in Oberbayern. Wenn seine Verlobte schlief, ging der 24-jährige polnische Staatsangehörige auf Diebestour, wie er gestern erklärte. Gegen 2.10 Uhr suchte er am 4. September 2019 die besagte Bäckerei in Reit im Winkl heim. Durch ein eingedrücktes Fenster gelangte er ins Haus und nahm 200 Euro Münzgeld aus den Kassen mit.

Whiskey und Sparschweine

In den Gastraum eines chinesischen Restaurants in Traunreut drang er in der Nacht zum 8. September 2019 durch ein gekipptes Fenster ein. Dabei sollte er eine knapp 1 500 Euro teure Gucci-Damenhandtasche erbeutet haben. Dies bestritt der Angeklagte als einzigen Vorwurf. Zu dem Entwenden einer 4,5-Liter-Whiskey-Flasche im Wert von 115 Euro sowie drei Sparschweinen mit etwa 150 Euro Trinkgeld hingegen stand er.

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Ebenfalls in Traunreut wurde er in der Nacht zum 10. September 2019 in einem Hotel an der Kantstraße, in dem er mit der Freundin übernachtete, fündig. Dieses Mal fielen ihm die Servicetasche und der private Geldbeutel einer Kellnerin mit zusammen einigen Hundert Euro sowie eine Geldkassette aus der Küche mit 100 Euro Inhalt in die Hände. Neben den Videos führten DNA-Spuren, sichergestellt an der Damentasche und einem Fenster, zur Überführung des Täters. Ein Bankangestellter konnte wertvolle Hinweise geben, die mit auf die Spur des Angeklagten führten.

Angeklagter gesteht Taten

Nach der Festnahme wies der 24-Jährige vor der Polizei – wie beim Ermittlungsrichter – alle Vorwürfe als unzutreffend zurück. Gestern ließ er über seinen Verteidiger, Julian Praun, erstmals die Punkte der Anklage von Staatsanwältin Barbara Miller einräumen.

Der 24-Jährige, aufgewachsen in schwierigen Verhältnissen, erklärte, er habe „Beschaffungsgeld“ für Drogen und Alkohol gebraucht. Seit dem 13. Lebensjahr konsumierte er nach seinen Worten Betäubungsmittel. Mit 15 Jahren absolvierte er einen Entzug. Mehrmals flog er wegen Betäubungsmitteln aus Einrichtungen und Arbeitsstellen.

Langjähriger Drogenkonsum und mehrfacher Entzug

Vor Ende einer knapp zweijährigen Haftzeit bekam er 2017 in einem kleinen Gefängnis eine neunmonatige Therapie. Bereits ein halbes Jahr später wurde er rückfällig. „Ich hab mein ganzes Leben mit Drogen verbracht“, schilderte der 24-Jährige gestern. Das wolle er künftig ändern. In der jetzigen Haftanstalt habe er bereits die Suchtberatung kontaktiert, versicherte er.

Was ist mit der Tasche?

Auf Ahndung des Handtaschendiebstahls verzichtete Staatsanwältin Barbara Miller im Plädoyer auf eine Gesamtstrafe von 21 Monaten ohne Bewährung. Darin war eine Vorstrafe einbezogen. Verteidiger Julian Praun aus Traunreut hielt 15 Monate, ebenfalls ohne Bewährung, für ausreichend.

Auch der Richter Wolfgang Ott nahm dem Angeklagten ab, dass er die Edelhandtasche nicht geklaut habe: „Es macht keinen Sinn, die Tasche abzustreiten. Ich gehe davon aus, sie nicht von ihm entwendet wurde.“ Mit Zustimmung der Staatsanwältin wurde das Urteil gestern sofort rechtskräftig.

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