Nachruf

Trauer in Marquartstein um Josef Bock: Ein unermüdlicher Forscher und Sammler

Josef Bock saß gern an seinem Arbeitsplatz im Haus am Wuhrbichl. Das Bild enstand 2016.
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Josef Bock saß gern an seinem Arbeitsplatz im Haus am Wuhrbichl. Das Bild enstand 2016.
  • vonChristiane Giesen
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Josef Bock, Ehrenbürger von Marquartstein und „Häuserchronist“, ist im Alter von 91 Jahren gestorben.

Marquartstein – Josef Bock, der „Laimgruber Sepp“, starb nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von 91 Jahren. Er hinterlässt eine Tochter, drei Enkel und sechs Urenkel; seine Frau Helga war schon vor ihm gestorben.

Seit 2002 war er Ehrenbürger Marquartsteins, eine Auszeichnung, die er vom damaligen Bürgermeister Matthias Dögerl für seine 2001 erschienene „Häuserchronik“ erhalten hatte. Für diese umfangreiche, reich bebilderte Sammlung forschte Bock jahrzehntelang in vielen Archiven und besuchte fast alle Häuser der Gemeinde.

Großes Interesse an Heimatgeschichte

Es wurde ein einmaliges Nachschlagewerk mit weit über 800 Fotos für alle, die sich für die Ortsgeschichte und seine Bewohner interessieren. Bock, der 1929 in Laimgrub, geboren wurde, forschte, sammelte und archivierte sein Lebtag lang. Ursprünglich gelernter Landwirt und Maurer, musste Bock wie so viele andere auch, die verschiedensten Berufe ausüben und war daher auch als Bauarbeiter, Bierfahrer und Getränkehändler unterwegs. 1951 heiratete er Helga Brandl, sie bekamen Tochter Veronika.

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1967 übernahm er den elterlichen Hof in Laimgrub, verkaufte das Vieh und richtete dort ein Getränkelager ein. Vielseitig wie er war, galt seit seiner Jugend sein großes Interesse der Heimatgeschichte. „Lesen und Bilder war immer mein Ding“, sagte Sepp Bock in einem Gespräch mit unserer Zeitung vor einigen Jahren. Da kam ihm seine Tätigkeit als Verkaufsfahrer für Getränke entgegen: Er kam viel herum und entdeckte dabei viele alte Häuser und Höfe der näheren Umgebung, die sein historisches Interesse weckten.

90 Mal ins Münchener Staatsarchiv gefahren

Als Rentner betrieb er in unzähligen Stunden Arbeit in Kirchenbüchern und Archiven, dann im Vermessungsamt in Traunstein Ahnenforschung. Dadurch konnte er zu den zuvor gesammelten Familiengeschichten auch deren Besitz im Laufe der Jahrhunderte schriftlich festhalten. Gut 90 Mal fuhr er zudem, meist in aller Früh, nach München, und recherchierte im Staatsarchiv. Der kürzlich verstorbene Bürgermeister Matthias Dögerl, dem Bock immer wieder von seinen Forschungen erzählte, drängte ihn, er solle doch ein Buch schreiben. Bis es soweit war, trugen Bock und einige Mitstreiter allerdings dazu bei, dass der „Heimat- und Geschichtsverein Achental“ gegründet wurde: Als begeisterte Hobbyarchäologen förderten Bock und einige Freunde über Jahre hinweg allerhand Funde aus der Kelten-, Bronze und Neuzeit zutage.

Vor gut fünf Jahren vermachte Bock seine archäologische Sammlung und 50 Aktenordner mit Aufzeichnungen zur Heimatgeschichte der Gemeinde. Nur die lange geplante Ausstellung des Heimat- und Geschichtsvereins konnte Bock nicht mehr erleben, sie wurde 2020 durch Corona verhindert.

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