Trauer um Hans Steinbichler: „In 30 Jahren Geigelstein-Streit ganz und gar aufgeopfert“

Hans Steinbichler
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Hans Steinbichler

Mit dem Tod des Journalisten, Fotographen und Naturschützers Hans Steinbichler aus Kothöd bei Hittenkirchen haben dessen Familie, aber auch der gesamte Chiemgau einen „Helden“ verloren.

Hittenkirchen – Bei der Trauerfeier unter freiem Himmel auf dem Friedhof würdigten viele Wegbegleiter das immense Wirken Steinbichlers, dessen größtes Vermächtnis nach jahrzehntelangem Engagement die Entscheidung der Bayerischen Staatsregierung war, dass ein 3000 Hektar großes Gebiet am Geigelstein als „Chiemgauer Blumenberg“ erhalten, nicht mit einem Skilift bebaut und letztlich unter Naturschutz gestellt wurde.

Die Trauerfeier hielt Michael Schedl von Brockdorff, Diakon in Ausbildung aus München, als Freund der Familie. Er schilderte Steinbichler als freundlichen und zurückhaltenden Mann, der aber zugleich eine energische, kraftvolle und dominante Persönlichkeit gewesen sei. „Ja, er war sogar radikal und kompromisslos, er war ein Getriebener, der auch vor verbalen Verletzungen bei anderen und bei sich selbst nicht Halt machte“; so der Geistliche.

Steinbichler war der Älteste von sieben Geschwistern. Sein jüngster Bruder Georg erinnerte an Episoden aus der Kindheit und Jugend. „Hans ist dem Zwang der Berge sogar bei der Heuernte unterlegen und er hat für unvergessliche Liederabende im Elternhaus gesorgt. Unvergesslich waren auch die Ski-Abenteuer am Lauberhorn, die Berg-Abenteuer in den Viertausendern in der Schweiz und seine journalistischen Beiträge, die oft Stürme der Entrüstung und Begeisterung gleichermaßen entfachten.“

Der Sohn des Verstorbenen und erfolgreiche Filmregisseur Hans Steinbichler gewährte einen Einblick in das spannungs- und erlebnisreiche Innenleben der Familie. Er sagte am offenen Grab unter anderem: „Dass sich vorhin der Sarg weigerte, in die Grube zu gelangen, das passte zu ihm, auch mein Vater hat sich gegen Vieles gewehrt. Für uns war er wahnsinnig kraftvoll und letztlich ein Vorbild und ein echter Held. Mein Vater hat sich in 30 Jahren Geigelstein-Streit ganz und gar aufgeopfert.“

Profunde Kenntnisse im Alpinismus bescheinigte in einem persönlichen Rückblick der langjährige Freund des Verstorbenen Gerald Trampl. Er nannte Steinbichler unter anderem ein „lebendes Berglexikon.“

„Ohne ihn gäbe es das Bergsteigerdorf Sachrang so nicht“

„Hans Steinbichler hat sich vor neun Jahren beim Jubiläum 20 Jahre Naturschutzgebiet Geigelstein mit der Prientaler Bevölkerung und den Almbauern ausgesöhnt. Heute hat ihm das Obere Priental viel zu verdanken, ohne ihn gäbe es das Bergsteigerdorf Sachrang so nicht, wie es heute gut dasteht.“ Mit diesen Worten würdigte Georg Antretter vom BR-Fernsehen den Verstorbenen. Klaus Gerosa, Freund und journalistischer Weggefährte seit 1975, sprach von einem bewegten Leben. Hans Steinbichler habe keinen Windhauch, sondern Stürme entfesselt. Gerosa übermittelte auch die Grüße vom Bund Naturschutz, von dessen Präsident Hubert Weiger sowie von verschiedenen Bürgerinitiativen und Verbänden, die an der Seite von Hans Steinbichler für Schutz und Gerechtigkeit in der Natur gesorgt hätten.

„Der Hans war nicht nur in der Welt und in den Bergen unterwegs, seit 1971 war er mit seiner Frau Elfriede auch beim Trachtenverein Hittenkirchen daheim, er hat sich vielfachverdient gemacht“, würdigte Vorsitzender Christoph Kaufmann die 49-jährige Vereinstreue.

Die musikalische Gestaltung übernahmen die Jugendblaskapelle Hittenkirchen unter der Leitung von Fritz Lampersberger sowie mit Gitarre und Gesang das Duo Domini und Konsti.

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