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Trasse bahnt sich ihren Weg

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Die Arbeiten an dem vier Kilometer langen Abschnitt der Westtangente zwischen der Autobahn A8 und der Anschlussstelle Kolbermoor schreiten voran. In zwei Jahren sollen die ersten Autos über die neue Trasse rollen. Gleichzeitig werden im Staatlichen Bauamt Rosenheim die Planungen für den zweiten Abschnitt über den Aicherpark vorangetrieben - damit, sobald die Gelder freigegeben werden, die Arbeiten nahtlos fortgesetzt werden können.

Kolbermoor/Pösling - Eine ganze Reihe interessierter Bürger war einer Einladung des CSU-Ortsverbands Kolbermoor zur Besichtigung gefolgt. Gesamtprojektleiterin Eva Weber vom Staatlichen Bauamt Rosenheim und Bauleiter Günter Bruckeder gaben einen Überblick über die Arbeiten und den Baufortschritt. Wie Weber versicherte, sind künftig regelmäßige Infotage für interessierte Bürger geplant.

Die gesamte Trasse ab Autobahn bis nördlich von Pfaffenhofen habe eine Länge von 11,3 Kilometern, umfasst 23 Bauwerke. Die Gesamtkosten belaufen sich auf 74 Millionen Euro. Davon entfallen 55 Millionen Euro auf die Baukosten und 19 Millionen Euro auf den Grunderwerb.

Deutliche Fortschritte seit dem Spatenstich im August 2012 macht inzwischen Abschnitt 1: 3,9 Kilometer lang ab der Autobahn A8 bis zur Anschlussstelle Staatsstraße 2078 zwischen Kolbermoor und der Schwaig. Kosten: 20,3 Millionen Euro. Neben der eigentlichen Trasse werden insgesamt sieben Brückenbauwerke benötigt, wovon zwei bereits fertiggestellt sind, eines nahezu, zwei weitere sind in Bau.

Das spektakulärste Bauwerk steht aber noch bevor: die Überführung des Kaltentales, das unter Naturschutz steht und streng geschützt werden muss. In diesem Bereich darf einzig ein Mittelpfeiler betoniert werden, die eigentliche Brücke wird dann per Autokran als Fertigelement eingehoben - "das wird eine spannende Geschichte", ist die Projektleiterin überzeugt. Erste Vorbereitungen für dieses Bauwerk sind bereits getroffen: Die Rampen wurden sukzessive aufgeschüttet, um spätere Setzungen zu vermeiden.

Denn: Der Untergrund hat es in sich, wie Weber erklärt, Seeton durch und durch - "sehr schlechter Baugrund, weshalb wir auf der gesamten Trasse umfangreiche Bodenverbesserungen durchführen mussten", berichtet sie. Erst habe man den Oberboden abgeschoben, dann spezielles Bodenvlies ausgelegt und den Untergrund mit Kies neu aufgebaut. Hinzu kamen sogenannte Vertikaldrainagen, kleine Schläuche, die das Wasser aus dem Seeton führen und die Setzung beschleunigen sollen. Damit kann das überschüssige Wasser abfließen.

Den für manchen Passanten vergleichbar schleppenden Baufortschritt erklärte Weber mit den aufgrund der schwierigen Bodenverhältnisse notwendigen Dammschüttungen, bei denen zur Setzung vorgeschriebene Konsolidierungszeiten eingehalten werden müssten.

Die unübersichtlichen und lange andauernden Grabungen im Bereich der Staatsstraße 2078 zwischen Kolbermoor und der Schwaig erklärte Weber mit der für den Weiterbau notwendigen Verlegung von unzähligen Sparten: Erdgasleitungen, Strom, Wasser, Telefon etc. befinde sich ausgerechnet unter der geplanten Trasse, weshalb alles nach und nach angepasst werden müsse.

Großes Augenmerk werde bei den Bauarbeiten zudem auf den Umweltschutz gelegt, wie die Projektleiterin betonte. Neben dem sensiblen Kaltental, in dem mit Ausnahme des Stützpfeilers keinerlei Arbeiten stattfänden, würden auch die Amphibien besonders geschützt. Allein für die Bauzeit wurden an die 3000 Meter Amphibienzaun entlang der Trasse angebracht. Nach Fertigstellung sei dann ein Amphibiendurchlass unterhalb der Hangkante im Bereich Kolbermoor vorgesehen, verbunden mit einer Leiteinrichtung. Zu den streng geschützten, hier anzutreffenden Arten zählt Weber Springfrösche und die Gelbbauchunke. Zudem werde das Anbringen eines Wildschutzzaunes entlang der Trasse geprüft, was jedoch beim ebenfalls anwesenden Kolbermoorer Jäger Werner Stieb auf keine Begeisterung stieß: Er befürchtet dann eine Abtrennung des Gebietes östlich der Trasse und das Entstehen einer "Insel" ohne Austauschmöglichkeit für das Wild aufgrund der vorhandenen Begrenzung durch die Autobahn im Süden und den Inn im Osten.

Eine Simulation stellte Weber den Besuchern hinsichtlich der Anschlussstelle 2078 in Kolbermoor vor, wobei die Westtangente über Ausfahräste an die Staatsstraße angebunden würde, geregelt über Ampeln. "Was kein Problem darstellen dürfte", meint Weber. Ist Bauabschnitt 1 einmal in Betrieb (geplant ab Herbst 2015), rechnet die Projektleiterin insbesondere für die Staatsstraße in Kolbermoor mit einer Verkehrsentlastung. Mit einer Mehrbelastung bis zur endgültigen Fertigstellung der Trasse müsste indes auf der Äußeren Münchner Straße und im Bereich Panorama-Schwaig gerechnet werden.

Eine möglichst nahtlose Baufortsetzung wünscht sich das Staatliche Bauamt in der Folge für Abschnitt 2 ab der Staatsstraße 2078, verbunden mit Brückenkonstruktion über den Aicherpark (Länge 1,2 Kilometer, Kosten: 29,1 Millionen Euro). Dazu sollen Weber zufolge noch im Oktober im Vorgriff auf die Ausführungsplanung Baugrunduntersuchungen erfolgen - "die Aicherparkbrücke wird intensiv beplant, sobald wir die Mittel bekommen, können wir zügig weiterbauen", erklärte Weber.

Weitere zwei Abschnitte folgen dann noch bis zum geplanten Anschluss nördlich von Pfaffenhofen: Bauabschnitt 3 von Gangsteig bis zur Staatsstraße 2080 mit 4,6 Kilometern Länge, acht Bauwerken und Kosten von rund 15 Millionen Euro, und schließlich der Lückenschluss mit Bauabschnitt 4 mit 2,6 Kilometern (Kosten: 15,1 Millionen Euro). Ist die gesamte Trasse einmal fertiggestellt, rechnet Weber mit einer Befahrung von 20000 bis 25000 Fahrzeugen pro Tag - und einer dementsprechenden Entlastung für das Stadtgebiet von Rosenheim.

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