Touristisches Leistungsspektrum in Ruhpolding muss finanzierbar bleiben

Mit seinen touristischen Einrichtungen wie dem Vita Alpina, dem ersten Wellenhallenbad der Alpen oder dem weitläufigen Rad- und Wanderwegenetz will Ruhpolding den Gästen die Saisonverlängerung schmackhaft machen.
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Mit seinen touristischen Einrichtungen wie dem Vita Alpina, dem ersten Wellenhallenbad der Alpen oder dem weitläufigen Rad- und Wanderwegenetz will Ruhpolding den Gästen die Saisonverlängerung schmackhaft machen.

Gemeinderat Ruhpolding beschließt höheren Kurbeitrag ab Mai – Trotz guter Sommerauslastung bleiben Verluste durch Corona

Ruhpolding – Der Gemeinderat Ruhpolding beschloss in seiner Sitzung, den Kurbeitrag pro Übernachtung und Person von bisher 2,10 auf 2,60 Euro zu erhöhen. Dies entspricht einer Steigerung um knapp 24 Prozentpunkte (23,8). Die verminderten Beitragssätze erhöhen sich um 50 Cent. Die neue Regelung tritt ab 1. Mai in Kraft. Zugleich einigte sich das Gremium darauf, den Kurbeitrag demnächst alle drei Jahre auf den Prüfstand zu stellen.

Wie Bürgermeister Justus Pfeifer eingangs betonte, habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, allerdings bestehe keine Alternative dazu. Der Rathauschef stellte klar, dass es der Kurbeitrag nicht die „Tante“ betreffe, die kurzzeitig bei der Verwandtschaft übernachte, sondern ausschließlich auf gewerbliche Beherbergungsbetriebe abziele.

Plädoyer für abgespecktes Angebot

Über die Gründe der Erhöhung informierte Geschäftsführer Frank Oette von der Ruhpolding Tourismus GmbH (RTG). „Ruhpolding möchte auch in Zukunft eine Vorreiterrolle im Tourismus spielen.“ Dafür brauche es eben auch die finanziellen Rahmenbedingungen. Oette nannte als Faktoren unter anderem die Chiemgau Card, die Einrichtungen Wellenhallenbad Vita Alpina, Kurhaus, Freibad, Eishalle und die Ortslinie, die die Gemeinde zu unterhalten hat. Hinzu kämen Wander- und Radwege oder Loipen.

Oette erläuterte weiter, dass die gute Bettenauslastung im Sommer vermutlich nicht die Verluste durch Corona kompensieren könne. Durch die geplante Saisonverlängerung hofft man jetzt, noch genügend Gäste in den Ort zu holen.

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Zweiter Bürgermeister Ludwig Böddecker plädierte für ein abgespecktes Angebot. Auf seine Frage, wie es sich bei Kurz-Übernachtungen mit Wohnmobilen verhält, antwortete Pfeifer, dass generell jede Übernachtung unter den Kurbeitrag fällt. Allerdings sei hier kaum eine Kontrolle durchführbar.

Ein Leistungspaket der RTG

Wolfgang Heigermoser (CSU) hielt dem Geschäftsführer vor, er verquicke zu Unrecht die Chiemgau Card mit dem Kurbeitrag, aus dessen Topf nicht nur das Wegenetz, sondern auch kulturelle Veranstaltungen wie Heimatabende finanziert werden. „Das sind zwei Paar Stiefel, das sollte man strikt trennen,“ argumentierte er und monierte auch den – seiner Meinung nach – schlechten Zustand des Wanderwegenetzes sowie das nicht taugliche Hygienekonzept für kulturelle Veranstaltungen.

Zu den Vorwürfen meinte Oette, er sehe die Chiemgau-Card sowie den Kurbeitrag als gesamtes Leistungspaket der RTG an und verwies im dritten Kritikpunkt auf die vorgeschriebenen Hygieneschutzmaßnahmen.

Wenn der Steuerzahler drauflegen muss

Den Gästen und Vermietern, aber auch dem ganzen Ort gegenüber möchte er es nicht verantworten, Ruhpolding zu einem Hotspot werden zu lassen. Daher sieht er die RTG auf dem richtigen Weg. Sepp Hohlweger (Grüne) sieht es generell kritisch, wenn bei Defiziten der Steuerzahler drauflegen muss. Tourismus müsse man aber als Gemeinschaftsaufgabe sehen, insofern könne er der Erhöhung zustimmen. Für die Übergangszeit hoffe er, dass sich die Wirte untereinander besser absprechen wie bisher, sodass nicht alle gleichzeitig das Schild „Betriebsruhe“ vor die Tür hängen.

Mit zwei Gegenstimmen verabschiedete der Gemeinderat letztlich den Erlass einer neuen Satzung. slu

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