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TOURISMUS IM CHIEMGAU

Tourismusverbands-Präsident Stöttner fordert für Chiemgau: „Mehr Klasse statt Masse“

Erwartet nach einem harten Tourismusjahr 2020 heuer einen positiven Sommer im Chiemgau und am Chiemsee: Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Präsident des Tourismusverbands Oberbayern.
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Erwartet nach einem harten Tourismusjahr 2020 heuer einen positiven Sommer im Chiemgau und am Chiemsee: Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Präsident des Tourismusverbands Oberbayern.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Rosenheim / Prien / Herreninsel – Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner sieht neue Chancen für den Chiemgauer Tourismus, sollte Schloss Herrenchiemsee eines Tages Weltkulturerbe sein. Schon 2024 könnte die Entscheidung darüber fallen. Was das für die Region bedeutet, erklärt er im Interview mit den OVB-Heimatzeitungen.

Sie haben 2014 maßgeblich dazu beigetragen, dass Schloss Herrenchiemsee auf die Antragsliste für den UNESCO-Titel „Weltkulturerbe“ kommt. Da wartet es mit Schloss Linderhof und Neuschwanstein auf 2024, wenn über die Vergabe entschieden wird. Warum ist der Titel für Herrenchiemsee erstrebenswert?

Klaus Stöttner: Weil man damit unter anderem die touristische Zielgruppe anspricht, die nachhaltig und tiefgreifender an der Geschichte von Herrenchiemsee und König Ludwig interessiert ist. Eine neue Qualität im Tourismus wäre erreicht. Denn ein Weltkulturerbe-Tourist unterscheidet sich von anderen Touristen dadurch, dass er länger in der Region bleibt, sich intensiver mit einer Thematik befasst.

Er ist kulturell stark interessiert und würde auch weitere Angebote wie Konzerte nutzen, was wiederum zu neuen Ideen vor Ort anregt. Etwa Open-Airs oder Theater wie „Shakespeare im Park“ auf der Herreninsel. Er gibt rund 40 Prozent mehr Geld in seinem Urlaub aus und weiß ein entsprechendes Angebot zu schätzen.

Im Schnitt übernachtet jemand, der bewusst wegen eines Weltkulturerbes anreist, vier Tage – und damit zwei mehr als ein anderer Gast. Bisweilen kommt er auch noch mal wieder, entwickelt also eine stärkere Bindung zu einer Tourismusregion. Mehr Klasse statt Masse, könnte man sagen.

Was würde das für vorhandene touristische Angebote bedeuten, und für das Schloss selbst?

Stöttner: Letztlich könnten sich Besucherströme qualitativ verändern, die Schlösser- und Seenverwaltung müsste sich intensiver mit der Zielgruppe der Kulturtouristen auseinandersetzen. Die Region muss zudem weitere Angebote schaffen, die Geschichte König Ludwigs und dieses besonderen Bauwerks zu transportieren.

Zumal wir es dann mit Gästen zu tun haben werden, die eben nicht für einen Tag an den Chiemsee kommen, durchs Schloss laufen und wieder abfahren.

Mehr zum Thema: Herrenchiemsee bald auf Augenhöhe mit der Alhambra? Schloss könnte UNESCO-Weltkulturerbe werden

Stöttner: Mit Bürgermeister Armin Krämmer habe ich vor Kurzem eine Stellungnahme an Bayerns Finanzminister Albert Füracker abgegeben, die unterstreicht, dass eine gute Breitbandversorgung für die Herreninsel unabdingbar ist, um Unternehmen und Gäste dort gut zu versorgen.

Das Finanzministerium stellt gerade Mittel im sechsstelligen Bereich zur Verfügung, um die Insel digitaler zu machen. Die Gemeinde wird mit einem kleinen Anteil beteiligt. Was die Digitalisierung im Chiemgau angeht, so gilt es nach wie vor, erst einmal die Lücken im Netz mit 4G/LTE-Standard zu schließen. Woran wir beim Oberbayern Tourismus aber schon arbeiten, ist eine digitale Lösung zur Besucherlenkung.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Stöttner: Gäste werden zum Beispiel mit Echtzeit-Daten schon während ihrer Anfahrt vor vollen Parkplätzen am Zielort gewarnt und umgeleitet. Oder die App sagt ihnen: Alle Karten fürs Schloss sind verkauft, und macht einen alternativen Ausflugsvorschlag.

Dadurch könnte eine Urlauberfamilie auch leichter Ausflugsziele ausfindig machen, die für jedes Alter etwas bieten. Ob Kultur, Sport oder Natur.

Gibt es schon Überlegungen, was 5G im Tourismus künftig bieten könnte?

Stöttner: Zunächst wird es noch länger dauern, bis der Standard bei der breiten Masse ankommt. Aber vorstellbar ist jetzt schon, dass der Trend noch stärker zum Bewegtbild und weg vom Beschreibungstext geht, man sich vor dem Besuch eines Urlaubsorts oder einer Ausstellung einen Film auf dem Smartphone dazu ansieht.

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Apropos Ausstellung: Haben Sie schon verschmerzt, dass die Landesausstellung „Götterdämmerung“ dieses Jahr nicht auf Herrenchiemsee stattfindet?

Stöttner: Ja, und es war eine wohl überlegte, kluge Entscheidung von Landrat Otto Lederer, angesichts der unsicheren Lage im Kulturbereich zu Coronazeiten.

Die Landkreise Traunstein und Rosenheim hätten sonst jeweils vergebens sehr viel Geld in die Hand genommen. Angesichts der Besucherbegrenzung wäre es für alle ein finanzielles Risiko geworden.

Wagen Sie für uns noch einen Ausblick auf die diesjährige Tourismussaison?

Stöttner: Ich würde sagen, wenn hoffentlich um Ostern herum Hotels wieder öffnen und viele deutsche Gäste lieber Urlaub im Inland machen, steht uns ein wunderbarer Sommer bevor.

Es kommt dann darauf an, den Tourismus vernünftig zu begleiten und ihn in der Region verträglich für die Einheimischen zu gestalten. Denn eines dürfen wir nicht vergessen, dass viele Betriebe sowie der Einzelhandel auch von unseren touristischen Gästen leben.

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