Rückblick und Bilanz

Tourismus in Ruhpolding: Optimismus trotz Corona

„Heimat“ ist das neue Zauberwort, mit dem man dem Gast in Ruhpolding einen unbeschwerten und naturnahen Urlaub ermöglichen möchte.
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„Heimat“ ist das neue Zauberwort, mit dem man dem Gast in Ruhpolding einen unbeschwerten und naturnahen Urlaub ermöglichen möchte.

Wie die Wintersaison in Hinblick auf Corona läuft, steht noch nicht fest. Immerhin: Trotz des Lockdowns im Frühjahr blickt Ruhpolding positiv auf das vergangene Tourismus-Jahr zurück. Das sind die Zahlen.

Von Ludwig Schick

Ruhpolding – Dem Gemeinderat präsentierte das Team der Ruhpoldinger Tourismus GmbH (RTG) die Auswertung des Tourismusjahrs 2019/2020 sowie die zukünftige Ausrichtung, mit der sich der Ort in den nächsten Jahren positionieren möchte.

Tourismusdirektor Frank Oette stellte eingangs die wirtschaftliche Bedeutung der Branche vor.

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Immerhin betrug der Anteil der gesamten touristischen Einnahmen mit etwa 2,6 Mio. Euro 12,6 Prozent des gemeindlichen Verwaltungshaushalts 2019. Direkt oder indirekt lebe nahezu jeder von den touristischen Einnahmen, verdeutlichte der RTG-Chef. Der Start ins Tourismusjahr sei bis zum Lockdown vielversprechend verlaufen. Zögerlich war der Start im Juni.

Viele Erstgäste gewonnen

Viele Urlauber verbrachten aufgrund der Reisebeschränkungen ihren Haupturlaub im Ort, was zu einer hohen Anzahl an Erstgästen führte. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer erhöhte sich auf 5,02 Tage (Vorjahr 4,6). Trotz Corona ergeben sich im Zeitraum November 2019 bis Oktober 2020 lediglich Verluste von 11,4 Prozent bei den Gästeankünften und nur 4,2 Prozent bei den Übernachtungen. In Zahlen bedeutet dies 127 531 Gäste (Vorjahr 143 637) und 640 378 Übernachtungen (Vorjahr 666 793).

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Aufgrund der positiven Entwicklung der vergangenen Monate hatte die RTG zusammen mit dem Chiemgau Tourismus versucht, mit attraktiven Saisonverlängerungsangeboten die entstandenen Verluste noch weiter zu kompensieren. Leider liefen die Maßnahmen durch den neuerlichen Lockdown ins Leere.

Chiemgau beliebt im Sommer

Dass die gesamte Region in den Sommermonaten Juni, Juli und August gerne bereist wurde, zeigt sich an den Übernachtungs- und Gästezahlen des Chiemgau Tourismus e.V.: Im Vergleich zu Ruhpolding, das bei den Übernachtungen in diesen drei Monaten nur einen Rückgang von 1,1 Prozent verzeichnete, lag auch die gesamte Region bei den Übernachtungen nur 15,9 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich bei den Gästeankünften von Januar bis August 2020 ab. Hier steht Ruhpolding trotz des Lockdown bedingten Minus von 19,3 Prozent bei 85 369 Gästeankünften im Vergleich zum Chiemgau Tourismus e.V. mit minus 26,7 Prozent, als auch bayernweit (minus 46,6 Prozent) besser da.

Ruhpolding steht für Heimat

Tourismuschef Oette möchte, dass Ruhpolding in Zukunft als internationale Spitzen-Destination wahrgenommen wird. Dazu soll der in einem Markenbildungsprozess ausgearbeitete Leitwert „Heimat“ mit den Begriffen Natur, Geborgenheit, Qualität und Sauberkeit sowie Flexibilität und Innovation beitragen. Als richtungsweisenden Schritt wertete Oette die Entscheidung, dass die RTG nun für die komplette touristische Kernarbeit zuständig sein wird.

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Der stellvertretende Tourismusdirektor Herbert Ringsgwandl sprach die schwierige Situation im Veranstaltungsbereich an, weil die Infektionsschutzmaßnahmen keine verlässliche Planung zulassen. Trotzdem werde man versuchen, verschiedene Formate und Angebote zu schaffen.

Kritik an Werbemaßnahmen

Ringsgwandl bezog Stellung zur gemeinsamen Werbung mit dem Chiemgau Tourismus für die Saisonverlängerung in einer auflagenstarken Zeitung. Das Geld sei bestimmt nicht verbraten, sondern nachhaltig eingesetzt. Ärgerlich sei nur gewesen, dass der zweite Lockdown genau zu diesem Zeitpunkt eingesetzt hatte und die Werbemaßnahme verpuffte.

Neue Internetseite

Kristina Rey, zuständig für den Marketingbereich in der Tourist Info, erläuterte den neuen Internetauftritt. Mit dessen Start im kommenden Frühjahr wollen Ruhpolding und Reit im Winkl mit jeweils eigenem Design, aber unter dem Dach des Chiemgau Tourismus auftreten. Damit will man Synergien nutzen, Kosten sparen und dem Benutzer eine problemlose Navigationsstruktur bieten.

Die Vorteile der kostenlosen Dorflinie hob Tourist Info-Leiter Bernhard Truk hervor. Das Fahrgastaufkommen und die positiven Rückmeldungen zeigten, dass man im Sinne der Nachhaltigkeit und des Umweltschutzes auf dem richtigen Weg sei.

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