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INTERVIEW

Toleranz im Tor: TSV Bernau bringt Werte aufs Fußballfeld

Auch im Jubiläumsjahr führt Donat Steindlmüller als Leiter die Geschicke der Fußballabteilung im TSV Bernau.
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Auch im Jubiläumsjahr führt Donat Steindlmüller als Leiter die Geschicke der Fußballabteilung im TSV Bernau.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Bernau – Eine besondere Startelf hat die Fußballabteilung des TSV Bernau 1921 auf ihrer Internetseite anlässlich ihres 75. Jubiläums aufgestellt. In der Auflistung sind keine Fußballspieler aufgeführt, sondern Werte wie Ehrlichkeit, Respekt und Toleranz. Welche Philosophie dahinter steht, erfuhr die Chiemgau-Zeitung im Gespräch mit Abteilungsleiter Donat Steindlmüller.

Im Bernauer Tor steht die Ehrlichkeit – warum?

Donat Steindlmüller: Unsere Abteilungsleitung hat vor drei Jahren elf Werte festgelegt, für die wir und unsere Mitglieder stehen. Die Ehrlichkeit ist für uns ein Grundprinzip für Zusammenarbeit und Zusammenhalt in einem Verein.

Das Bollwerk vor dem Tor besteht in der Innenverteidigung aus Fairness und Integration…

Steindlmüller: Fairness zum Gegner ist ein schwieriges Thema, gerade in der heutigen Zeit. Zeigen, das man fair verlieren kann, ist schon für die Kleinen wichtig – mit den Eltern im Hintergrund. Das zieht sich durch bis zu den Erwachsenen. Nach der Flüchtlingswelle haben wir in den vergangenen vier oder fünf Jahren viele ausländische Kinder, aber auch Erwachsene sehr erfolgreich in unseren Verein integriert.

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Dazu gehören Engagement und Respekt, um das auf den Außenlinien zu verteidigen?

Steindlmüller: Ja! Engagement fordern wir ein von allen Vereinsmitgliedern. Jeder muss seinen Beitrag leisten, weil die Basis unserer Arbeit auf dem Ehrenamt ruht. Der respektvolle Umgang miteinander ist ein Schlüssel dazu. Man kann anderer Meinung sein, das ist bei rund 400 Mitgliedern plus sieben Vorstandsmitgliedern völlig normal, aber jeder muss dem anderen Respekt zollen.

Toleranz und Spaß sind im Mittelfeld der Startelf die Begleiter der Wirtschaftlichkeit. Wie geht das auf?

Steindlmüller: Toleranz gegenüber sämtlichen Gesellschaftsschichten – das ist die Forderung: Egal, welche Hautfarbe, welches Handicap oder welche Spielstärke bei uns auf dem Platz steht – Toleranz ist angesagt. Der „Bessere“ muss wissen, dass auch der „Schlechtere“ gerne Fußball spielt. Spaß ist für unseren Vereinssport ein wichtiger Faktor. Nicht nur Gewinnen oder Verlieren steht im Vordergrund, sondern das Miteinander beim geselligen Beisammensein oder beim Feiern.

Erich Eineichler, 86 Jahre, Mitglied seit 1953, hat früher Rechtsaußen gespielt, nur in der Reserve, weil er beruflich als Lokführer nicht viel Zeit aufbringen konnte. Für ihn war immer der Zusammenhalt wichtig, das zeige sich auch beim Stammtisch, an dem sich die älteren Mitglieder noch immer regelmäßig treffen.

Welchen Einfluss hat das auf die Wirtschaftlichkeit?

Steindlmüller: Jährlich bewegen wir etwa 40.000 Euro an Einnahmen und Ausgaben. Solch ein Riesenbetrieb mit solch großem Vereinsgelände lässt sich nur unterhalten, wenn alle an einem Strang ziehen und wirtschaftlich arbeiten. Was unter anderem bedeutet, Einnahmen zu generieren, die Ausgaben so gering wie möglich zu halten und sinnvolle wirtschaftliche Entscheidungen zu treffen.

In die Offensive geht die Startelf mit Unterstützung, Zuverlässigkeit und Zusammenhalt. Wie wollt ihr damit punkten?

Steindlmüller: Uns ist wichtig, dass unsere Mitglieder generell zufrieden sind mit der Vereinsarbeit, dass sie sagen, die Fußballer im TSV Bernau machen das total cool, da fühle ich mich - wie auch mein Kind - gut aufgehoben. Sie können sich auf den Verein verlassen. Das ist total wichtig, weil es auch den Zusammenhalt innerhalb der Mitglieder festigt.

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Wo steht die Fußballabteilung des TSV Bernau im regionalen Vergleich?

Steindlmüller: Vor allem in Jugendbereich haben wir uns mittlerweile hier in der Region einen guten Namen gemacht. Unsere Jugendmannschaften stehen sportlich gut da, zum Teil spielen sie in der Kreisliga. In den vergangenen vier bis fünf Jahren ist die Zahl unserer Teams von zehn auf 18 angestiegen, darunter zwei Mädchen-Mannschaften. Wöchentlich tummeln sich von montags bis freitags rund 160 Mädchen und Jungen auf unseren Sportplätzen.

Fiona Riedel (7, Stürmerin), hat heuer vor Kurzem in einem Spiel sechs Tore geschossen. Ihr Vorbild ist FC-Bayern-Star Robert Lewandowski, „weil er so viele Tore schießt“.

Was ist der Antrieb für die Kinder und Jugendlichen, dass sie sich derart für den Fußball engagieren?

Steindlmüller: Nach wie vor ist Fußball der angesagte Volkssport, auch aufgrund die vielen TV-Übertragungen. Fußball kann jeder mit relativ wenig Aufwand spielen: Der Vereinsbeitrag ist gering, die sportliche Ausrüstung hält sich in Grenzen, die Regeln sind verständlich.

Wie haben sich die Pandemie-Monate auf das Vereinsleben ausgewirkt?

Steindlmüller: Wir haben deutlich gemerkt, dass unseren Mitgliedern etwas abgeht. Als die Maßnahmen gelockert wurden, waren Jung und Alt total glücklich, sich wieder treffen zu können und Sport treiben zu dürfen. Wir haben allerdings auch sportliche Rückstände beobachtet, zudem hier und da Übergewicht. Mit das Wichtigste für den Verein: Wir haben zahlenmäßig so gut wie keine Verluste hinnehmen müssen.

Welche mittelfristige Ziele hat sich die Fußballabteilung gesteckt?

Steindlmüller: Wir sind ein klassischer Amateurverein und wollen Fußball für jeden ermöglichen, egal, wie jung oder alt, egal, welches Können mitgebracht wird. Uns ist wichtig, Angebote für jede Altersgruppe machen zukönnen; sportlich bewegen möchten wir uns immer in den Bereichen bis zur Kreisliga. Alles andere wäre für uns eine Nummer zu groß.

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