Tiroler Bauern: „Es braucht am Grenzübergang Sachrang eine Lösung vor der Heuernte“

Die Grenze in Sachrang von der Tiroler Seite aus mit Blick nach Norden ins Priental.. rehberg

Die Grenze in Sachrang ist geschlossen: Für Tiroler Bauern ein Desaster, müssen doch jetzt die vielen im oberen Priental hinzugepachteten Flächen bewirtschaftet werden. Ihr eindringlicher Hilferuf: „Es braucht eine Lösung vor der Heuernte!“

Von Heinrich Rehberg

Aschau – „Unsere Bauern haben keine Pachtgründe in Tirol von ihnen muss keiner nach Süden über die Grenze fahrent“, so Josef Stangl aus Sachrang. „Anders sieht es bei den Tiroler Nachbarn aus: die bewirtschaften viel Grünland von den bayerischen Bauern, die mit der Landwirtschaft aufgehört haben, dazu gepachtet. Das geht fast bis zur Ortsgrenze von Aschau im Norden. Die Almen liegen fast alle auf der Geigelsteinseite, sie können alle bestoßen werden, ohne dass die Tiere österreichisches Staatsgebiet betreten müssten.

Über Tiroler Gebiet auf die Alm?

Lediglich die Auer-Alm auf dem Spitzstein berührt Tirol, hier müssen vor der Almbeschickung noch ein paar einfache und durchführbare Vereinbarungen getroffen werden“. Für die Belieferung des Sachranger Dorfladens und des Prientaler Bergbauernladens in Aschau mit Käse und Wurstwaren aus Hatzenstädt, vom Erbhof Mitterthrey und vom Hinterschachnerhof wurden von den Beteiligten kurzfristig gangbare Wege gefunden (wir berichteten).

. „Seit der Öffnung der Grenzen vor 30 Jahren und dem Wegfall aller Schlagbäume haben wir uns an die freie Fahrt so gewöhnt, dass uns die jetzigen Verhältnisse wie ein Albtraum vorkommen. So ähnlich muss es gewesen sein, als Tirol nach dem Krieg französische Besatzungszone war und der Übertritt von Bayern nach Tirol fast unmöglich gemacht wurde“.

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„Wir können derzeit unsere Felder im benachbarten Sachrang in Bayern nicht mehr bewirtschaften“, schildert Claudia Anker-Feistl aus Niederndorferberg. Die Grenze ist dicht für alle, auch für die Bauern. Das heißt für die Bauern vom Erbhof Mitterthrey und vom Hinterschachnerhof unmittelbar an der Grenze, dass sie ihre eigenen Wiesen auf der Straße nicht mehr erreichen können. „Jetzt unmittelbar vor der Heuernte muss eine Lösung gefunden werden, wie im kleinen Grenzverkehr die Erntearbeit auf den Wiesen ermöglicht wird. Dabei muss der Grenzübergang mit Sachverstand und Hirn geöffnet werden, wenn er – wie in Reit im Winkl - nur am Morgen und am Abend für vier Stunden offensteht, hilft das den Bauern wenig, für Mähen, Kreiseln und Ernten müssen die Tageszeiten voll nutzbar sein. Auch für die anschließende Ausbringung der Gülle brauchen die Landwirte ein größeres Zeitfenster“.

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Ein solches Zeitfenster wie in Reit im Winkl würde Rainer Küblbeck von der Baufirma Pumpfer bereits weiterhelfen. „Grundsätzlich ist für uns das Arbeiten möglich, für den Grenzübertritt ist lediglich die Pendlerbescheinigung notwendig. Aber der einzige offene Grenzübergang ist in Oberaudorf. Das heißt, meine Mitarbeiter aus Kössen, Ebbs, Niederndorf, Kiefersfelden und Oberaudorf können nicht direkt zur Zimmerei und zum Lager in Innerwald fahren, sondern müssen einen „kleinen Umweg“ über das Inntal, die Autobahn, Frasdorf und Aschau nehmen. Statt zehn Minuten Fahrzeit fallen damit 45 Minuten an. Da aus Corona-Abstandsgründen lediglich zwei, anstatt acht Männer in einem Auto fahren dürfen, müssen zusätzliche Autos eingesetzt werden. Damit entsteht durch diesen vermehrten Fahrzeugeinsatz eine zusätzliche Umweltbelastung“.

Im Brandfall über die Grenze

Ungeklärt ist bisher der Einsatz der Feuerwehren diesseits und jenseits der Grenze. In den vergangenen Jahren ist eine enge Zusammenarbeit zwischen den beiden Feuerwehren Niederndorferberg und Sachrang entstanden. Die beiden Feuerwehren wurden grenzübergreifend in das Brandschutzkonzept der Nachbarswehr einbezogen und stellten eine willkommene ortsnahe Verstärkung der eigenen Kräfte dar. Beide Feuerwehren sind so grenznah stationiert, dass sie bei einem Schadensereignis bedeutend früher am Einsatzort der beiden Orte in Bayern oder Tirol sein könnten, als Verstärkungskräfte aus Aschau, Niederndorf oder Ebbs. Die Sperrung des Grenzübergangs mit dem Bauzaun stellt für ein Einsatzfahrzeug der Feuerwehr zwar kein unüberwindliches Hindernis dar, die Rechtslage ist jedoch nicht so klar, wie die Verkehrszeichen vorgeben. Ebenso ungeklärt sind zurzeit „Blaulichteinsätze“ von Polizei und Rettungsdiensten im grenzüberschreitenden Bereich, die durch den Bauzaun behindert sind

Brief vom Bürgermeister

Aschaus Bürgermeister Simon Frank wandte sich mit einer dringenden Bitte um Unterstützung der Gemeinde und umgehende Lockerungen der Beschränkungen in diesem Bereich an den Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner. In seiner Antwort (liegt den OVB-Heimatzeitungen vor) schreibt Stöttner, dass er dazu bereits Kontakt mit Polizeipräsident Robert Kopp aufgenommen und um Prüfung der Sachlage gebeten habe. Das zuständige Fachgebiet bei der Polizei erklärte, dass die Einreise nur an den zugelassenen Grenzübergangsstellen zulässig sei.

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Der Grenzübergang Sachrang (Wildbichl) sei dabei nicht berücksichtigt. worden. Der Grenzschutz an der Landesgrenze obliegt in Bayern der zuständigen Bundespolizeidirektion München, daher kann der Polizeipräsident hier leider keine Lösung herbeiführen“. MdL Stöttner wird daher mit dem Innenministerium sprechen und die Gemeinde Aschau über alle weiteren Ergebnisse informieren.

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