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Landwirtschaftsministerin warnt bereits vor „Bürgerwehr“

„Die Tiere sind verstört und die Menschen auch“: Krisentreffen in Bergen wegen Wolfs-Rissen

Emotionale Debatten auch nach dem Krisentreffen zwischen Landwirten, Schafhaltern und Politikern in Bergen.
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Emotionale Debatten auch nach dem Krisentreffen zwischen Landwirten, Schafhaltern und Politikern in Bergen. Landtagsabgeordneter Klaus Steiner (rechts im Bild) habe allein in den vergangenen 13 Jahren sechs Anträge gestellt, um den strengen Schutzstatus der Wölfe zu lockern.
  • Xaver Eichstädter
    VonXaver Eichstädter
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Die Wolfsrisse in der Region werden immer zahlreicher: doch wie kompliziert ein Abschuss der Tiere werden könnte, zeigte sich beim Krisentreffen von Politikern und Bauern in Bergen. Letztere werden derweil immer nervöser - und die Landwirtschaftsministerin warnt vor „Selbstjustiz“.

Bergen - Kaum haben die Bilder und Videos der Wolfs-Attacken bei Bergen die Runde gemacht, kursieren unter den Landwirten am Montagabend (20. Dezember) schon die nächsten Meldungen: Unterwössen, Inzell, Marktschellenberg - auch dort hat ein Wolf nun Tiere attackiert, mal Schafe, mal Ziegen. „Wir rechnen damit, dass uns das Thema jetzt ungefähr jeden zweiten Tag verfolgen wird“, so Michael Gstatter im Gespräch mit chiemgau24.de. Er ist der Bauernobmann in Bergen und nahm, wie rund 40 weitere Landwirte und Schafhalter, am Krisentreffen mit der Politik im Festsaal teil.

Der Wolf im Chiemgau: Krisentreffen von Bauern und Politik

Wirkliche Neuigkeiten oder eine Entscheidung zur Abschusserlaubnis des Wolfes konnte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) nicht präsentieren. Die Stimmung unter den Bauern sei emotional gewesen, „hart aber herzlich“, so Kaniber nach dem Treffen. Pressevertreter wurden zwar eingeladen, mussten den Festsaal zu Beginn der Debatte aber wieder verlassen. Bis die Regierung von Oberbayern über den Antrag zur „Entnahme“ des Wolfes entschieden hat, bliebe den Bauern nur eines: „Die Ställe zumachen, auch wenn wir das wegen dem Artenschutz eigentlich nicht wollen. Sonst können wir nichts machen“, klagte Michael Gstatter.

Von links: Landtagsabgeordneter Klaus Steiner (CSU), Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), Bauernverband-Bezirkspräsident Ralf Huber und Bergens Bauernobmann Michael Gstatter.

„Die Tiere sind verstört und die Menschen auch. Darauf hat keiner mehr Lust“, befand Bauernverband-Bezirkspräsident Ralf Huber. Eines aber dürfe keinesfalls passieren: dass die Landwirte selbst zur Waffe greifen. „Es darf nicht zu einer Art Bürgerwehr kommen“, so Michaela Kaniber. „Meine große Bitte ist, nicht selbst zu schießen, das wäre mit harten Strafen belegt. Der Wolf ist artenschutzrechtlich geschützt.“ Aber auch die Landwirtschaftsministerin sprach sich erneut für eine „leichtere Entnahme“ aus - langfristig brauche es darüber hinaus eine europaweite Lösung.

Wolfs-Risse in Oberbayern: Wann darf geschossen werden?

Damit aber offiziell geschossen werden darf, muss an den gerissenen Tieren die gleiche DNA eines Wolfes festgestellt werden. Laut Kaniber sei dies bei den getöteten Schafen in Bergen und Aufham bereits erwiesen. „Ich hoffe, dass auch die anderen DNA schnell festgeschrieben werden können.“ Falls grünes Licht kommt, wie will man das Tier dann finden? Vor allem über Wildtierkameras solle man sich dem Wolf annähern, so Kaniber, das Schießen blieben wohl den Jägern überlassen. „Aber das muss vom Umweltministerium dann sauber ausgearbeitet werden.“ Ein Betäuben und Umsiedeln des Wolfes komme dagegen nicht infrage: „Es gibt eine Populationssteigerung von 30 Prozent jährlich und wir sollten nicht warten, bis noch mehr passiert.“

Von Aschau bis Inzell: Hier haben Vertreter des Bauernverbandes akribisch festgehalten, wo der Wolf in der Region gesichtet, und wo er schon zugebissen hat. Allein seit Ende Oktober seien in den Kreisen Rosenheim, Traunstein und Berchtesgadener Land 17 Schafe und drei Ziegen zu Tode gerissen worden. Laut Kaniber könne ein Wolf in einer Nacht zwischen 40 und 70 Kilometer zurücklegen.

„Passiert“ ist in den Augen von Bio-Bauern Gstatter ohnehin schon genug. Spätestens im Frühjahr wollte er seine Kälber wieder auf die Weide hinauslassen, jetzt treibt ihn die Angst davor um. Und er weiß von Ziegenhaltern aus der Region, die keine Tiere mehr nachkaufen wollen, falls sie dem Wolf zum Opfer fallen. „Das Szenario, aufzuhören, wird stärker“ - eine Einschätzung, die auch Michaela Kaniber teilt: „Mit dem Wolf ist ein Almbetrieb nicht mehr machbar und auch den Tourismus in der Form wird es nicht mehr geben.“

xe

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