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So geht es den geflohenen Frauen und Kindern auf der Fraueninsel

Tiefflieger über dem Chiemsee: Kinder der Ukraine-Flüchtlinge verstecken sich unter dem Tisch

Auf der Fraueninsel leben momentan 14 Frauen und Kinder, die aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet sind.
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Auf der Fraueninsel leben momentan 14 Frauen und Kinder, die aus der Ukraine vor dem Krieg geflüchtet sind.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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Traumatisierte Frauen und Kinder, schlimme Geschichten aus dem Kriegsgebiet – Schwester Scholastika vom Kloster Frauenchiemsee wirbt um Verständnis für das Schicksal der Menschen aus der Ukraine.

Frauenchiemsee – Die kleinste Gemeinde im Landkreis Rosenheim zeigte nur wenige Tage nach Kriegsausbruch in der Ukraine ein Herz für Menschen in Not und machte im Pfarrhaus und im Kloster sofort Platz für 18 Flüchtlinge. „Bürgermeister Armin Krämmer war einer der ersten, der bei uns angerufen hat“, berichtet Äbtissin Johanna Mayer vom Kloster auf der Fraueninsel im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Verständnis für die Schicksale

Schwester Scholastika.

Seminarleiterin Schwester Scholastika McQueen habe es sofort in die Hände genommen, sich darum zu kümmern. Zwei Monate sind seither vergangen. Gegenüber unserer Zeitung wirbt Schwester Scholastika um Verständnis für das Schicksal der Flüchtlinge.

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„Die Menschen sind traumatisiert. Die Geschichten, die wir nach und nach hören, können einen traurig machen“, sagt die Schottin im Gespräch mit unserer Zeitung. Sie berichtet von einem achtjährigen Kind, das erkältet war und wegen eines Coronatests zum Arzt musste. „Das Kind ist ganz starr geworden und wir wussten nicht, warum“, so Schwester Scholastika. Schließlich erfuhr sie den Grund: „Das Kind ist mit dem Bus aus Kharkiv geflohen. In diesem Bus waren drei Leute, die Covid hatten und gestorben sind. Das Kind dachte, wenn es einen Test macht, muss es ebenfalls sterben.“

Als Tiefflieger zu Übungszwecken über den Chiemsee geflogen waren, hätten sich die ukrainischen Kinder auf der Fraueninsel unter dem Tisch versteckt und nach dem Keller gefragt. „Wir haben eine Familie hier, die elf Tage im Keller gelebt hat“, so die Schwester und fährt fort: „Eine andere Familie war während eines Bombardements im Keller. Als sie herauskamen, hat ihr Haus nicht mehr existiert.“ Das seien Situationen, in die man sich als Außenstehender kaum hineinversetzen könne, weil man sie selbst nicht erlebt habe.

Den Flüchtlingen sitzt immer noch der Schrecken in den Knochen

Was das Thema Dankbarkeit anbelangt, erklärt sie: „Manche der Flüchtlinge sind überschwänglich dankbar. Andere können das schon alleine wegen der Sprachbarriere nicht so gut ausdrücken.“ Den Flüchtlingen sitze immer noch der Schrecken in den Knochen. Zudem machten sie sich Sorgen um ihre Existenz. „Bei manchen geht es schnell mit der Auszahlung von Geld, andere warten länger, die haben hier keinen Cent“, so Schwester Scholastika.

Wenngleich sie für die Mitarbeiter im Landratsamt Rosenheim und bei den Gemeinden größtes Lob ausspricht. „Sie sind unendlich geduldig und freundlich, ich habe nie ein scharfes Wort gehört.“ Sie war mehrfach bei solchen Behördengängen dabei, wie sie berichtet.

Die Insellage sei für die Flüchtlinge nicht ganz einfach.

Über den Chiemsee geht es mit der Fähre zum Festland hinüber. „In Breitbrunn gibt es viele Angebote, jedoch fahren nicht immer Busse“, umreißt Schwester Scholastika die Schwierigkeit.

Schlimme Geschichten aus dem Kriegsgebiet

Auf der Fraueninsel jedenfalls versuchten die Schwestern als auch die Insulaner zu tun, was sie könnten. Hanja Bugaj-Holzmayer und die aus Kiew stammende Elena, die seit einigen Jahren im Kloster lebt und bei Schwester Scholastika im Bildungsbereich arbeitet, gäben Deutsch-Unterricht. „Wir haben extra Bücher gekauft“, sagt Schwester Scholastika. Von Elena kennt sie auch schlimme Geschichten aus dem Kriegsgebiet, denn die junge Frau sei in ihr Heimatland gereist, um Frauen in Lemberg in Selbstverteidigung und emotionaler Kontrolle auszubilden: „Die russischen Soldaten sind nicht sehr zimperlich. Krieg ist schrecklich.“

Frauen hoffen auf das Überleben ihrer Männer

Unter den Flüchtlingen auf der Fraueninsel befinden sich zwei schwangere Frauen. Fünf Damen hätten in der Gastronomie auf der Fraueninsel Arbeit gefunden. Außerdem, so berichtet Schwester Scholastika, sei auch eine „riesengroße Katze“ mit aus Lwiw mitgekommen.

Äbtissin Johanna Mayer fasst die Situation in folgende Worte: „Man weiß nicht, wie alles weitergeht. Die Männer sind zurückgeblieben. Die Frauen hoffen alle, dass die Männer überleben und sie wieder heimkehren können.“