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Kultur für die ganze Familie

Theater Vogelfrei aus Prien: „Kinder haben einen hohen Anspruch“

„Hörbe und Zwottel“ nach Otfried Preußler aus dem Jahr 2016 gehört zu den Eigenproduktionen des Priener Theaters Vogelfrei. Im Bild die damaligen Darsteller (von links): Martin Hackenberg, Winfried Wolke, Andreas Schantz, Sanni Grillenbeck, Bertram Wolter.
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„Hörbe und Zwottel“ nach Otfried Preußler aus dem Jahr 2016 gehört zu den Eigenproduktionen des Priener Theaters Vogelfrei. Im Bild die damaligen Darsteller (von links): Martin Hackenberg, Winfried Wolke, Andreas Schantz, Sanni Grillenbeck, Bertram Wolter.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Die Schauspielerin Julia Urban aus Prien und das Paar Dani Wolf und Tobias Grill aus Rimsting setzen sich mit ihrem Theater Vogelfrei für kulturell anspruchsvolles Familientheater ein. Sie plädieren für mehr Anerkennung für Kinder- und Jugendkultur und möchten die Menschen überzeugen, dass auch diese ihren Wert hat.

Prien/Rimsting – Kleinere Kinder haben das Kasperltheater, die Erwachsenen ihr kulturelles Abendprogramm. Doch was gibt es dazwischen? Nur noch Fernsehen, Netflix & Co.? Das fragte sich auch die Rimstingerin Dani Wolf, als sie mit ihrer Familie eine Kulturveranstaltung besuchte, und für ihren damals knapp zehnjährigen Sohn das Programm am Nachmittag zu Ende war. „Warum gibt es eigentlich kein anspruchsvolles Familientheater, oder ein Abendprogramm für ältere Kinder und Jugendliche?“ fragte sie sich. Das war im Jahr 2015, und zugleich die Geburtsstunde des Theaters Vogelfrei, das bald in der Priener Schauspielerin Julia Urban und Wolfs Partner, dem Rimstinger Fotografen Tobias Grill, zwei Mitstreiter fand. Die Schirmherrschaft übernahm der in Prien lebende, bekannte Schauspieler August Zirner.

Gleicher Aufwand wie für die Großen

Alle waren sich von Anfang an sicher: „Für anspruchsvolle Kinder- und Jugendkulturveranstaltungen gibt es in der Region ein Publikum.“ Warum dafür immer nach München oder Salzburg fahren?

Mit ihrem Theater Vogelfrei erfüllen die Initiatoren ihrer Zielgruppe und sich selbst den Wunsch nach qualitativ hochwertigen Kinder- und Jugendtheaterproduktionen aus ganz Deutschland, die im Namen der Priener zu Gastspielen eingeladen werden. Bis Ende 2019 Corona die Planungen zu unsicher machte, stellte Vogelfrei vier bis sechs solcher Veranstaltungen pro Jahr auf die Beine. „Wir würden auch gern mehr eigene Produktionen machen“, erzählt Dani Wolf, „leider gehen die Kosten dafür schnell in den fünfstelligen Bereich.“

Private Spender unterstützen das Theater Vogelfrei

Gewagt haben die drei es trotzdem mit dem Stück „Hörbe & Zwottel“ nach Otfried Preußler und mit dem Familien-Tanztheater „Karl & Valentin – nomoi nei“. Zur Adventszeit wurde das „Lauschzeit-Lesezelt“ am Bahnhof Anziehungspunkt für Geschichtenliebhaber. Sie wehrt sich gegen die oft gehörte Meinung, Kindertheater sei doch „einfach zu machen“: „Nur, weil sich der Inhalt an junge Menschen richtet, soll alles billig sein?“, fragen sich Wolf, Urban und Grill, und berichten von Eltern, die davon ausgingen, beim Eintrittspreis von fünf Euro seien noch Getränke dabei: „Da muss noch viel für Verständnis geworben werden.“

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Damit sie die Kosten stemmen können und die Eintrittspreise im Rahmen bleiben können, hat auch Vogelfrei Unterstützer, etwa den Priener Verein der Bühnenkunst Förderer und die Sparkassenstiftung. Auch Privatpersonen spendeten immer wieder. Ansonsten stemmen die drei vieles in Eigenregie: Urban übernimmt die künstlerische Beratung und inszeniert, bringt ihre Kontakte ein. Grill kümmert sich ums Handwerkliche, fotografiert, designt. Wolf schreibt Texte, organisiert unter anderem Sponsoring und Werbung.

Niederschwelliges Kulturangebot

Neben Professionalität und Qualität beim Kindertheater ist ihnen ein weiterer Aspekt ganz wichtig: Das gemeinsame Kulturerlebnis, „bei dem nicht die Eltern Kaffeetrinken gehen und die Kinder danach wieder abholen, sondern mit ihnen zusammen das Bühnenstück genießen können“, so Dani Wolf.

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Mit Julia Urban und Tobias Grill bringt sie auf den Punkt, was sie als Initiatoren antreibt: „Wenn wir uns über die junge Generation beschweren, die nur noch ihr Smartphone kennt und Buchklassiker nur als billige Verfilmung, so sollten wir die Verantwortung übernehmen und wertvolle Alternativen bieten. Theater ist das lebendige Gegenstück zur virtuellen Welt – authentisch, live und unmittelbar.“ Theater solle ein niederschwelliges Kulturangebot für alle sein, findet Julia Urban, „nah am Publikum, denn die Menschen wollen bewegt und berührt werden.“

Kinder sind beinhart mit ihrer Kritik

Das funktioniere aber nur mit guten Geschichten, und daher gehe sie beim Familientheater mit dem gleichen Anspruch und der gleichen Intensität ans Werk wie bei Stücken nur für Erwachsene. Das sei durchaus manchmal eine Gratwanderung. Und nicht immer sei es erforderlich, spezielle „Kinder-Inhalte“ zu finden, ist Urbans Erfahrung: „Gute Stücke treffen den Nerv der Kinder. Ihnen kann man viel zumuten, sie sind aber auch beinhart mit ihrer Kritik!“

Vor dem Hintergrund der Pandemie planen die Theatermacher gerade vorsichtig für den Herbst: „Wir bleiben zuversichtlich und gehen nach dem Motto vor, dass immer irgendwas möglich ist“, sagt Urban.

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