Tankstelle aus Unterwössen zieht um: Schönste Baustelle im Freilichtmuseum Glentleiten

Stolz ist der Leiter der Abteilung Handwerk und Bau im Freilichtmuseum Glentleiten, Diplom-Ingenieur Martin Wiegenbauer (mit Hut), als er der Leiterin des Museums, Dr. Monika Kania-Schütz (von links), dem stellvertretenden Bürgermeister aus Unterwössen, Johannes Weber, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und dem Bürgermeister der Museumsgemeinde Großweil, Frank Bauer, den Aufbau der historischen Tankstelle aus Oberwössen beschreibt. Das Stahlgerüst aus den Originalteilen trägt später das Flugdach, das auf der Mittelsäule rechts im Bild ruht.
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Stolz ist der Leiter der Abteilung Handwerk und Bau im Freilichtmuseum Glentleiten, Diplom-Ingenieur Martin Wiegenbauer (mit Hut), als er der Leiterin des Museums, Dr. Monika Kania-Schütz (von links), dem stellvertretenden Bürgermeister aus Unterwössen, Johannes Weber, Bezirkstagspräsident Josef Mederer und dem Bürgermeister der Museumsgemeinde Großweil, Frank Bauer, den Aufbau der historischen Tankstelle aus Oberwössen beschreibt. Das Stahlgerüst aus den Originalteilen trägt später das Flugdach, das auf der Mittelsäule rechts im Bild ruht.

Die ehemalige Gasolin- und spätere ARAL-Tankstelle an der B 305 in Oberwössen-Brem ist umgezogen – ins Museum. Das markante Gebäude wird im Freilichtmuseum Glentleiten wieder aufgebaut. Im Frühjahr hatte ein Autokran sie im Achental abgeholt.

Von Ludwig Flug

Unterwössen –Jetzt trafen sich im Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern Hausherr und Bezirkstagspräsident Josef Mederer (CSU), der Direktor der Bezirksverwaltung, Dr. Wolfgang Bruckmann, der zweite Bürgermeister Unterwössens, Johannes Weber (CSU), und Frank Bauer (Freie Wählergemeinschaft), Bürgermeister der Ortsgemeinde Großweil. Sie feierten bei einer Baustellenbesichtigung ein wenig diese historische Tankstelle.

Dringliche Anordnung sichert Finanzierung

Mederer erinnerte sich schmunzelnd, wie der Hinweis auf das historisch wertvolle Tankstellengebäude aus Deutschlands Norden kam, wie Dr. Claudia Richartz, stellvertretende Museumsleiterin, unmittelbar darauf die Tankstelle besichtigte und am nächsten Tag Mederer begeistert davon berichtete.

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Nach einem Telefongespräch kam Mederer nach Unterwössen und schloss einen Transfervertrag mit dem Unterwössner Bürgermeister Ludwig Entfellner. Eine sogenannte „dringliche Anordnung“ des Bezirkstagspräsidenten sicherte die Finanzierung.

Mederer ist sich sicher: „Das wird ein Hingucker.“ Wer mit dem Auto zum Freilichtmuseum fährt, wird ausgangs einer Kurve von der Tankstelle überrascht, die derzeit noch im Wiederaufbau Bau ist.. „Einen besseren Platz kann es gar nicht geben“, findet Museumsleiterin Dr. Monika Kania-Schütz. Sie schwärmt von der „schönsten Baustelle, die wir je hatten“ und lobte den Tankstellenumzug als Meisterleistung.

Tankwärterhäuschen wurde zersägt

Der Abbau der ehemaligen Gasolin-Tankstelle erfolgte in diesem Frühjahr. Das Team der Glentleiten erledigte die Arbeiten zum Großteil selbst, nur das Zersägen und den Transport des Kassen- und Tankwärterhäuschens übernahmen externe Spezialisten, erinnerte Diplom-Ingenieur Martin Wiedenbauer, Leiter der Abteilung Bau und Handwerk im Museum.

In Glentleiten, das vor allem für seine alten Bauernhäusern berühmt ist. steht der Bau nun auf einem eigens geschaffenen Fundament. Im Museum wird er ein Beispiel einer neuen Bauepoche mit Stahl und Beton. Läuft weiterhin alles nach Plan, kann das historische Gebäude im Herbst 2021 eröffnet werden.

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Erst wenn die Gebäudeteile stehen, geht es an die weitere Sanierung der Originalteile. Museums-Mitarbeiter sind parallel auf der Suche nach historischen Zapfsäulen und Werbeschildern. Während im Toilettenbereich noch Handtuchhaken, Fliesen, Schilder und die Elektroinstallation im historischen Zustand vorhanden sind, soll der Verkaufsraum mit Regalen und Waren nach historischem Vorbild eingerichtet werden.

Letztlich soll das Gebäude-Ensemble in Gasolin-Rot erstrahlen, wie es um 1963 mit Zapfsäulen und Wagenpflegehalle in Oberwössen stand, verdeutlicht Hausforscher Simon Kotter mit historischen Fotos.

Er sieht in dem Bau auch ein Symbol für die Zeit der beginnenden Massenmotorisierung. Die Oberwössner Tankstelle entstand an der ersten deutschen Ferienstraße, der Deutschen Alpenstraße. Das Freilichtmuseum plant zur Fertigstellung der Tankstelle im Herbst 2021 zugleich ein Buch über die Geschichte der Deutschen Alpenstraße herausgeben.

Der stellvertretende Unterwössener Bürgermeister Johannes Weber, selbst ein Oberwössner, zeigte sich beim Ortstermin namens der Gemeinde froh, dass ein Stück Ortsgeschichte erhalten bleibe.

Tankstelle war ein Dorfmittelpunkt

Einen ersten Eindruck, wie das neue Exponat das Erinnerungsvermögen künftiger Betrachter ankurbeln kann, gab es beim Ortstermin auch. Mederer erinnerte sich an solche Tankstellen, an denen es das Benzin damals noch für 30 Pfennig pro Liter gab. Beim Großweiler Bürgermeister Frank Bauer wurden Erinnerungen wach, wie eine ganz ähnliche Gasolin-Tankstelle Dorfmittelpunkt und ständiger Treff der Jugend war. So sei das auch in Oberwössen gewesen, steuerte Weber bei. Er berichtete auch, dass der Tankwart alles wusste, was im Dorf geschah, was manchem dann auf die Füße fiel.

Fast 30 Jahre in Betrieb gewesen

Die Tankstelle hatte 1953 ihren Betrieb in Oberwössen zunächst mit zwei Benzin- und einer Diesel-Zapfsäule unter freiem Himmel aufgenommen. 1956 ergänzten die Eigentümer, die Familie Meier, dann Kassenhäuschen und Überdachung. Mitte der 1960er Jahre kam die Wagenpflegehalle hinzu. In den 1970er Jahre wurde Gasolin von Aral übernommen und aus den charakteristischen Gasolin-Rot wurde Aral-Blau. Die Tankstelle blieb bis 1982 in Betrieb.

So sah die Gasolin-Tankstelle in Oberwössen ursprünglich aus. Flug

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