Dieser Mann hat die Weltkriegs-Tagebücher eines wichtigen Traunsteiners erschlossen

Der Traunsteiner Ernst Lahner hat die beiden Tagebuchbände von Rupert Berger für die Gegenwart bewahrt.

Die Aufzeichnungen von Rupert Berger wurden für die Nachwelt bewahrt. Seine Lebensgeschichte ist bewegt. Der Verwaltungsbeamte kam 1933 ins KZ Dachau und war nach dem Krieg Bürgermeister von Traunstein sowie Abgeordneter des Landtags. Doch wer hat die Dokumente erschlossen?

Von Klaus Oberkandler

Traunstein – Im Alter von 79 Jahren verstarb in Traunstein Ernst Lahner. Ihm hat die Nachwelt einen Schatz zu verdanken, den er vor einigen Jahren gehoben hat: Das Tagebuch des späteren Traunsteiner Oberbürgermeisters Rupert Berger bei der Kaiserlichen Marine im 1. Weltkrieg. Historiker, Politiker und Generäle: Das sind in aller Regel jene, die erzählen und aufschreiben, was später in Geschichtsbüchern steht.

Das macht Rupert Bergers Tagebücher so besonders

Relativ selten dagegen kommt es vor, dass zum Beispiel ein einfacher Soldat seine Kriegserlebnisse niederschreibt und sie irgendwann einmal auch veröffentlicht werden. Insofern ist es ein Glücksfall, dass das Tagebuch des Matrosen Rupert Berger aufgetaucht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist.

Das ist der Mann, der die Dokumente gesichert hat

Nach Schulzeit und Berufsausbildung ging Lahner mit 19 Jahren für drei Jahre zur Bundesmarine. Als Zollbeamter während seiner 17 Jahre am Zollamt München-Riem-Flughafen erhielt er eine Ausbildung am Bundessprachenamt als nebenamtlicher Englischlehrer und unterrichtete seine Kollegen. Vor seiner Pensionierung leitete Lahner ein Zollamt in der ehemaligen DDR. 1997 zog er nach Traunstein.

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Tagebuch Bergers in Sütterlin

Lahner hat das in Sütterlinschrift verfasste Tagebuch in die heutige Schrift übertragen und digitalisiert. An Rupert Bergers Aufzeichnungen kam er per Zufall: Das Ehepaar Göttlicher lebte im Haus gegenüber Lahners Wohnung an der Traunsteiner Bahnhofstraße. Bei einer Begegnung erzählte Lahner, dass er bei der Bundesmarine war. Und da berichtete ihm Inge Göttlicher, die früher Geschäftsführerin des CSU-Kreisverbandes war, dass auch ihr Vater in der Kaiserlichen Marine gedient habe.

Marine als Gemeinsamkeit

Lahner, Mitglied der Marinekameradschaften Traunstein und Salzburg, erzählte, er würde sich aus historischer Sicht besonders für die Seeschlacht am Skagerrak interessieren. „Bei der war mein Vater dabei“, erzählte die im Jahr 2013 verstorbene Inge Göttlicher. Und sie holte das Tagebuch ihres Vaters. Lahner bekam Kopien der Passage über die große Seeschlacht in Bergers Aufzeichnungen.

Einblicke in das Denken eines jungen Menschen

Nach dem Tod des Ehepaares Göttlicher erinnerte sich dessen einzige Tochter Nicoletta, daran, dass sich der Nachbar für die Aufzeichnungen ihres Großvaters interessierte und stellte sie ihm zur Verfügung. Das Ergebnis waren zwei dicke Bände. Die erste Hälfte besteht jeweils aus Faksimileabdrucken des Tagebuch-Originals und die zweite aus der Übertragung in Druckschrift. Lahner hat viel Zeit und Herzblut in das Projekt gesteckt.

Tagebuch in zwei Teilen

All jene, die sich weniger für Seeschlachten und Kriegsgeschichte interessieren, sondern mehr für Reisen und für ferne Länder, werden mit Interesse den ersten Teil des Tagebuches lesen. Berger beschreibt darin, wie er als junger Marinesoldat während der Ausbildungszeit über die Meere fuhr und fremde Länder kennenlernte. Seine Beschreibung von Land und Leuten, von Tier- und Pflanzenwelt gibt tiefe Einblicke in das Denken eines jungen Menschen vor mehr als 100 Jahren.

So beginnen die Aufzeichnungen 1913

Den Beginn seines Abenteuers Marine beschreibt Berger mit den ersten Sätzen seines Tagebuches wie folgt: „Am 15. April 1913 nachmittags 4 h entführte mich das Dampfroß meinem lieben, teuren Chiemgau, um mich an meinen neuen Bestimmungsort, Wilhelmshaven zu bringen. Nach 16-stündiger Fahrt erreichten wir Wilhelmshaven, den zweitgrößten Kriegshafen des Deutschen Reiches, wo wir von unserm ehemaligen Korporalschaftsführer in Empfang genommen und auf dem nächsten Weg an Bord der S.M.S Vineta geführt wurden.“

Im Ersten Weltkrieg auf hoher See

Berger diente in der Kaiserlichen Marine und erlebte den 1. Weltkrieg auf hoher See mit. Er war unter anderem bei der Seeschlacht vor dem Skagerrak dabei und schildert in seinem Tagebuch detailliert seinen Alltag in der Kriegsflotte bis hin zum Ende des Kaiserreichs und zu den Wirren der Räterepublik. Ernst Lahner ist es zu verdanken, dass das handgeschriebene Tagebuch von Rupert Berger, der von 1946 bis 1952 Oberbürgermeister in Traunstein war, im Jahr 2016 in Kleinstauflage in gedruckter Form erschienen ist. Nach dem Krieg war Berger 1946 Mitglied der Verfassunggebenden Landesversammlung Bayerns.

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