Tag der Migranten

Samira Adam floh einst aus Syrien, jetzt hilft sie als Dolmetscherin Asylsuchenden in Traunstein

Zwei Familien vor dem Caritas-Zentrum Traunstein, die von der Kulturdolmetscherin Samira Adam (Mitte) in unterschiedlichen Belangen unterstützt werden. Links Quasim und Awin Farou Ramadan mit ihrem Baby, rechts Tamarah und Ahmad Zuhair Muslim.
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Zwei Familien vor dem Caritas-Zentrum Traunstein, die von der Kulturdolmetscherin Samira Adam (Mitte) in unterschiedlichen Belangen unterstützt werden. Links Quasim und Awin Farou Ramadan mit ihrem Baby, rechts Tamarah und Ahmad Zuhair Muslim.

Der 18. Dezember ist Internationaler Tag der Migranten. Das Beispiel der Syrerin Samira Adam macht Mut: Sie floh vor sieben Jahren mit ihrer Familie aus dem Kriegsland, heute berät sie bei der Traunsteiner Caritas Asylbewerber, die dringend Hilfe brauchen.

Von Hans Eder und Elisabeth Sennhenn

Traunstein – Im Herbst 2015 verkündete Angela Merkel ihren wohl berühmtesten Satz „Wir schaffen das!“. Gemeint war die Flüchtlingskrise, die im Corona-Jahr etwas aus dem Blick geraten ist. Der heutige „Internationale Tag der Migranten“ holt das Thema wieder ins Bewusstsein. Etwa am Beispiel von Samira Adam. Sie arbeitet als Kulturdolmetscherin im Caritas-Zentrum Traunstein. Das Projekt wird von der „Aktion Mensch e.V.“ bis Oktober 2021 unterstützt.

Amira Adam schenkt Vertrauen und Geborgenheit

Die Kurdin ist in Syrien geboren und spricht Arabisch, Kurdisch, Englisch und versteht das afghanische Farsi. Ihre Arbeit besteht darin, Geflüchteten im Kreis Traunstein zu helfen, sich im Alltag zurecht zu finden. Adam begleitet auch viele Hilfesuchende zum Arzt.

Adam beantwortet zahlreiche Fragen, die für Einheimische kein Thema sind: „Warum muss ich mein Kind in der Schule krank melden? Was passiert bei einer Bluttransfusion?“ Sie übersetzt und schlichtet. Bei Behördengängen, beim Arzt und in der Schule. Auch im häuslichen Bereich: „Wichtig ist dabei: Nicht nur die Information selbst spielt eine entscheidende Rolle, sondern auch, die Art und Weise, diese an den Mann und an die Frau zu bringen.“

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In Bayern haben laut Statistischem Bundesamt in diesem Jahr 11 149 Migranten einen Erstantrag auf Asyl gestellt. Damit steht das Bundesland deutschlandweit an zweiter Stelle hinter Nordrhein-Westfalen mit 20 435 Anträgen.

In den Asylunterkünften im Kreis Traunstein befinden sich laut Landratsamt wohnen derzeit rund 912 Menschen (Stand 1. November). Seit 2016 ist ihre Zahl kontinuierlich gesunken – von ursprünglich 1825 auf 1502 (2017), 1208 (2018) und 1033 (2019). Auch, wenn weniger Asylsuchende nach Traunstein kommen, die Nöte sind dennoch stets gleich groß.

Vermittlerin auch für die Behörden

Samira Adam versucht, ihren Klienten Mut, Vertrauen und Geborgenheit zu schenken. Wenn der deutsche Bürokratie-Dschungel zu viel ist, tut es den Hilfesuchenden gut, wenn sie in ihrer eigenen Sprache erklärt bekommen, was gerade von ihnen gefordert wird: „Es entlastet die Menschen auch ungemein, ihren Frust und ihr Unverständnis einmal heimatsprachlich formulieren zu dürfen.“ Es entlastet umgekehrt aber auch die Behörden, wenn ein Vermittler klarstellt, welchen Sachverhalt die Geflüchteten nicht verstanden haben.

Adam hat Verständnis für die Geflüchteten, weil sie die Situation der Ankunft kennt: „Du bist völlig erschöpft von der Reise oder der Flucht und alle wollen etwas von dir. Es gibt viele, viele schwierige Aufgaben.“ Sie selbst musste vor sieben Jahren mit ihrem Mann und ihren drei Kindern aus Syrien fliehen. Ihnen ist nichts geblieben als ein einziger Koffer: „Wir mussten in Deutschland bei Null anfangen.“

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Auch für Adam und ihre Familie gab es jahrelang keine Zeit zur Erholung, weil ständig Anforderungen im behördlichen, beruflichen und familiären Bereich bewältigt werden mussten. Aber: Sie und ihre Familie haben es geschafft.

Die jüngste Tochter hat als Jahrgangsbeste die Realschule in Traunstein abgeschlossen, ein Sohn studiert Physik, der andere arbeitet als Elektriker. Der Ehemann hat in diesem Jahr die Apothekerprüfung erfolgreich absolviert.

In Bayern angekommen

Die Syrerin ist heute in der bayerischen Lebenswelt angekommen und ist überzeugt: „Integration und Verständigung der Kulturen ist möglich.“ Für sie ist das eine Herzensangelegenheit. Den Hilfesuchenden möchte sie anhand ihres eigenen Lebensbeispiels zu zeigen: „Du schaffst das.“

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