AUSLEGERKANUS

Ein Stück Hawaii am Chiemsee

Auslegerkanu in Action:Die schmale Bauweise ermöglicht hohe Geschwindigkeiten ohne Motor. re

Die pazifische Südsee und der Chiemsee haben einiges gemeinsam: vielfältige Natur, zum Verweilen einladende Inseln und über das himmelblaue Wasser gleitende Auslegerkanus. Seit einem Jahrzehnt sind die typisch hawaiianischen Outrigger Canoes bereits auf dem Chiemsee im Einsatz.

Chiemsee– Andreas Felber ist leidenschaftlicher Wassersportler und seit gut fünf Jahren der Vorsitzende von Chiemsee Outrigger Canoes, dem einzigen Auslegerkanu-Verein im süddeutschen Raum. „Viele Vereine sind in Norddeutschland nahe der See angesiedelt. Daher haben wir ein Alleinstellungsmerkmal, welches wir am 4. August zu unserem zehnjährigen Bestehen feiern werden“, kündigt er an.

Passend zur Jubiläumsfeier veranstaltet der Verein am Samstag, 4. August, auf dem Seeoner See sein Kanurennen. Hier treten dann ausgefallene, polynesische Outrigger Canoes, die es sonst hauptsächlich auf Hawaii, in Neuseeland und Australien zu sehen gibt, gegeneinander an. Dieses Jubiläum kommt zur rechten Zeit, denn Felber bemerkt ein erhöhtes Interesse an der Sportart.

„Heutzutage betreiben wir eine stetig wachsende Freizeitdisziplin. Früher dienten diese Kanus dem Jagen oder Besiedeln von etlichen Inseln“, erzählt Felber. So wird vermutet, dass vor rund 5000 Jahren Menschen mit dieser Bootsbauweise auf das offene Meer gepaddelt sind. Damals wurden die Kanus aus einem Baumstamm mit befestigtem Ausleger gefertigt. Der Ausleger stabilisierte das Boot und ermöglichte eine schmale Rumpfkonstruktion.

Somit war es möglich, mit erhöhter Geschwindigkeit weite Distanzen und hohe Wellen zu bezwingen, bei gleichzeitig hoher Stabilität.

Forscher vermuten, dass vor 2500 Jahren die Polynesier aus der Region des Bismarck Archipels mit solchen Kanus die Osterinseln, Hawaii und auch Neuseeland besiedelt haben. „Wir legen mit unseren Kanus nicht diese Distanzen zurück. Aber immerhin unternehmen wir Tages- und Nachtausflüge von Seebruck, Chieming, Übersee oder Prien auf unsere Inseln“, erklärt der Vereinsvorsitzende.

In Polynesien den Stellenwert wie hier das Mountainbike

Die Mitglieder fahren jedoch nicht nur auf den heimischen Seen. Etliche Expeditionen und Wettbewerbe führten auch ins Ausland. Immer dabei ist Hemery Eperania, Vereinsmitglied und waschechter Polynesier aus Tahiti.

„In unserer Kultur ist das Auslegerkanu wie hier das Mountainbike Fortbewegungsmittel, Freizeitspaß und Wettkampfmobil“, vergleicht er und meint: „Diese Südseekultur passt sehr gut in den Chiemgau und bereitet uns Kanuten viel Freude.“

Und so paddeln die Chiemgauer auf dem Po in Italien, um die kroatischen Meeresinseln und bestreiten Wettkämpfe in Frankfurt, am Bodensee oder in der Bucht von Monaco.

Wer selbst ausprobieren will, wie sich das anfühlt, ist dem Auslegerkanu-Verein willkommen. „Wer sein Schlauchboot einmal mit einem Kanu tauschen möchte, den laden wir ein, bei uns vorbeizukommen. Denn während viele von Seebruck aus die Alz in Richtung Truchtlaching entlang treiben, können wir wenden und paddeln an allen vorbei zurück in den Chiemsee“, wirbt Felber für seine Sportart.

Wer diesen Sommer ein wenig Hawaii-Feeling im Chiemgau erleben möchte, kann auch an dem von der Volkshochschule Traunreut angebotenen Kurs teilnehmen, den ebenfalls der Verein durchführt. Der Kurs wird den Sommer über jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr in Chieming angeboten; Anmeldung über die VHS.

Motivierte Paddler können sich auch noch für den Outrigger-Cup in Seeon anmelden. „Wir sind nämlich gespannt, ob das Team um Hemery den Jubiläumspokal holt oder wir eine Sensation erleben dürfen“, so Felber.

Mehr Information gibt es unter www.coc-org.de auf der Homepage des Vereins.

Kommentare