Strukturen ergänzen und ausbauen

13 Bürger haben sich spontan bereit erklärt, dass sie sich als Betreuer im Rahmen des sogenannten Quartierskonzepts mit besonderer Berücksichtigung älterer Bürger in der Gemeinde Seeon-Seebruck engagieren möchten. Drei Bürger haben auf einer Liste angekreuzt, dass sie das Angebot des Projekts in Anspruch nehmen wollen. Das geht aus einer ersten Befragung hervor, die bei der Auftaktveranstaltung im Truchtlachinger Bürgersaal durchgeführt wurde.

Seeon-Seebruck – Der voll besetzte Saal mit Besuchern unterschiedlichen Alters war ein Beleg dafür, dass das geplante Konzept, das voraussichtlich im April dieses Jahres gestartet werden soll, in der Bevölkerung Interesse findet.

Im vergangenen Dezember hatte sich der Gemeinderat einstimmig für die Umsetzung eines Quartierskonzepts ausgesprochen (wir berichteten). Das geförderte Projekt verfolgt das Ziel, älteren Mitbürgern zu ermöglichen, so lange in den eigenen vier Wänden zu leben, wie es nur irgendwie geht. Zunächst soll es über zwei Jahre laufen. Die Gemeinde erhält dafür eine einmalige staatliche Anschub-Finanzierung von 40 000 Euro. Sollte sich das Projekt bewähren, muss die Gemeinde mit jährlichen Kosten in Höhe von etwa 35 000 Euro rechnen.

Wie Bürgermeister Bernd Ruth in seinen einleitenden Worten herausstellte, gebe es in der Gemeinde ohnehin sehr engagierte Helferkreise, Seniorentreffen und Angebote vom VdK. Auf der Basis dieser vorhandenen Strukturen soll das Angebot jetzt ausgebaut und weiterentwickelt werden.

Gemeinderat Martin Bartlweber (FW) hat mit seinen Mitstreitern aus der Senioren- und Behindertenarbeit, Alfred Eiblmaier und Sepp Binder, ein auf die Gemeinde zugeschnittenes Konzept ausgearbeitet. Dieses beinhaltet drei Bausteine: ein Sozialbüro, eine Wohnberatung und ein sogenanntes niederschwelliges Beratungsangebot. Das Sozialbüro, das durch eine Fachkraft (Altenpflege, Sozialpädagoge) zu besetzen ist, soll erste Anlaufstelle für alle sozialen Fragen sein.

Nach Angaben des Bürgermeisters wurde die Fachkraftstelle bereits öffentlich ausgeschrieben. Sechs Bewerbungen seien bereits eingegangen. Von dem sogenannten „Quartiersmanager/Managerin“ sollen auch Alltagshilfen wie etwa Einkaufs-, Fahr- und Begleitdienste für Bürger, die auf mobile Unterstützung angewiesen sind, koordiniert werden.

Eine weitere Aufgabe des Sozialbüros ist es, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Das kann ein gemeinsames Frühstück oder ein Nachmittagskaffee sein. Eine Wohnberatung soll beispielsweise Fördermöglichkeiten aufzeigen, wo und wie für eventuelle Umbauten Zuschüsse beantragt werden können.

Ein großes Augenmerk ist auch auf eine geeignete Infrastruktur zu legen. Sind Einkaufsmöglichkeiten im Ort vorhanden, Ärzte, Apotheken oder Gasthäuser barrierefrei erreichbar, welche Freizeitmöglichkeiten und Begegnungsstätten gibt es und wie können sie genutzt werden? Die Fachkraft im Sozialbüro soll auch „Kümmerer“ der Betreuungsgruppe für niederschwellige Betreuungsangebote sein. Niedrigschwellige Betreuungsangebote sind Angebote, in denen sich Helferinnen und Helfer unter pflegerischer Anleitung um Pflegebedürftige mit erheblichem Bedarf an allgemeiner Beaufsichtigung und Betreuung kümmern. Die Pflegestufen der zu betreuenden Personen können sich von Pflegestufe eins bis drei bewegen.

Die ehrenamtlichen Helfer, die dafür eine Aufwandsentschädigung erhalten, müssen aber eine Schulung durchlaufen und regelmäßig die Teambesprechungen besuchen. Die Gemeinde rechnet damit, dass das Projekt voraussichtlich im April gestartet werden kann. Die Treffen der Betreuungsgruppen sollen alle zwei Wochen vormittags zunächst im Leseraum der Gemeindebücherei in Seeon stattfinden. Je nach Interesse schwebt den Initiatoren auch vor, in den nach dem Bezug des neuen Rathauses in Seebruck frei gewordenen Räumen der gemeindlichen Außenstelle (Standesamt) in Seeon ein „Haus der Begegnung“ zu schaffen.

Bei den Treffen, für die von den zu betreuenden Personen ein kleiner Obolus entrichtet werden muss, werden alle möglichen Aktivitäten wie Gesellschaftsspiele, Basteln oder Gymnastik angeboten, aber auch Ortsneuigkeiten ausgetauscht, und auch eine gemütliche Kaffeerunde darf dabei nicht fehlen. Der ehrenamtliche Helferkreis wird auch in den Orten und Weilern im Einsatz sein, um Angehörige, die seit Langem ihre Eltern oder sonstigen Angehörigen pflegen, zu entlasten. Dieses Betreuungsangebot, für das ebenfalls ein Obolus verlangt wird, erstreckt sich hier vom Zeitungsvorlesen über Spaziergänge bis hin zum „Einfach-Nur-Da-Sein.“

Das Konzept beinhaltet eine sogenannte Angehörigen-Gruppe mit dem Ziel, pflegenden Angehörigen die Möglichkeit zum Austausch über die häusliche Situation zu bieten. Dazu sollen auch Fachkräfte eingeladen werden, die über Demenz, Pflegesituation oder gesetzliche Vorgaben referieren.

Quartierskonzept für ältere Bürger geplant

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