Mit Augenmaske im Bernauer Wald - Diese Achtsamkeitswanderung hilft entspannen

Sich blind an einem Seil durch die Natur vorantasten: Auch das war ein Aha-Erlebnis für die Gruppe, die mit Wildnispädagogin Martina Bachhuber durch den Wald streifte: Hier gehen die Teilnehmerinnen Irmi Schmid (rechts) und .Heidi Frank voran. Kirchner

Achtsamkeit ist ein Trend, aber seit Dr. Jon Kabat-Zinn in den 1970ern ein Training dafür entwickelte, wird die Methode zum Stressabbau wissenschaftlich erforscht. In der Bernauer Filzen führte Wildnispädagogin Martina Bachhuber eine Gruppe auf den achtsamen Pfad.

Bernau–  Langsam und entspannt wandern, auf die Geräusche der Natur lauschen und bei sich selbst ankommen – bei einer Achtsamkeitswanderung durch die Bernauer Filzen erfuhr eine siebenköpfige Gruppe, warum Achtsamkeit mehr als nur ein Modewort ist und welche Übungen auch im Alltag für mehr Ausgleich und Entspannung sorgen.

Beim Wandern "runterkommen"

Nur wenige Hundert Meter vom südlichen Ortsrand Bernaus entfernt beginnt das Glück. Wo früher Moor war, sind heute Wiesen. Weit weg von Autolärm und Straßen lernen sechs Frauen und ein Mann, kurze, aber entspannende Momente der Ruhe und des „Runterkommens“ beim Wandern kennen.

"Die Natur mit anderen Augen sehen"

Klinik-Therapeutin und Wildnispädagogin Martina Bachhuber, heißt die kleine Gruppe willkommen und erklärt das Ziel der Achtsamkeitswanderung: „Beim Umherstreifen durch die Wälder mit alten Gewohnheiten brechen und die Natur mit anderen Augen sehen und erfahren.“

Einen Kiefernzapfen bewusst in die Hand nehmen und seine Strukturen spüren: Teilnehmerin Heidi Frank hat bei der Achtsamkeitswanderung Freude daran.

Hineinatmen in den Körper

Fünf unterschiedlich große Kieselsteine sammeln die Teilnehmer auf ihr Geheiß hin am Treffpunkt Sporthalle ein. Fünf Kieselsteine, die jeweils einen Glücksmoment auf der folgenden, nur zehnminütigen Wanderung Richtung Waldrand entlang der Bernauer Ache symbolisieren sollen. Und wahrhaftig, da hört man ganz bewusst das Bachrauschen.

Kieselsteine sammeln

Da steht eine kleine Sommerwolke wie ein Hut über der Hochplatte, strahlt die weiße Schnappenkapelle inmitten des Grüns unterhalb des Hochgern –  so viele Kieselsteine hat die Autorin dieser Zeilen gar nicht parat, um all die Eindrücke zu sammeln. Beim nächsten Stopp heißt es bewusst und konzentriert „in einzelnen Körperpartien hineinatmen“. Von den Füßen angefangen, arbeiten wir uns langsam über die Beine hoch zum Kopf.

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Auch wenn das Rauschen der vorbeifahrenden Züge immer wieder die Entspannung zu stören versucht: Die Geräusche des Windes in den Blättern, das Vogelgezwitscher, das Murmeln des Moorbächleins, all das gewinnt immer mehr die Oberhand.

Die Gedanken schweifen lassen

Über einen Pfad geht es dann weiter: In einem Waldstück sollen die Teilnehmer an einem Baum sitzend oder lehnend in sich lauschen „und den Alltag vergessen“. Da kommen einem Erinnerungen hoch, etwa, an einstige, unbeschwerte Kinderspiele im Wald. Beim Wandern die Gedanken schweifen lassen, „nicht überlegen, welcher Vogel da pfeift, sondern einfach einen Vogel hören, nicht nachdenken, ob das ein Ahorn oder eine Eiche ist, sondern einfach den Gedanken Baum zulassen,“ empfiehlt Martina Bachhuber, als die Gruppe weitermarschiert.

Wandern mit Augenmaske

Sanft steigt der Weg an, und an einer Stelle leitet die Wildnispädagogin die Gruppe an, eine Augenmaske aufzusetzen und sich an einem Seil festzuhalten: Blind und dennoch voller Vertrauen, soll man ihr folgen.

Was man dabei spürt? Der kurze Weg durch ein kleines Waldstückchen fühlt sich geradlinig an. Ein kleines Ästchen zerbricht knacksend beim Drauftreten. Auf einer kleinen Anhöhe angekommen, folgt dann das Staunen: Der Weg verlief keineswegs geradeaus, sondern sanft-mäandernd.

Auf einmal sind alle Sinne wach

Auf dem Rückweg nach Bernau hält die Gruppe im Schatten eines Wäldchens erneut, um den Rücken zu entspannen. „Wir stellen uns vor, dass ein Faden uns nach oben zieht,“ so Bachhuber, danach stehen alle mit den Beinen fest auf dem Boden und drehen ihren Oberkörper sanft nach rechts und links.

Die Übungen wirken simpel, aber die einhellige Meinung der Teilnehmer ist: Der Entspannungseffekt hat sich schon längst eingestellt. Die Gedanken schweifen nicht mehr ab, man überhört großzügig den Autolärm, lauscht „mit allen Sinnen“ der Natur, dem Rauschen des Bächleins, dem Säuseln der Blätter, dem Zirpen der Grillen und dem Vogelgezwitscher.

Weniger Stress durch Achtsamkeit

Achtsamkeit ist das ruhige und gelassene Wahrnehmen von allem, was um und in uns auftaucht – soweit die Kurzdefinition des deutschen Verbands der Achtsamkeitslehrenden. Vor allem zum Stressabbau, aber auch zum Überwinden von Blackaden, Ängsten und Schmerzen werden heute Achtsamkeitstrainings eingesetzt.

Das bekannteste ist das MBSR-Training (engl: Mindfulness-based stress reduction), das der US-Molekularbiologen Dr. Jon Kabat-Zinn in den 1970er Jahren entwickelte und das seitdem weltweit angewandt wird. Es verbindet meditative Übungen in Ruhe und Bewegung mit Ansätzen aus der modernen Psychologie und Stressforschung.

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„Drei Dinge sehen, hören, spüren“

Am Ende lässt die Gruppe die Wanderung Revue passieren: „Drei Dinge sehen, drei Dinge hören, drei Dinge spüren“ – seien es Kieselsteine oder Kiefernzapfen oder was auch immer man unterwegs gesammelt hat – diese Empfehlung gibt Bachhuber den Teilnehmern mit auf den Weg: „Das geht auch, wenn man unterwegs ist.

Denn bewusst diese Dinge wahrzunehmen und zu speichern, das bringt Ruhe in den Alltag und erinnert an die Momente der Achtsamkeit.“

Die nächsten Wanderungen mit Martina Bachhuber in Bernau sind rund um den Hitzelsberg (18. und 19. Juli.) und zur Wolfsschlucht (Richtung Seiser), Samstag jeweils von 14.30-17.30 Uhr und Sonntag jeweils von 9 bis 12 Uhr. Anmeldung: Tourist-Info Bernau, Telefon: 08051/98680. Kontakt: info@Martina-Bachhuber.de.

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