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Bei Verhandlung in Rosenheim geht es rund

Wüste Szenen am Gstadter Hafen: Streit um Kind und Geld eskaliert - Frau rettet sich mit Sprung

Hier im Hafen von Gstadt eskalierte am 17. März in einem Motorboot ein Rosenkrieg um Kind und Geld.
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Hier im Hafen von Gstadt eskalierte am 17. März in einem Motorboot ein Rosenkrieg um Kind und Geld.
  • VonTheo Auer
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Eine Luxusuhr, ein Boot, das sich gefährlich neigt, eine Frau, die sich mit einem beherzten Sprung rettet, und ein Mann, der sich als Opfer darstellt – bei der Verhandlung vor dem Schöffengericht Rosenheim zum Zwischenfall in Gstadt geht es rund.

Gstadt – Ein Streit um Kind und Geld auf einem Motorboot im Gstadter Hafen hatte jetzt ein Nachspiel vor dem Schöffengericht Rosenheim: Ein 35-Jähriger hatte sich dafür zu verantworten, dass er Forderungen gegen seine frühere Lebensgefährtin mit Gewalt durchsetzen wollte.

Im März dieses Jahres wurden an der Anlegestelle im Hafen von Gstadt zwei dort tätige Männer auf einen heftigen Streit in einem Motorboot aufmerksam, das vor einem Anlegesteg trieb. In einer Rangelei zwischen einem Paar forderte nach Angaben der Zeugen der Mann lauthals von der Frau angeblich geschuldetes Geld. Während das Boot gefährlich krängte und der Mann von die Armbanduhr der Frau als „Pfand“ forderte, wehrte die sich heftig.

Auf dem Anlegesteg in Sicherheit gebracht

Erst als die Augenzeugen zur Beendigung des Streits aufforderten und drohten, die Polizei zu rufen, ließ der Mann von der Frau ab, ohne die Uhr tatsächlich an sich zu bringen. Die Frau brachte sich dann auf ein anderes Boot springend und von dort auf den Anlegesteg in Sicherheit.

Vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richter Matthias Knoblauch gab der 35-Jährige eine anderslautende Version dieses Geschehens ab.

Ja, er sei mit der früheren Lebensgefährtin auf dem Boot in Streit geraten. Es sei, wie bereits in den zurückliegenden Jahren um den gemeinsamen jetzt elfjährigen Sohn und um Geld gegangen, das sie ihm schulde. In der Hitze der Auseinandersetzung habe er tatsächlich diese Armbanduhr von ihr als Pfand gefordert. Zu keiner Zeit hätte er aber die Absicht gehabt, sie zu berauben. Auch hätte er ihr keineswegs diese Uhr gewaltsam entreißen wollen. Vielmehr habe er sich im Zuge der Rangelei und dem heftig schaukelnden Boot an ihr festgehalten. Dabei habe er möglicherweise ihr Handgelenk umklammert. Außerdem habe er dann „durchaus freiwillig“ von ihr abgelassen, weil ihm die Sinnlosigkeit dieser Auseinandersetzung bewusst geworden sei.

Besitzrechte zivilrechtlich strittig

Im Zuge der Beweisaufnahme wurde deutlich, dass es nicht nur um den gemeinsamen Sohn und um geschuldete Unterhaltszahlungen ging. Vielmehr besitzen beide gemeinsam ein wertvolles Haus auf der Fraueninsel, wobei die Besitzrechte zivilrechtlich strittig sind, wie in der Verhandlung deutlich wurde. Diese Auseinandersetzungen sind auch Gegenstand einer Schlichtungsstelle und gehen Jahre zurück.

Widersprüchlich war das von dem Angeklagten beschriebene Verhältnis zu der Geschädigten. Einerseits erklärte er, dass er sie nach wie vor verehre, stellte sie andererseits jedoch als alkoholsüchtig und drogenabhängig dar. Durchwegs sei er das Opfer ihrer „finanziell haushoch überlegenen Familie“.

Richter Knoblauch nahm die Vorgeschichte und die zivilen Streitigkeiten zur Kenntnis, verwies aber darauf, dass es sich hier ausschließlich um die Vorgänge in dem Motorboot am 17. März handeln könne.

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Die Staatsanwältin verwies in ihrem Schlussvortrag auf die „glaubhaften Schilderungen der unbeteiligten Augenzeugen“ am Ufer in Gstadt. Dem zu Folge hatte sich der Angeklagte eines versuchten Raubes schuldig gemacht. Weil er erst nach der Aufforderung durch die Zeugen von der Frau abgelassen habe, könne es sich auch nicht – wie von ihm beschrieben – um einen straffreien freiwilligen Rücktritt handeln. Auch ein „minder schwerer Fall“ sei hier nicht gegeben. Immerhin handelte es sich bei der Uhr um einen Wert von etwa 12.000 Euro. die Staatsanwältin beantragte eine Haftstrafe von 18 Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden könnten. Dazu eine Geldbuße von 10.000 Euro.

Jegliche Geldauflage unangemessen

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Johann Kohlschmidt bestand darauf, dass sein Mandant niemals eine echte Zueignungsabsicht gehabt habe. Dazu hätte es sich doch um einen strafbefreienden Rücktritt gehandelt, ganz fraglos auch zumindest um einen minder schweren Fall. Falls das Gericht tatsächlich zu einem Schuldspruch käme, so könne es mit einer Bewährungsstrafe von drei Monaten sein Bewenden haben.

Auch sei jegliche Geldauflage für seinen Mandanten unangemessen. In seinem „letzten Wort“ vor dem Urteil beschrieb sich der Angeklagte erneut als Opfer der Umstände und nahezu am Hungertuch nagend.

Forderungen nicht mit Gewalt durchsetzen

Dass das Gericht dessen Darstellungen keineswegs zu folgen vermochte, zeigte sich im Urteil des Schöffengerichtes. Zwar gingen der Richter und die Schöffen von einem minderschweren Fall aus. Sicherlich handle es sich hier um sehr emotionale Verknüpfungen. Dennoch habe sich der Mann schuldig gemacht.

Acht Monate Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden und eine Geldauflage von 5400 Euro sollen den Verurteilten daran erinnern, dass Forderungen, selbst wenn sie berechtigt sind, nicht mit Gewalt beigetrieben werden können, hieß es in der Begründung.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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