Streit in Seeon geht weiter: Gericht bestätigt vorerst Kiesabbau

In der Nähe der Reitanlage Grünweg soll Kies abgebaut werden.
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In der Nähe der Reitanlage Grünweg soll Kies abgebaut werden.

Seit Monaten streiten sich Landratsamt, Gemeinde und Bürger über den Kiesabbau in Seeon. Nun geht der Streit in die nächste Runde. Der Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) hatte per Eilantrag am Verwaltungsgericht geklagt und eine sogenannte Zwischenverfügung gefordert, um den Abbau sofort zu stoppen. Diese wurde nun abgelehnt.

Seeon-Seebruck – Der Streit um den Kiesabbau hat in Seeon eine lange Vorgeschichte. Nachdem sich der Gemeinderat im Vorjahr gegen einen Kiesabbau in Seeon ausgesprochen hatte, genehmigte das Landratsamt Traunstein im Juni den Kiesabbau. Viele Bürger aus Seeon protestierten, auch eine Mahnwache war geplant. Nur wenige Stunden bevor sich der Gemeinderat nochmals mit dem Thema Kiesabbau beschäftigen wollte, ruderte das Landratsamt Traunstein zurück.

Toteiskessel verhindern Kiesabbau

In einer Pressemitteilung gab das Landratsamt an, auf Intervention von Kreisrat Sepp Daxenberger aus Seeon nun doch keine Genehmigung erteilen zu wollen. Zumindest für rund zwei Drittel der geplanten Flächen im Südteil. Hintergrund sei die Tatsache, dass es sich im Gebiet um einen sogenannten Toteiskessel handle.

„Toteiskessel sind geologische Verschüttungen, die beim Zurückweichen der Gletscher entstanden sind. Zum Teil haben sich durch das Schmelzen des Gletschereises auch Toteisseen gebildet“, so die Auskunft der Pressestelle des Landratsamtes. Diese Flächen seien besonders geschützt. Der Gemeinderat stimmte dem Kompromiss Ende Juli mit 15:2 Stimmen zu.

Kiesabbau auf einem Drittel

Doch das übrige Drittel, auf dem bereits Arbeiten zum Kiesabbau laufen, ist den Umweltschützern nach wie vor ein Dorn im Auge. Der UVA hatte deshalb Klage, einen Eilantrag sowie einen Antrag auf eine Zwischenverfügung am Verwaltungsgericht eingereicht, um einen Kiesabbau ab sofort zu verhindern. Denn dort werden bereits Vorarbeiten zum Kiesabbau durchgeführt.

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Nun wurde die Zwischenverfügung abgelehnt, wie Martin Friedrich, Sprecher des Verwaltungsgericht München, bestätigt. Laut Friedrich habe das Landratsamt glaubhaft dargelegt, dass derzeit nicht mit weiteren Beeinträchtigungen in Hinblick auf den Naturschutz zu rechnen sei. Zumindest nicht, bis eine endgültige Entscheidung vorliege.

Friedrich bestritt allerdings, dass die Ablehnung mit fehlenden Akten aus dem Landratsamt Traunstein zusammen hinge. Dies hatte der UVA der Chiemgau-Zeitung als einen Grund genannt.

Betreiber möchte weitermachen

Direkt betroffen von den rechtlichen Streitigkeiten ist auch die Firma Riedel aus Eggstätt, die in Seeon Kies abbauen möchte. Im genehmigten Bereich in Seeon laufen bereits die Vorarbeiten zum Kiesabbau. Auf Nachfrage der Chiemgau-Zeitung möchte die Firma Riedl auch daran festhalten. Schließlich bestünde derzeit eine Genehmigung.

Umweltschützer geben nicht auf

Der UVA hat angekündigt, Beschwerde am Verwaltungsgerichtshof einzulegen. Ein Anwalt arbeite diese gerade aus und werde sie noch in dieser Woche einreichen, sagt Gerd Raepple. 2. Vorsitzender der Organisation.

Grundsätzlich gehe es dem UVA nicht nur um das Drittel, in dem bereits Kies abgebaut wird. Er fürchtet trotz widerrufender Genehmigung des Landratsamtes, dass der Bereich im Toteiskessel wieder auf der Kippe stehen könnte. Der Umweltschutzverband zeigt sich kampfbereit. „Wir geben keine Ruhe“, sagt Raepple.

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