CHIEMGAU TEAM TROPHY

Die Strecke ist das Ziel

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Inzell – In der Sonne glitzernde Schneekristalle, vereiste Bäche, dick mit Schnee und Raureif behangene Bäume: Durch eine Traum-Landschaft führte am Sonntag der Erlebnislanglauf „Chiemgau Team Trophy“ von Inzell nach Reit im Winkl.

475 Teilnehmer in 78 Teams gingen auf die 43,4 Kilometer lange Strecke. Das Team mit den meisten Läufern – 59 – und den meisten Kilometern – 2410,1 – war das Team Hofbräuhaus Traunstein.

Auch das Inzeller Team „Löffler Girls & Friends“ mit 25 Finishern und 941,8 Kilometern sowie der SC Inzell mit 21 Finishern und 882,5 Kilometern schlugen sich wacker. Da das Rimstinger Team Maloja, das bereits zwei Mal als stärkstes Team geehrt worden war, auf den ihm zustehenden zweiten Preis verzichtete, jubelten die beiden Inzeller Teams über die Plätze zwei und drei. Auch als kreativstes Team wurde ein Inzeller Team ausgezeichnet: Die vier Ministranten Josua Hütter, Wolfgang Brand, Christoph Thanner und Maxi Spann, die als „Himmelfahrtskommando“ in ihren Mini-Gewändern skateten, waren der Publikumsliebling. Ansonsten waren Kostümierungen rar.

Doch die Platzierungen standen nicht im Mittelpunkt des von der Wechselszene Sven Hindl GmbH in Kastl veranstalteten, geselligen Events ohne Zeitmessung: An diesem Veranstaltungsformat hatten Profis und Leistungssportler wie Schirmherr Andi Katz, der ohne Stöcke – wegen seiner Schulterverletzung – in Reit im Winkl als Dritter ins Ziel skatete, der frühere Weltklasse-Langläufer Tobias Angerer aus Traunstein oder der mehrfache Seniorenweltmeister Ferdl Kraller aus Teisendorf ebenso ihren Spaß wie ambitionierte Freizeitsportler. Weniger trainierte Feierabend-Hobbyläufer konnten das Ganze dank Shuttlebus zum Überbrücken einzelner Etappen einfach gemütlicher angehen lassen.

Nach der Begrüßung in der Max Aicher Arena zog ein langer Zug, begleitet vom Inzeller Bürgermeister Hans Egger, der Musikkapelle und den Inzeller und Ruhpoldinger Sportstätten-Maskottchen „Fleckis“ und „Beppos“ über die B 304 zum Startpunkt. Wolfgang Fehringer sprintete mit seinem Husky-Schlittenhundegespann vo raus. Den Startschuss gaben Böllerschützen. Stolz lief nach den Massen Melica Schungel von der St. Valentinsschule Ruhpolding mit Fackel der Special Olympics für die Landes-Winterspiele in Hof symbolisch über die Linie.

Viele Anstiege galt es auf den ersten 14 Kilometern bis Ruhpolding zu bezwingen, die durch idyllische Landschaften wie die Inzeller Filzen und am Froschsee vorbei führten. Diesmal war die Schneelage so gut, dass die Gemeindebauhöfe fast keine Schneelücken schließen mussten, und nur an ganz wenigen Stellen mussten die Ski abgeschnallt und über die Straße getragen werden.

„Eine schöne Veranstaltung“

Zahlreiche Ehrenamtliche, darunter alleine 20 Bergwachtler, gaben ihr Bestes für die Sicherheit und Verpflegung oder als Streckenposten. An der ersten Versorgungsstation am Kurcafé in Ruhpolding packte die Inzeller Pfarrersgattin Petra Seitz tatkräftig beim Ausschenken von schwarzem Tee, Brühe und Hollundertee mit an. Nach der zwar bezaubernden, doch vom Schnee her sehr stumpfen Seen-Etappe hielten es bei der schattigen Labestation am Mittersee die meisten nicht lange aus. „Drum arbeiten wir so schnell, weil es so eiskalt ist“, scherzte Heinrich Christian vom Ski-Club Ruhpolding, während er wieder Tee heiß machte.

„Eine schöne Veranstaltung“, fand Eva Mehrl aus Regensburg, die mit ihrer Schwester zum ersten Mal dabei war. Manuela Lange vom SC Schliersee war von der ihr noch unbekannten Gegend beeindruckt: „Nach Ruhpolding fährt man von uns aus nicht zum Langlaufen, höchstens zum Urlaub machen, und dann auch eher im Sommer.“ Silke Stein aus Inzell entschloss sich zum Mitmachen, weil bei ihrem Team der Volksbank-Raiffeisenbank erstmals auch klassische Läufer dabei sind. Eine so lange Strecke mag sie nicht skaten.

An der Sachenbacher-Alm konnte man Sonne satt tanken. Bei Live-Volksmusik stärkten sich Kilian, Veit, Simon und Stefan von den Langlaufkindern des WSV Reit im Winkl mit Wiener Würsteln.

Sie waren bereits im Vorjahr bei der verkürzten Strecke von 25 Kilometern dabei. „Heute ist es natürlich gewaltig weit für die Kleinen“, erklärte Walter Vogel, der in der Event-Crew half. „Aber sie wollen nicht mit dem Bus fahren“, ergänzte Veits und Simons Mutter Monika Mayer.

Beim Zieleinlauf in Reit im Winkl gab es Applaus, Fotoaufnahmen und eine charmante Begrüßung durch die Moderatoren Klaus-Uwe Gutknecht vom Bayerischen Rundfunk und Andi Hoppe für jeden einzelnen Finisher.

Es gab auch kritische Stimmen. Das Zeitlimit sei für klassische Läufer zu knapp gewesen, wenn man alles laufen und halbwegs angenehme Regenerationspausen machen möchte, fand die Journalistin und ambitionierte Freizeit-Ausdauersportlerin Stefanie Weinberger aus München. Mit einer Urlauberin, der rüstigen Pensionärin Madelaine Ilmer aus Schleswig-Holstein, die extra trainiert hatte, fuhr sie nach 43,4 Kilometern ins Ziel, als man dieses bereits abbauen wollte.

Alles in allem sah man viele glückliche, zufriedene Gesichter. Die Teilnehmer hätten gerne, wenn noch spätere Busse nach Inzell zurückgefahren wären, die Erlebnisse im Festsaal Reit im Winkl noch länger nachklingen lassen wollen zu den fetzigen Klängen der „Barhocker“.

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