Erfolgreiche Wiederansiedlung in Mitteleuropa

Überwintern am Chiemsee: Störche begeben sich auf Mäusejagd im Schnee

Ein ähnliches Bild dürften die Störche aus Bernau abgegeben haben. Das im vergangenen Sommer gesichtete Paar hat laut Informationen des Landesbunds für Vogelschutz erfolgreich zwei Junge aufgezogen.
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Ein ähnliches Bild dürften die Störche aus Bernau abgegeben haben. Das im vergangenen Sommer gesichtete Paar hat laut Informationen des Landesbunds für Vogelschutz erfolgreich zwei Junge aufgezogen.
  • vonElisabeth Kirchner
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Rund 300 Weißstörche überwintern in Bayern. Auch der Chiemgau dient ab und an als Winterresidenz – wenn das Nahrungsangebot stimmt.

Bernau – Oda Wieding, Expertin beim Landesbund für Vogelschutz (LBV) erklärt im Telefoninterview: „Grundsätzlich ist eine Überwinterung weniger vom Wetter abhängig, als von verfügbarer Nahrung.“ Im vergangenen Sommer wurden zwei Storchenpaare am Chiemsee beobachtet: Eins in Bernau und eins in Übersee. „Das Storchenpaar in Bernau scheint zwei Junge erfolgreich aufgezogen zu haben. Von Übersee habe ich bisher nur den Hinweis auf eine wahrscheinlich erfolgreiche Brut.“ Ein weiteres Paar siedelt seit 2012 – bis auf das Hochwasserjahr 2013 – in Rott am Inn, weiß die Vogelexpertin.

Mäuse und Fische auf dem Speiseplan

„So lange nicht alle Fließgewässer zufrieren und der Schnee als dichte Decke über längere Wochen alle Mauselöcher zudeckt, können Störche genug Nahrung finden – ähnlich wie die hier auf den Feldern stehenden Graureiher oder auch die seit einigen Jahren im Winter zunehmend eigens einfliegenden Silberreiher.“

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Oda Wieding sieht eine Hauptursache für die Überwinterung von Weißstörchen nicht im Klimawandel, sondern in den Wiederansiedlungsprojekten in der Schweiz, dem Elsass und in Baden-Württemberg. Dort wurden Störche zwei, drei Jahre in Gehegen gehalten und erst mit Geschlechtsreife freigelassen, damit sie tatsächlich für Nachwuchs sorgen können und nicht vorher in Afrika umkommen.

Ausgewilderte Störche nehmen neues Verhalten an

Die Störche haben sich zum Teil auch in Bayern angesiedelt, wie der LBV anhand der Beringung feststellen konnte. Einige dieser ehemaligen Projektstörche haben sich mit wilden Störchen gepaart und ihr neues Überwinterungsverhalten an die jeweiligen Brutpartner weitergeben, so LBV-Expertin Wieding weiter. Wie sich das Wetter und der Klimawandel auf ihr Verhalten auswirken, ließe sich deshalb nicht mehr sagen.

Unterstützung durch künstliche Nisthilfen

Ein Zeichen für den Klimawandel könnte der Storchenexpertin zufolge aber sein, dass in den vergangenen Jahren deutlich mehr Silberreiher in Deutschland überwinterten, während Schwarzstörche dies nach wie vor nur in Einzelfällen tun. Wieding berichtet weiter, dass – auch wenn der Schwarzstorch selten sei – für ihn keine Wiederansiedlungsprojekte gestartet wurden.

Stattdessen beschränke sich die Unterstützung vor allem auf das Angebot von künstlichen Nisthilfen und die Errichtung von Horstschutzzonen, damit die Brut möglichst ungestört bleibt. Denn im Gegensatz zum Weißstorch sei der Schwarzstorch ein scheuer Bewohner alter, geschlossener Wälder, die Still- und Fließgewässer aufweisen.

Ein Viertel mehr Störche sind über den Winter in Bayern geblieben

Hatten im Winter 2015/2016 Schätzungen zufolge rund 240 Störche die kalte Jahreszeit im Freistaat verbracht, waren es im Jahr darauf schon knapp 300. Und auch heute noch gebe es ähnlich hohe Zahlen, so Wieding.

Im Chiemgau hingegen sind Störche rar. Im Winter 2019/20 Winter gab es ein bis zwei Störche am Südrand des Chiemsees. „Wir beobachten längere Flüge bis zu 30 Kilometer zu Müllkippen und Kompostanlagen mit entsprechendem Mäuseangebot.“ Zudem gebe es auch einige Störche, die nur eine sogenannte Winterflucht machen, also erst Anfang Dezember mit dem ersten Schneefall abziehen, um so der unwirtlichen Witterung auszuweichen. Der Flug führe dann beispielsweise nur bis zum Bodensee, eventuell noch weiter das Rhonetal hinunter bis zum Mittelmeer. Oder die Störche wählen die andere Route und folgen der Donau nach Südosten.

Voralpenbereich ist für Störche weniger attraktiv

Wieding sieht einen Zusammenhang zwischen Niederschlagsmenge und Ansiedlungsverhalten. Und da sei „der Voralpenbereich eigentlich für Störche nicht ganz so attraktiv.“ Schon in der Literatur lasse sich hierzu kaum etwas finden. Die Expertin vermutet deshalb, „dass es im Chiemgau bei einzelnen Nestern bleiben wird, auch wenn der Gesamtbestand in Bayern in den letzten Jahren weiterhin angestiegen ist.“

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