Steuerflüchtlingen auf der Spur: Hundedetektive spüren in Prien 88 illegale Vierbeiner auf

So ist es richtig: Ein Priener Hundebesitzer zeigt die Steuermarke seines Vierbeiners.
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So ist es richtig: Ein Priener Hundebesitzer zeigt die Steuermarke seines Vierbeiners.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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5.500 Euro mehr im Jahr wird der Markt Prien 2021 als Hundesteuer einnehmen. Das ist der Gegenwert für 88 Vierbeiner, die Hundedetektive im Auftrag der Gemeinde aufgespürt haben. Ihre Herrchen und frauchen hatten bisher keine Steuern gezahlt.

Prien – 88 Vierbeiner, deren Herrchen oder Frauchen bisher keine Steuer an die Gemeinde für ihren Vierbeiner gezahlt hatten, haben Hundedetektive im Auftrag des Marktes Prien aufgespürt. Mit ihrem Vorstoß hatte die Marktgemeinde über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt. Sie engagierte Spezialisten, die Hunde und deren Herrchen oder Frauchen aufspüren sollten, die keine Hundesteuer zahlen.

Jeder vierte Hund war nicht gemeldet

Jetzt legte Alfons Kinne von der Finanzverwaltung im Rathaus dem neuen Marktgemeinderat die Ergebnisse vor. Die Zahl der steuerpflichtigen Vierbeiner habe sich um 88 Hunde von 376 auf 464 erhöht. Es war also vor der Aktion fast jeder vierte Hund nicht bei der Gemeinde gemeldet – vorausgesetzt, die Hundedetektive haben tatsächlich alle „illegalen“ Vierbeiner aufgespürt. Möglicherweise gibt es noch weitere. Die Aktion soll nach einhelliger Meinung in ein paar Jahren wiederholt werden.

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Den Anstoß hatte seinerzeit ein Antrag des damaligen Marktgemeinderats Michael Schlosser für die ÜWG gegeben. Der Marktgemeinderat hatte zum ersten Mal nach 40 Jahren die Hundesteuer leicht angehoben – um fünf auf 60 Euro pro Jahr und Vierbeiner. Bei Zweit- und Kampfhunden gelten Spezialtarife.

Unternehmen recherchiert in Sachen Hundesteuer

Die OVB-Heimatzeitungen berichteten darüber. Die Firma Springer – Kommunale Dienste“ aus Düren las das im Online-Portal der OVB-Heimatzeitungen und nahm Kontakt ins Priener Rathaus auf. Das Unternehmen ist seit 20 Jahren darauf spezialisiert, Hunde und ihre Besitzer aufzuspüren. „Hundebestandsaufnahmen“ nennt der Anbieter diesen Service auf seiner Homepage. „Unsere bewährte digitale Lösung minimiert die Schwarzhunde nach unserem Besuch auf fast null“, wirbt Springer im Interent für sein Angebot.

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Die Firma Springer übernahm den Auftrag auf Erfolgsbasis. Unterm Strich bekam das Unternehmen Kinne zufolge etwa 5.500 Euro, genau die Summe, die der Markt Prien in einem Jahr an zusätzlicher Hundesteuer einnimmt.

In Prien von März bis Oktober auf der Suche

Im nächsten Jahr steigen die Einnahmen dann dank der 88 ertappten Hunde. Von März bis Oktober 2019 waren die Springer-Mitarbeiter in Prien Klinken putzen. „Die haben ihre Tricks“, antwortete Kinne vielsagend lächelnd und ausweichend auf eine Nachfrage aus dem Gremium, wie es den Spezialisten gelingt, die Steuerflüchtlinge ausfindig zu machen.

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Die Springer-Mitarbeiter mussten auch nicht mehr alle finden. Rund zwei Dutzend Hundebesitzer hatten sich vor Beginn der Aktion freiwillig im Rathaus gemeldet, als der Einsatz der Hundedetektive in der Chiemgau-Zeitung angekündigt worden waren.

Zu klein für die Steuerpflicht?

„Der Hund gehört der Tochter, die woanders studiert.“ „Wir haben den Hund nur zur Pflege, die Besitzer sind im Urlaub.“ „Wir haben gar nicht gewusst, dass ein Hund Steuern kostet.“ Das waren „Klassiker“ der Ausreden von ertappten Steuersündern.

Die originellste hatte Kinne, von einer älteren Dame gehört, erzählt er schmunzelnd. Weil ihr Hund nicht mal zwei Kilo wiege und aufs Katzenklo gehe, war sie überzeugt, dass ein so kleines Tier keine Steuern kosten könne.

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