Sterben darf nicht ins Abseits geraten - Ein Einblick in die Arbeit der Hospizgruppe Prien

Stefan Scheck, Vorsitzender der Hospizgruppe Prien und Umgebung, gibt Einblicke in die Arbeit eines Hospizbegleiter. Sein dringender Appell: das Sterben als Teil des Lebens zu akzeptieren.
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Stefan Scheck, Vorsitzender der Hospizgruppe Prien und Umgebung, gibt Einblicke in die Arbeit eines Hospizbegleiter. Sein dringender Appell: das Sterben als Teil des Lebens zu akzeptieren.
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Hospizbegleiter bleiben bis zum Ende. Dem Lebensende eines Menschen. Sie begleiten Sterbende in ihren letzten Wochen, Tagen und Stunden. Für viele ist dies unvorstellbar und belastend.

Prien – Für Stefan Scheck, Vorsitzender der Hospizgruppe Prien und Umgebung, ist es eine ehrenvolle Aufgabe. Er steht seit acht Jahren dem Verein vor, ist zehn Jahre dabei und hat sich als gelernter Krankenpfleger von intensivstationären Patienten schon früh mit dem Sterben und dem Tod beschäftigt.

Der Tod betrifft jede Altersgruppe

„Der Tod gehört zum Leben dazu“, dieser Spruch ist laut Scheck schön, aber nur schwer in der Gesellschaft zu etablieren. Zu gern werde das Sterben ins Abseits gestellt. „Dabei gehört er mitten hinein“, betont Scheck. Deshalb ist er unter anderem auch als Referent an Schulen im Einsatz.

Denn der Tod betreffe jede Altersgruppe. „Kinder verlieren Eltern und Großeltern, Freunde und Kollegen können sterben. Mal geht eine medizinische Krankheit voraus, mal beendet beispielsweise ein Unfall das Leben überraschend. Der Tod und der Umgang damit sind deshalb Bestandteile eines jeden Lebens“, so Scheck.

Hospizgruppe betreut 20 bis 40 Menschen pro Jahr

Wenn Hospizbegleiter gerufen werden, „dringen“ sie in einer extremen und schwierigen Phase in eine Familie ein. „Wir müssen einfühlsam sein, sowohl den Angehörigen aber vor allem dem zu Begleitenden gegenüber. Wir leisten emotionale und soziale Unterstützung und bieten sachkundige und mitmenschliche Hilfe“, beschreibt Scheck seine Arbeit und die aller Begleiter der Priener Hospizgruppe. Dabei müsse er aber auch darauf achten, als Begleiter grenzen zu setzen.

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Neben Gesprächen, lese ich vor oder spiele ein Spiel, halte die Hand oder oder. Das richtet sich nach den Patienten“, erklärt Scheck. 20 bis 40 Personen betreut die Hospizgruppe Prien pro Jahr. Es gibt sie seit 2002. Kinder werden von den Priener Begleitern aber nicht betreut. „Für sie gibt es einen eigenen Kinderhospizdienst“, so Scheck.

Sterbebegleiter bekommen ihre Auszeiten

Für die Begleiter eine lehrreiche Erfahrung und stets im Kopf zu haben: „Jeder stirbt individuell“. Und so falle auch die Betreuung beziehungsweise Begleitung aus. Neben Fortbildungen und Supervisionen findet bei der Priener Hospizgruppe einmal pro Monat ein Gruppenabend für die 20 bis 25 ehrenamtlich Aktiven statt. „Dieser dient, unter Wahrung des Datenschutzes, zum Austausch, Tipps geben und erhalten. Zudem: Begleiter bekommen Auszeiten. „Nach einem Einsatz kommt nicht gleich der nächste. Wir sind im Ehrenamt tätig. Und man braucht auch den persönlichen Abschluss und Verarbeitung für sich. Denn ein Sterbeprozess führe einem auch immer die eigene Endlichkeit vor Augen.

Was Scheck angesichts der Tragweite seiner Arbeit besonders erfreut, ist, dass das Sterben daheim wieder häufiger möglich sei. „Der Patient kann so in seinem vertrauten Umfeld sein. Das ist schon etwas anderes als in einem Krankenhaus oder einem Pflegeheim.“ Denn der Tod sei nicht terminierbar. „Zeitfenster sind hier relativ und so müssen auch unsere Besuche ausgelegt werden.“

Ein anderer Umgang mit Sterben, Tod und Trauer

Arbeiten im Hospizbereich sei auch zugleich Arbeiten in einem Netzwerk. „Wir müssen uns eng mit den medizinisch-pflegerischen Komponenten und Diensten abstimmen. Außerdem: Momente die viel zurückgeben, würde das Hospizmobil des Landkreises sein, das letzte Wünsche erfülle. „Das beschert Glücksmomente“, so Scheck. Dass in Bernau gerade das Chiemseehospiz entstehe, sei ein lang ersehnter Schritt.

„Der Bedarf in der Region trotz allem ist hoch. Für viele Menschen ist dies eine wichtige Einrichtung und letzte Station in ihrem Leben. Der Jakobus-Hospizverein für Stadt und Landkreis Rosenheim und die Hospizgruppe Prien und Umgebung veranstalten regelmäßig Kurse mit dem Thema „Ein anderer Umgang mit Sterben, Tod und Trauer“ in verschiedenen Gemeinden des Landkreises.

Kurse für weitere Begleiter

Die Kurse richten sich an Menschen, die sich aus persönlichem Interesse mit dem Thema befassen wollen. Neben der Auseinandersetzung mit dem Thema beinhalten die Kurse unter anderem auch Informationen über die Möglichkeiten der Schmerztherapie, den Umgang mit Trauernden sowie Fragen zur Patientenverfügung und Bestattung. „Eine individuelle Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung gibt im Sterbefall Sicherheit“, weiß Scheck. Dass der Hospizbegleiter eine Hilfe für den Sterbenden ist, werde immer mehr wahrgenommen.“

Der Betroffenen oder dessen Angehörigen kommen mittlerweile auf die Priener Gruppe direkt zu. Dies sei gut, denn oftmals sei die Frage, ob der zu Begleitende wolle, in einem späten Stadium schwierig zu beantworten.

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