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Stechmückenplage, aber keine Lösung in Sicht

Stechmückenbekämpfung am Chiemsee: Erst kein Bescheid, jetzt kein Gift

Meist hört man sie nur, so sehen Stechmücken aus der Nähe aus.
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Meist hört man sie nur, so sehen Stechmücken aus der Nähe aus.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Erst fehlt Bescheid, dann der Stoff: Mit Mückenbekämpfung wird es heuer nichts am Chiemsee. Daran liegt‘s.

Rimsting – Viel Regen in jüngster Zeit, Feuchtigkeit, dazu Wärme: Ideales Mückenwetter. Von einem „guten Mückenjahr“ spricht auch Doreen Werner, Biologin am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung und Leiterin des deutschlandweiten „Mückenatlas“. Von einer „massiven Plage“ sei man aber weit entfernt. Trotzdem sei Süddeutschland aufgrund der anhaltenden Regenfälle in der jüngsten Zeit aber stärker betroffen als andere Gebiete.

Zu einer Stechmückenbekämpfung am Chiemsee kommt es aber heuer trotzdem nicht, heißt es seitens des Abwasser- und Umweltverbands (AUV).

Pegel der Alz ist entscheidend

Dieser ist für die Organisation der Bekämpfung zuständig. Wie Verbandsvorsitzender Andreas Fenzl, Erster Bürgermeister von Rimsting, erklärt, kam die dazu nötige Bewilligung von der Regierung von Oberbayern heuer fünf Tage zu spät. Normalerweise hätte man in diesen Tagen das zur biologischen Mückenabwehr genutzte Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis (Bti) nach dem Hochwasser von Mitte Juli ausgebracht.

„Dazu ist aber zusätzlich ein Pegelstand der Alz bei Seebruck von 116 Zentimetern erforderlich“, erklärt Fenzl. Diesen Wert überschritt der Fluss am 19. Juli. Nun wird es heikel: Zwischen dem Erreichen dieses Pegelstands und der Ausbringung des Bakteriums dürften bei Temperaturen über 25 Grad lediglich fünf bis sechs Tage vergehen. Die notwendigen Schöpfproben und die Organisation der Bekämpfung hätten also schon damals angeleiert sein müssen. Ohne Bewilligung allerdings: Keine Chance,

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Das Ja der Regierung dazu gilt immer fünf Jahre lang; die jüngste Frist endete am 31. Dezember 2020: „Wir haben aber bereits frühzeitig, nämlich am 16. Juli 2020, eine Weiterbewilligung beantragt“, führt Fenzl aus.

Naturschutz redet mit

Trotzdem trudelte der erwartete Bescheid aus München erst am 23. Juli deses Jahres beim AUV ein. Zu spät also, um noch mit bti loszulegen. Warum es zur Verzögerung seitens der Regierung gekommen sei, weiß Fenzl inzwischen auch: „Für die Bewilligung müssen stets die Naturschutzverbände eingebunden werden, diesmal benötigte man außerdem eine noch genauere Definition der Ausbringungsflächen beziehungsweise der Brutstätten, und diese ändern sich von Zeit zu Zeit.“ All das habe gedauert. Immerhin: Der neue Bescheid gilt bis 31. Dezember 2025.

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Jetzt oder später noch das Mittel einsetzen? Keine gute Idee, weiß Fenzl, und führt aus: „Die Bekämpfung der Stechmücken kann nur im Larvenstadium erfolgen, sobald die Verpuppung stattgefunden hat, erfolgt keine Nahrungsaufnahme mehr, wodurch das Mittel nicht aufgenommen wird.“

Bewilligung hätte nichts genützt

Inzwischen ist der Pegel der Akz wieder unter 116 Zentimeter gefallen. Und noch etwas hätte. Bürokratie hin oder her, die Mückenbekämpfung am Chiemsee heuer unmöglich gemacht: Die Hochwasserkatastrophe andernorts.

Die Firma ICYBAC, die sonst am Chiemsee aktiv wird, ist gerade in Rheinland-Pfalz im Einsatz, da dies dort – so das Unternehmen – in unvorhersehbarem Ausmaß notwendig geworden sei. Die Kapazität der Firma sei massiv überlastet und die Ressourcen des Präparates erschöpft.

Fünf Jahre gesichert

Zumindest, so Fenzl, sei man für die nächsten fünf Jahre auf der sicheren Seite. Er weiß, dass die Maßnahme nicht überall auf uneingeschränkte Zustimmung in der Bevölkerung stößt: „Ich habe Verständnis für die Kritiker, aber es ist jedes Mal eine individuelle Entscheidung fällig, ob es wegen einer nachhaltigen Überschwemmung zu einer Plage kommt, oder ob es sich ur um einen kurzfristigen Pegelhochstand handelt – dann ist es besser, noch abzuwarten.“

Der AUV habe nicht umsonst auch die Bezeichnung Umweltverband: WWir gehen sensibel mit unserer Natur um.“ Das sieht auch Seeon-Seebrucks Bürgermeister Martin Bartlweber so – die Gemeinde stieg zuletzt aus Naturschutzgründen sogar ganz aus der Bekämpfung aus (wir berichteten): Der Erhalt der Stechmücke als Lebewesen und Teil der Nahrungskette habe Priorität: „Wir sollten massive Eingriffe in unser sensibles Ökosystem vermeiden, wo es geht.“

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