Staudach: Kunst im Fenster

Ein Blick in die neue Ausstellung im Atelierfenster von Carsten Lewerentz in Staudach Egerndach zum Gedenken an seinen verehrten Lehrer Professor Rolf Szymanski - bis Mai 2020 zu sehen.  Foto Giesen

Im Staudacher Atelierfenster präsentiert Künstler Carsten Lewerentz „verschiedene Aspekte des Weiblichen“. Er erinnert damit an seinen Lehrer, den Bildhauer Rolf Szymanski.

Staudach – Wenn Museums- und Galeriebesuche derzeit auch nicht möglich sind, so kann doch jeder Interessierte die neue Ausstellung des Künstlers Carsten Lewerentz im Staudacher Atelierfenster – der „kleinsten Galerie der Welt“ – bei einem Spaziergang ganz für sich allein besichtigen, ohne dass er ein Museum betreten muss. Lewerentz versucht, in der Ausstellung an der Hauptstraße 31 in Staudach-Egerndach verschiedene Aspekte des Weiblichen darzustellen.

Lebendigkeit und Kraft

Gewidmet ist die kleine Schau einem von ihm verehrten Lehrer und Bildhauerkollegen, nämlich Rolf Szymanski (1928 bis 2013), den er als sein Schüler in der Salzburger Sommerakademie kennenlernte. „Von den sechs Wochen sind mir nicht etwa seine persönlichen Korrekturen beim Aktstudium in Erinnerung geblieben, sondern die Lebendigkeit und Kraft, mit der er allgemein über Kunst und Welt sprach“, schreibt Lewerentz in seinen Notizen zu der kleinen Präsentation.

Im Atelierfenster wagt Lewerentz den Versuch einer Begegnung von Szymanskis Bronze „Kleine Figur Nr. V“ von 1968 und zwei seiner Lithografien, benannt „Spiegel“, 1973, und einigen seiner eigenen, seit 1980 entstandenen Bronzefiguren. Der Künstler versteht sie als persönlichen „Rückblick“ auf Spuren, die Professor Rolf Szymanski, wenn auch damals unbemerkt, in seine eigene weitere Arbeit gelegt hatte.

Weibliche Akte voller Kraft

Szymanski, zu seinen Lebzeiten hoch angesehener Bildhauer, dessen Werke an zahlreichen Orten im öffentlichen Raum in Deutschland stehen, arbeitete als der Abstraktion verpflichteter, aber niemals das Figurale ganz vergessender Künstler vor allem an der Gestaltung der weiblichen Figur. Seine ungemein ausdrucksstarken, kraftvoll, dominant wirkenden Akte stehen symbolisch für Vitalität, Wachstum, aber auch Wut und Zerstörung. Seine bildnerische Kraft, verkörpert zum Beispiel seine große Bronzefigur „Öffentliche Rose“, die außer auf Plätzen in Berlin und Hannover 1978 auch in München nahe dem Isartor aufgestellt wurde, gestiftet von dem Unternehmer Theo Wormland.

Szymanski hatte zehn Jahre lang eine Professur an der Hochschule der Künste in Berlin inne, war seit 1970 Mitglied der dortigen Akademie der Bildenden Künste und von 1960 bis 1997 Mitglied des Deutschen Künstlerbundes, an dessen Jahresausstellungen er 13 Mal teilnahm. 1999 wurde er auch als Mitglied in die Bayerische Akademie der Schönen Künste aufgenommen.

So gibt die Ausstellung im Atelierfenster einen Eindruck vom künstlerischen Wirken Szymanskis, was Anlass sein mag, sich auch dessen heute oft wenig beachtete Skulpturen im öffentlichen Raum genauer anzusehen. Zudem sind dessen Werke den so ganz anderen, figürlichen Arbeiten von Carsten Lewerentz gegenübergestellt: diese „Hüllen“ der weiblichen Figur erscheinen im Vergleich dazu, detailliert ausgearbeitet, viel zarter, verletzlicher, auch ästhetisch ansprechender. Denn Harmonie beherrscht die Gestaltung von Lewerentz´ Figuren. Aber nicht detailgetreue Wiedergabe ist sein Ziel, sondern die Fähigkeit, in der „Hülle“ des Menschen, die Emotionen und den Kosmos der Seele auszudrücken. Beide Künstler aber verwirklichen auf ihre individuelle, künstlerisch hoch entwickelte Arbeitsweise verschiedene Aspekte des Weiblichen, die sich ergänzen und keineswegs widersprechen.

Kommentare erwünscht

Die Ausstellung im Atelierfenster ist bis Mai dieses Jahres zu sehen. Das Fenster ist wie immer in den Abendstunden von 17 Uhr bis 22 Uhr beleuchtet. Es liegt ein Heft für die gern gesehenen Kommentare der Betrachter und zum Dialog mit dem Initiator und Betreiber des Atelierfensters aus.

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