Auftritt im Komödienstadl

Erinnerungen eines Trachtlers: Geschichten vom „Fünfer Peter“ aus Staudach

Peter Huber mit seinem Preis vom ersten Preisplatteln 1946, an dem er als achtjähriger Bub teilnahm und gleich einen kleinen Achtungserfolg einfuhr. Seitdem hat ihn das Plattln nicht mehr losgelassen.
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Peter Huber mit seinem Preis vom ersten Preisplatteln 1946, an dem er als achtjähriger Bub teilnahm und gleich einen kleinen Achtungserfolg einfuhr. Seitdem hat ihn das Plattln nicht mehr losgelassen.
  • Anton Hötzelsperger
    vonAnton Hötzelsperger
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Im August 1966 gab es im Rahmen des Chiemgauer Gautrachtenfestes das erste gau-offene Vergleichs-Preisplatteln der Verbände Chiemgau-Alpenverband und Gauverband I. Einer der Organisatoren war Peter Huber aus Staudach, in seiner Heimatgemeinde als guter Plattler und als „Fünfer Peter“ bekannt.

Staudach/Chiemgau – „Zum Gauverband I gab es damals noch ganz unterschiedliche Kontakte, die zum Teil belastet waren, weil die Chiemgauer Vereine vormals dem Gauverband I angehörten und deshalb als Abtrünnige galten“, erinnert sich Huber. Sein Vereins- und Plattler-Kamerad Schorsch Perl und er organisierten dennoch ein Vergleichsplatteln mit dem Gauverband I: „Manche Trachtler befürchteten, dass das gauübergreifende Preisplatteln so enden könnte, wie das erste Chiemgauer Gaupreisplatteln in Grassau, nämlich mit einer gescheiten Rauferei, aber alles verlief sportlich-kameradschaftlich“.

30 Preise beim ersten Chiemgauer Gaupreisplatteln

Geplattelt wurde damals in zwei Altersklassen, deren magische Grenze das Alter von 25 Jahren markierte. Jeder Gau stellte die Hälfte der Preisrichter. Nicht ganz einfach war im Vorfeld die Festlegung der Plattler. In der Altersklasse I gewann Martin Auracher aus Reit im Winkl vor Sepp Messerer aus Prien, Sebald Bachmann aus Schleching, Sepp König aus Siegsdorf und Valentin Kloiber vom Trachtenverein Ruhpolding-Zell. In der zweiten Altersklasse siegte mit der Tagesbestnote von 39,8 Punkte Hubert Haas aus Hohenaschau vor Otto Dufter aus Unterwössen, Anton Egger aus Inzell, Siegi Bichler aus Unterwössen und Sepp Posch aus Ruhpolding. Insgesamt gab es 30 Preise, die allesamt von Peter Huber und Schorsch Perl besorgt wurden. Das erste Gau-Vergleichsplatteln war nicht die einzige Premiere im reichen Trachtlerleben von Peter Huber.

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Erfindung eines ganz besonderen Plattlerschuhs

Er war es auch, der sich beim Schuster und Schnitzer Heinz Müller in Grassau einen besonderen, nicht zwiegenähten Goiserer-Haferlschuh machen ließ. Dieser war viel leichter als die gewöhnlichen und bisherigen Plattlerschuhe. „Nach dem ersten Prototyp wurde noch weitergetüftelt und Hubert Haas setzte sich stark für den Schuh ein, der schnell von vielen Plattlern übernommen wurde. Von einem Tag auf den anderen wollte jeder plötzlich den sogenannten Gauplattler haben, der Schuster kam mit den Anfertigungen nicht mehr nach“.

Nach einem Auftritt beim Komödienstadel Gaugruppe gegründet

Huber war auch mit dabei. als 1961 die Gaugruppe des Chiemgau-Alpenverbandes anlässlich eines Auftritts beim „Komödienstadel“ des Bayerischen Fernsehens gegründet wurde. Zwei Jahre zuvor war er zu Besuch beim Dirndldrahn in Unterwössen, zusammen mit den Staudacherinnen Christl Holzner und Rosi Klauser. „Da haben wir uns gesagt, das können wir auch. Ich habe mir eine andere Variante des sogenannten Einfangens überlegt. Als dann 1960 das erste Gaudirndldrahn des Chiemgau-Alpenverbandes in Grassau stattfand, waren die beiden Staudacher Dirndl die Erstbesten und durften mit zum Komödienstadel.“

Dirndldrahn-Aufnahme in Staudach (von links): Christl Holzner, Schorsch Perl, Peter Huber und Rosi Klauser.

Als guter „Einfanger“ bekannt

Da Huber damals als guter „Einfanger“ bekannt war, wurde er auch von Teilnehmerinnen anderer Vereine angefragt und so kam es, dass er mit Inge Hartl aus Übersee der allererste Bua bei einem Chiemgauer Dirndldrahn war. „Der Peter war nicht aufgeregt, aber ich“, erinnert sich Hartl, „letztlich landete ich bei 25 teilnehmenden Dirndl auf dem 15. Platz. Peter war einfach der beste Einfanger“.

Polizei-Plattlergruppe und 35 Jahre als Jugendleiter

Als Mitglied der Gaugruppe kam er viel herum, unter anderem auch bei der Funkausstellung in Berlin. Auch in seiner Berufszeit bei der Grenzpolizei organisierte er für besondere Feierlichkeiten eine Grenzpolizei-Plattlergruppe. Unter anderem war er auch 35 Jahre lang Jugendleiter und einige Jahre Vorplattler. Im Verein konnte der gelernte Schreiner seine handwerklichen Fähigkeiten immer wieder gut gebrauchen. So zum Beispiel bei den Planungen und beim Bau eines Probenraumes im örtlichen Feuerwehrhaus oder beim Bau von Martlern, von denen im Achental sieben Stück mit der Handschrift vom „Fünfer Peter“ zu finden sind.

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