Staudach-Egerndachs neue Bürgermeisterin Martina Gaukler: „Ich mache das, weil ich meine Heimat liebe“

Martina Gaukler ist als neu gewählte Bürgermeisterin in Staudach-Egerndach 100 Tage im Amt.  Foto: Tofern
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Martina Gaukler ist als neu gewählte Bürgermeisterin in Staudach-Egerndach 100 Tage im Amt.  Foto: Tofern

Die Fußstapfen sind groß, aber das scheut Martina Gaukler nicht. Die CSU-Politikerin hat in Staudach-Egerndach die Nachfolge von Hans Pertl als ehrenamtliche Bürgermeisterin angetreten. Besonderen Wert legt sie auf das Miteinander im Dorf.

Von Marti Tofern

Staudach-Egerndach– Auf das Miteinander legt sie großen Wert. Deshalb betont Martina Gaukler (CSU), die neue Bürgermeisterin von Staudach-Egerndach, dass sie in der Politik nicht gestalten, sondern mitgestalten will. Gestalten könne sie nur gemeinsam mit den Bürgern und allen Beteiligten. „Nach 100 Tagen sind jetzt noch keine riesigen Veränderungen sichtbar. Aber ich hoffe, dass ich schon an der einen oder anderen Stellschraube gedreht habe“, sagt Gaukler.

Die Sache steht immer im Vordergrund

Das Miteinander manifestiere sich in Staudach-Egerndach in der Besonderheit, dass vieles in der Gemeinde wie etwa der gesamte Blumenschmuck übers Ehrenamt erledigt werde.

Es ist ihr wichtig, dass es in allen Gesprächen mit Bürgern immer um die Sache geht, nie um etwas Persönliches: „Es ist mit wichtig, dass wir uns  – auch wenn wir in einer Sache nicht einig sind – auf der Straße immer noch freundlich grüßen.“

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Die Rathauschefin wurde bereits 2014 in den Staudach-Egerndacher Gemeinderat gewählt und gleich zur zweiten Bürgermeisterin als Stellvertreterin des Amtsinhabers Hans Pertl (CSU). Verantwortung trägt die 44-Jährige bereits seit sechs Jahren, was hat sich also geändert? Es sei jetzt viel mehr Aufwand. „Ich bin halt jetzt die, die entscheidet, die anschieben muss, die die Arbeit verteilt.“ Sie sei jetzt diejenige, die das Landratsamt nachts um zwei anruft, um ihr mitzuteilen, dass die Tiroler Ache die Hochwasser-Meldestufe zwei erreicht hat. „Jetzt steht man halt im Wind. Das hat sich verändert, macht aber trotzdem Spaß.“

Wasserversorgung und Abwasser

Neben dem Hochwasserschutz stehen die Themen Wasserversorgung und Abwasser ganz oben auf Gauklers To-do-Liste. Da sei Staudach-Egerndach zwar auf einem guten Stand, aber das dürfe nicht aus dem Blickwinkel geraten, man müsse da immer investieren und dranbleiben.

Ein weiterer Punkt auf ihrer Aufgabenliste ist für Gaukler die Sanierung des Schulhauses. Elektroinstallationen und Heizung seien noch aus den 80er-Jahren, beides müsse dringend erneuert werden.

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Bei der Feststellung dass der Ort Staudach-Egerndach die kleinste Gemeinde im Landkreis Traunstein ist, erhebt Gaukler Einspruch: „Also wir sind nicht die Kleinsten, sondern die Wenigsten.“ Dennoch müsse Staudach-Egerndach gar nicht größer werden, aber es solle auch nicht kleiner werden.

Sie wolle auch darauf schauen, dass junge Mitbürger, die mal zum Studieren weggegangen seien, Möglichkeiten finden, wieder zurückzukommen.

„Ich habe das Bürgermeisteramt übernommen, weil ich meine Heimat liebe. Und vielleicht auch, weil ich ein bisschen eine Gschaftlhuberin bin“, gesteht sie lächelnd. Ihr liege es am Herzen, dass es ihren Bürgern gut gehe, und dass jeder zu ihr komme, der ein Problem oder eine gute Idee hat. Zu ihr kommen können die Bürger im Rathaus der Gemeinde Marquartstein, mit der Staudach-Egerndach eine Verwaltungsgemeinschaft bildet. Im Rathaus hat Gaukler ihr helles und freundliches Amtszimmer.

Einzige Frau im Gemeinderat

In der „Regierung“ von Staudach-Egerndach ist Martina Gaukler die einzige Frau, im Gemeinderat sitzen nur Männer. Damit habe sie kein Problem, sagt Gaukler. Aber sie wolle auf keinen Fall eine Quotenfrau sein. „Ich bin total gegen diese Frauenquote, weil ich mir denke, man soll sich durch Eignung und Persönlichkeit für ein Amt empfehlen.“ Sie habe Verantwortung übernommen, weil ihr schon immer gefallen habe, „dass etwas funktioniert, für das ich mich eingesetzt habe.“  Vielleicht sei das Gaufest 2014 das Schlüsselerlebnis gewesen. „Da habe ich im Festausschuss eine führende Position übernommen und gemerkt, dass man den Männern mal zeigen muss, dass sie nicht immer Recht haben.“

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Gaukler sitzt zwar schon seit sechs Jahren im Gemeinderat, aber in die CSU ist sie erst vor zwei Jahren eingetreten, zuvor war sie parteilos. „Einfach, weil man politisch ein Netzwerk braucht, wenn man nach Höherem strebt. Außerdem, damit die Menschen auch wissen, was sie wählen, wenn sie einen wählen.“ Das Bürgermeisteramt bekleidet Gaukler ehrenamtlich, Geld verdient sie mit einem Teilzeitjob bei der Arbeitsagentur in Traunstein in der Personalabteilung der Agentur. Eigentlich wollte sie den Teilzeitjob wieder aufstocken, wenn der jüngere der beiden Söhne mit der Schule fertig ist. Doch dann habe sich der Bürgermeisterjob aufgetan. „Ich möchte immer etwas Neues erleben, ich habe keinen Job länger als sechs, sieben Jahre gemacht“, erklärt Gaukler. Der Job in der Agentur sei bürokratisch und das Bürgermeisteramt sehr lebendig, das ergänze sich gut. „Vielleicht habe ich jetzt etwas gefunden, bei dem ich es länger als sechs Jahre aushalte.“

Laura Wilson, Kollegin von Martina Gaukler bei der Agentur für Arbeit in Traunstein, lobt im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung die gute Zusammenarbeit: „Sie ist bei der Arbeit entspannt, aber fachlich sehr kompetent.“ Sie sei immer für einen Spaß zu haben, finde aber die Balance zwischen Vergnügen und fachlichem Engagement. Durch das neue Amt habe sie sich nicht verändert, die Arbeit leide nicht darunter.

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