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Anzeige bei den Behörden

Streit um Trockenlegung von Feuchtgebieten in Staudach-Egerndach: Naturschützer klagen - Die Bauern auch

Trockenlegung mit Drainagen: Der Landesbund für Vogelschutz vermutet, dass Landwirte dieses Gebiet in Staudach-Egerndach illegal entwässern. LBV
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Trockenlegung mit Drainagen: Der Landesbund für Vogelschutz vermutet, dass Landwirte dieses Gebiet in Staudach-Egerndach illegal entwässern. LBV
  • Jens Kirschner
    VonJens Kirschner
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Drainagen in einem Feuchtgebiet in Staudach-Egerndach sorgen bei Naturschützern für Aufregung. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) moniert, die Entwässerung der Flächen sei illegal und hat den Fall angezeigt. Die beschuldigten Landwirte wehren sich, auch die Rathauschefin ist alles andere als glücklich.

Staudach-Egerndach – Drainagen in einem Feuchtgebiet in der Gemeinde Staudach-Egerndach sorgen bei Naturschützern für Aufregung. Der Landesbund für Vogelschutz (LBV) moniert, die Entwässerung der Flächen verstoße gegen bayerisches Umweltrecht und hat den Fall bei den zuständigen Behörden angezeigt. Doch die betroffenen Landwirte wehren sich, und auch Rathauschefin Martina Gaukler ist über das Vorgehen der Naturschützer alles andere als glücklich.

Mit Baggern tiefe Gräben gezogen

Es geht um Flächen am Staudach-Egerndacher Filz, in den „Mooren südlich des Chiemsees“, wie der LBV schildert. Mit ihren Worten sind die Umweltschützer dabei nicht gerade zimperlich. Sie sprechen von „Naturfrevel“, der sich auf der Fläche abspiele, welche die Eigentümer derzeit versuchten zu entwässern. Damit verstießen sie gegen Bayerns Naturschutzgesetz.

Dieses verbietet, den Grundwasserstand im Bereich von Nass- und Feuchtgrünland wie auch auf Moorstandorten zu senken, um die Flächen landwirtschaftlich zu nutzen. Und genau ein solches Vorhaben vermuten Vertreter des LBV hinter der Aktion.

Schafe von Blutegeln befallen

Frank Weiß, Vorsitzender der Traunsteiner LBV-Kreisgruppe, berichtet von Baggern, welche tiefe Gräben zögen, um in diese Kunststoffrohre zu verlegen, die das Wasser ableiteten. Mit einem der beiden Eigentümern der Flächen will er schon gesprochen haben. Dieser halte Schafe auf der Wiese und fürchte einen zu großen Schilfbewuchs, wenn die Flächen nicht weiter trockneten. Ein Gewächs, welches die Schafe nicht fressen würden. Zudem habe er darüber geklagt, dass seine Tiere von Blutegeln befallen würden.

„Schildbürgerstreich erster Güte“

Jenseits des vermeintlichen Verstoßes gegen Bayerns Naturschutzgesetz moniert der Umweltverband aber auch, dass besagte Flächen am Staudach-Egerndacher Filz in der Kulisse des Naturprojekts „Südlicher Chiemgau“ liege. Tatsächlich sind für einen Teil dieses Vorhabens nach Angaben des Bayerischen Umweltministeriums bis Februar 2011 1,51 Millionen Euro aus dem Life-Naturprogramm der Europäischen Union geflossen. Dies, um Hochmoore zu renaturieren und die Möglichkeiten für Wiesenbrüter-Vögel zu verbessern. „Landstriche zu entwässern, in die man zuvor Steuergelder investiert hat, um diese wieder zu vernässen, ist ein Schildbürgerstreich erster Güte“, findet LBV-Kreisvorsitzender Frank Weiß. Die Flächen lägen zudem in einem geschützten Flora-Fauna-Habitat-Gebiet.

„An den Haaren herbeigezogen“

Vonseiten der angesprochenen Landwirte wehrt man sich gegen die Vorwürfe. Der örtliche stellvertretende Bauernobmann Michael Hofer klagt, die Vorwürfe des LBV seien zum Großteil „an den Haaren herbeigezogen“. Denn: Auf den erwähnten Flächen hätten die Eigentümer mitnichten neue Drainagen gezogen, alle Flächen seien bereits mit Drainagen versehen gewesen und lediglich instand gesetzt worden.

Ein Vorgehen, welches auch das Bayerische Naturschutzgesetz zulässt. Nur eine Fläche liege in einem geschützten FFH-Gebiet, wie Hofer betont. Und auch dort sei es zulässig, bestehende Drainagen zu erneuern.

Bauern suchen Rechtsbeistand

Auch das Argument, die Flächen seien einst mit Geld aus dem EU-Fördertöpfen des Life-Programms bewässert worden, verweist Hofer ins Reich der Märchen. Nicht eine einzige der betroffenen Flächen wurde renaturiert, sondern an weiter entfernter Stelle im Egerndacher Moor, habe man Flächen im Rahmen des Programms entbuscht.

Und an diesem Punkt wird es für Hofer, besser gesagt für seine Landwirtschaftskollegen, justiziabel. Denn mit den Behauptungen des LBV, sagt der Bauernobmann, unterstelle man den Landwirten im schlimmsten Fall Subventionsbetrug. Wohl auch deswegen hätten sich seine Kollegen in dieser Sache bereits um Rechtsbeistand bemüht.

Hofer verweist zudem darauf, dass während der Arbeiten an den Drainagen die Untere Naturschutzbehörde bereits vor Ort gewesen sei.

Mit diesen Plastikrohren wird das Wasser abgeleitet.

Landwirte in Misskredit bringen

Der Bauernobmann gibt zu erkennen, dass seine Zunft irgendwie schon gewohnt sei, von Naturschützern attackiert zu werden. „Es läuft immer irgendetwas, mit dem sie versuchen, den Landwirten an den Karren zu fahren“, klagt Michael Hofer und zeigt durchaus Verständnis für die Interessen der Naturschützer. „Was uns aber ärgert, ist der Umgang“, sagt er und verweist auf das mediale Echo der Geschichte, welches die Bauern insgesamt in Misskredit bringe.

Und auch Staudach-Egerndachs Bürgermeisterin Martina Gaukler findet das Verhalten des LBV alles andere als erfreulich. Auch, weil der Verband mit dem Fall gleich an die Behörden gegangen sei. Sie finde es schade, dass es zwischen Landwirten und Naturschützern immer wieder zu gegenseitigen Anschuldigungen komme. „Es gehört ein Dialog her, weil es ohne den anderen nicht funktioniert“, findet die Bürgermeisterin.

Beim zuständigen Landratsamt Traunstein prüft man derweil die Vorwürfe seitens des LBV, wie die Behörde schildert. „Eine fachliche Bewertung kann erst nach Abschluss des Verfahrens vorgenommen werden“, heißt es von dort auf Anfrage.

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