Statt dem Priener Wascherl werden Masken genäht

Bei der Maskenübergabe in der Sozialstation (von links): Ingrid Anner, Gabi Schelhas, Annelies Lindner, Beate Bolz und Merisa Sejdic. Berger/privat

Begeistert wurden die 130 Mund-Gesichtsschutzmasken in der Ökumenischen Sozialstation Prien aufgenommen. Die Überbringer waren Frauen des Lokalen Bündnisses für Familien. Diese hatten Masken aus Baumwolle im Akkord genäht. Die Frauen fertigen sonst den „ Priener Wascherl“, eine Puppe für Neugeborene.

von Silvia Mischi

Prien– Der „ Priener Wascherl“ ist eine Puppe für Neugeborene. Dessen Produktion stagniert aktuell für Schutzmasken aus Baumwolle in Corona-Zeiten. Diese können zudem leicht herausgewaschen werden, denn das Wichtigste zum Abtöten der Coronaviren ist das Bügeln.

Puppe als Geschenk für Neugeborene

2014 wurde die Nähgruppe ins Leben gerufen. „Schon meine Kinder erhielten von meiner Mutter einen Wascherl. Es gibt schon zwei Generationen davon. Nachdem ich für meine Enkelkinder den vierten Wascherl gefertigt hatte wusste ich was in die Tasche der neugeborenen Priener Kinder kommt“, schildert Gabi Schlehas. Sie ist eine der sieben Näherinnen. Die Puppe, die aussieht wie ein Kasperl, ist aus weißer Baumwolle, ausgestopft mit Bastelwatte, und mit selbst gestalteter Kleidung, angezogen – samt Kapuze, Pompons und einem gestickten Gesicht. „Der Wascherl ist waschbar und keiner gleicht dem anderen“, so Schelhas.

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Circa 100 Wascherl entstehen pro Jahr. „Ich selbst überbringe das Geschenk und die Glückwünsche des Bündnisses und der Gemeinde. Wir erwarten in diesem Jahr das 500. Baby, das den Wascherl und die Glückwünsche dann vom amtierenden Bürgermeister persönlich bekommt“, freut sie sich. Aber: Die Nähtätigkeit für die Priener Neugeborenen ruhen aktuell. Aufgrund von Corona fertigen die Frauen Masken. „Da wir noch Puppen-Reserven haben, ist das im Moment auch möglich. So konnten wir jetzt die Masken nähen“, so Schelhas. Ihr zufolge sind die Baumwollmasken länger verwendbar, sie schützen vor Kälte und sie können auch bei anderen Krankheiten getragen werden. „Wenn wir alle Masken tragen, empfinden wir das nicht so schlimm. Es macht richtig Spaß, sie in verschiedenen Farben zu nähen“, gesteht Schelhas. Auch das Altenheim St. Josef konnte schon von den fleißigen Näherinnen profitieren. 80 Stück wurden von Ingrid Anner dort abgegeben.

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Die Masken sind auf einer Seite weiß und auf der anderen Seite bunt. „Manche haben auf beiden Seiten den gleichen Stoff. Sie sind alle ausgestattet mit einem Draht, der auf der Nase sitzen sollte. Alle sind waschbar. Sie müssen nicht ausgekocht werden. Steril werden sie durch das Bügeln. Manche sind mit Bändern zum Knöpfen die meisten aber mit einem Gummi“, schildert Schelhas. Es werden auch Auftragsabreiten für einheitliche Firmen Masken oder für Familien übernommen. Was ist, wenn der Stoff ausgeht? „Der Stoff geht uns nicht aus. Wer näht, hat Material. Zudem bekommen wir Stoffspenden aus allen Richtungen“, so Schelhas weiter.

Maschinen rattern im Akkord

Die Frauen sind alle leidenschaftliche Näherinnen, haben es gelernt oder sich die Fertigkeiten selbst angeeignet. „Wir können aus nichts etwas zaubern. Auch sind meine Nähmädels schon in einem Alter, da darf man, da muss man nicht mehr und da macht es besonders Spaß“, erklärt Schelhas. Sie haben jeder eine eigene Maschine zu Hause. „Unsere Maschinen sind schon etwas ältere Modelle aber treu. Qualität zahlt sich aus. Meine Maschine ist bereits 46 Jahre“, so Schelhas. Solange sie alle noch so fit seien, werden „wir aktiv mitwirken, für andere da sein. Helfen, wenn Not ist. Begleiten, beraten, zuhören. Gerne begrüßen wir alle, die mit uns aktiv sein wollen. Wir machen weiter“, betont Schlehas und heißt Mitstreiter – auch nach Corona – für den Priener Wascherl willkommen.

Infos für werdende Eltern im Romed-Klinik Rosenheim gibt es hier

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