Statt Haute Couture, jetzt Stoffmasken - Sabine und Gerdi Westermeyr unterstützen Priener Tafel

Inhaberin Sabine Westermeyr (links) und Monika Beeker schneiden im Atelier den Stoff zu. Berger
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Inhaberin Sabine Westermeyr (links) und Monika Beeker schneiden im Atelier den Stoff zu. Berger
  • Silvia Mischi
    vonSilvia Mischi
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Haute Couture auf internationalem Parkett und Haute Confection für Noblesse in allen Größen – das ist die Welt von Gerdi und Sabine Westermeyr. Der exquisite Ruf ihrer Mode ist in aller Herren Länder bekannt. Angesichts der Corona-Krise verblasst aber das Schillern der Modewelt ein wenig.

Prien – Die beiden Frauen setzen deshalb ihr Können mit Hochdruck gerade für den guten Zweck, für die Priener Tafel, ein: Sie nähen gegen eine Spende im Akkord Stoffmasken fürs Gesicht.

Ein Freund in Südtirol – nicht an Corona erkrankt, muss für Untersuchungen alle 14 Tage ins Krankenhaus nach Bozen. „Seine Tochter bat mich, ob ich nicht mit Schutzmasken helfen könnte“, schildert Gerdi Westermeyr. In der Apotheke wurde sie damals noch fündig und leitete die Masken weiter. Dadurch kamen die beiden Westermeyr-Frauen auf die Idee: „Wir schneidern mit unseren Mitarbeitern kurzerhand eigene Stoffmasken.“

Kunden kommen sonst bis aus Marokko

Die Nähmaschinen rattern aber nicht, um für sich Geld zu verdienen. „Nein, nein. Wir geben die Stoffmasken gegen eine Spende an die Priener Tafel ab. Die hat es nötig“, betonen die beiden Frauen. Denn: Sabine Westermeyr ist angesichts der Hamsterkäufe und, dass dadurch sozial Schwächere beispielsweise nicht mehr Joghurt erhalten, entsetzt. „Hier wollen wir deshalb bewusst gegensteuern“, so Sabine Westermeyr. Gleichzeitig muss sie so ihre Mitarbeiterinnen nicht in Kurzarbeit schicken.

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„Wir stellen für das Projekt unsere Arbeit, den Stoff finanziert der Gewerbeverein ,Prien Partner‘“, so die Inhaberin. Eigens noch bei 75 Grad gewaschen hat ihre Mutter den Bauwollstoff, aus dem die Masken gefertigt werden. „Eine Nähmaschine hat kurzzeitig schon gestreikt, da wir von morgens bis abends im Einsatz sind“, so die 84-Jährige. Statt kürzer zu treten, werkelt sie wieder Vollzeit und hat größte Freude dabei. „Helfen können, Gutes tun und solidarisch hinter einer Einrichtung wieder der Priener Tafel zu stehen“, ist und beiden wichtig“, betonen die Frauen unisono. Dass sie dabei ihre Kreativität nicht verlieren, beweist Folgendes: Die Masken gibt es mit weißem Stoff und bunten Bändern oder in bunten Farben beziehungsweise auch in schlichtem Hellgrau für die Männer. „Die Herren mögen es nicht so schrill“, so Sabine Westermeyr.

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300 Stück sind in den vergangenen Wochen schon entstanden, das „Auftragsbuch“ wächst von Tag zu Tag. Dort, wo sonst Maßanfertigungen und Kleiderträume wahr werden, dreht sich nun alles um die Stoffmasken, die in Österreich beim Einkaufen schon Pflicht für die Bürger zum Schutz vor Corona sind. Dabei wirbelt die Pandemie so einige Pläne von Kundinnen durcheinander. Eigentlich wäre in der kommenden Woche eine Dame aus Marokko zur Anprobe gekommen. Sie hat sich für festliche Anlässe unter anderem ein Dirndl schneidern lassen. Credo der Westermeyrs: Schnittführung, exklusive Stoffen und Details machen die Arbeit im Atelier aus.

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 Ein gutes Auge und Gespür für Farben sei das eine, edle Materialien das andere, dazu noch der richtige Schnitt und Sitz – so entstehe Eleganz.

Generell seien Frühjahrs- und Sommerware schon da, doch ab Juli würde schon die Herbst- und Winterware abgenommen werden müssen. „Hier hängen die Zuliefererketten aneinander und haben ihre Zusagen für Abnahmemengen“, so Westermeyr. Fürs normale Geschäft müssen aber die Kunden wieder anreisen dürfen – aus ganz Deutschland und auch aus fernen Ländern wie Marokko. S

In allen Priener Apotheken sind die Masken – solange der Vorrat reicht – erhältlich. Es wird permanent Nachschub produziert.

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