Statt Bauernmarkt nun Wochenmarkt in Grassau

So war es früher: Auf dem Achentaler Bauernmarkt gab es nicht nur frisches Obst und Gemüse, sondern auch Kaffee und Kuchen – und Gelegenheit für Gespräche.

Für die Gemeinde wird es immer schwieriger, regionale Anbieter zu finden. Viele kommen von weiter weg, was negativ auf die Ökobilanz durchschlägt.

Von Tamara Eder

Grassau – Seit mehr als 20 Jahren existiert der Achentaler Bauernmarkt, der vom Frühjahr bis zum Spätherbst im Heftergewölbe mit regionalen Produkten lockte. Nun soll der Markt immer am Donnerstagnachmittag stattfinden. Mit einer Gegenstimme entschied sich der Marktgemeinderat für diese Änderung und dafür, die Räumlichkeiten bis Anfang 2021 kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

Förderung der Landwirtschaft

Bürgermeister Stefan Kattari (SPD) erklärte, dass der Bauernmarkt seit 1999 vom Ökomodell Achental organisiert wird. Hintergrund war damals die Förderung der regionalen Landwirtschaft und der Direktvermarktung ihrer landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Seither, so Kattari, stellt Grassau die Liegenschaft kostenfrei zur Verfügung. Der Bauernmarkt habe Höhen und Tiefen erlebt. In den vergangenen Jahren hätten Anbieter andere Möglichkeiten gefunden, ihre Produkte zu vermarkten, wie etwa den Verkauf über eigene Hofläden. So habe in den letzten Jahren die Zahl der Anbieter deutlich nachgelassen, obwohl die Kunden vorhanden seien. So sei es zum Beispiel nicht mehr möglich, einen regionalen Gemüsehändler zu finden.

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Der Bauernmarkt war und ist, so betonte Kattari, aber auch ein sozialer Treffpunkt und war über die Jahre zudem eine Plattform für örtliche Vereine und regionale Produkte. Weil es immer schwerer geworden sei, Anbieter zu finden, habe sich das Ökomodell ein neues Konzept überlegt und sich einen professionellen Anbieter, die „Marktgilde“ gesucht. Dieses Unternehmen habe bereits Anbieter abgefragt. Das breiteste Angebot bestehe für Donnerstagnachmittag. „Man hätte die Chance eines Neustarts, kann aber auch an die Tradition anknüpfen“, so Kattari. Überrascht habe ihn jedoch die Liste der potenziellen Anbieter, die aus Garching, Berchtesgaden, Salzburg, Mühldorf, Miesbach, Altötting, also aus dem weiteren Kreis stammen.

Stellungnahmen eingeholt

Nach Angaben Kattaris wurde der Verein Aktives Grassau befragt, schließlich solle keine Konkurrenz zu den bestehenden Grassauer Geschäften aufgebaut werden. Kattari wunderte sich, dass „das Ökomodell die Regionalität“ verlässt. Für ihn sei wichtig, ob der Donnerstagsmarkt als Konkurrenz der heimischen Betriebe angesehen werde und ob der Raum dann weiterhin kostenlos zur Verfügung gestellt werden solle. Tom Hagl (CSU) bedauerte, dass die Anbieter aus dem Raum zwischen Laufen und Miesbach stammen, und fragte nach der Ökobilanz eines solchen Wochenmarktes. Er könne dem nicht zustimmen. Thomas Göls (CSU) sprach sich ebenfalls für einen regionalen Markt aus. Auch ihm missfällt, dass die Anbieter aus größerer Entfernung anreisen.

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Dem schloss sich Olaf Gruß (SPD) an, der „enttäuscht vom Ökomodell“ sei. „Aus einer grundlegend guten Idee wird nun ein kommerzieller Markt“, so Gruß. Deshalb könne die Gemeinde den Platz nicht kostenlos zur Verfügung stellen. Dagegen erklärte Kattari, dass die regionalen Anbieter nicht vorhanden seien, auch wenn man sich das wünsche.

Mit dem Donnerstagstermin konnte sich Katharina Schmuck (SPD) nicht anfreunden, denn wer von den Arbeitnehmern habe schon am Donnerstag Zeit. Für den Samstag, so erläuterte Kattari, konnte die Marktgilde lediglich zwei Anbieter finden. Sepp Grießenböck erklärte, er halte nicht viel davon, die Regionalität aufzugeben. Einen Marktplatz für Besteller aus der weiteren Umgebung bereitzustellen, sei nicht Aufgabe der Gemeinde. Folglich sei auch eine kostenlose Überlassung des Verkaufsareals nicht richtig. Die Attraktivität des Orts für Urlauber durch den Wochenmarkt zu steigern, gefällt Dr. August Trimpl (CSU). Er sprach sich für den Donnerstagsmarkt aus.

Bioprodukte jetzt immer donnerstags

Schließlich einigte sich der Rat mit einer Gegenstimme (Thomas Hagl) darauf, dem Wochenmarkt am Donnerstag zuzustimmen. Die Gemeinde wird das Heftergelände ohne Parkplatz bis zum Ende des Jahres unentgeltlich zur Verfügung stellen. Angeboten werden sollen ökologisch-biologische Produkte. Ab 2021 sollen dann angemessene Standgebühren erhoben werden.

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