Ständig neue Corona-Regeln: Event-Planung für Märkte in Prien mit heißer Nadel

Solche Szenen wird es heuer nicht geben: Abstand halten wird auch auf dem Priener Christkindlmarkt 2020 oberstes Gebot sein – wenn er überhaupt stattfinden darf.
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Solche Szenen wird es heuer nicht geben: Abstand halten wird auch auf dem Priener Christkindlmarkt 2020 oberstes Gebot sein – wenn er überhaupt stattfinden darf.
  • Dirk Breitfuß
    vonDirk Breitfuß
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Corona stellt Veranstalter fast jede Woche vor neue Herausforderungen – auch in Prien. Der Gewerbeverein und die Tourismusgesellschaft planen einen Erntedank- und den Christkindlmarkt. Ob ihre Konzepte zu den Terminen noch aktuell sein werden und ob das Landratsamt ihre Anträge genehmigen wird, wissen sie nicht.

Prien – Trotz aller Widrigkeiten sollen in Prien heuer noch mindestens zwei Märkte stattfinden, damit der gebeutelte Handel zumindest einen Teil der Einnahmeausfälle durch den Corona-Lockdown kompensieren kann. Mit heißer Nadel stricken Gewerbeverein PrienPartner und Prien Marketing GmbH (PriMa) Konzepte für Corona-konforme Erntedank- und Christkindlmärkte – und hoffen, dass die Rahmenbedingungen bis zum Termin von der Politik nicht wieder völlig über den Haufen geworden werden.

Entscheidung trifft das Landratsamt

Dr. Herbert Reuther, Vorsitzender der PrienPartner, gab sich im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung fest entschlossen, am Sonntag, 4. Oktober, einen Erntedankmarkt mit verkaufsoffenem Sonntag auf die Beine zu stellen. Aus dem Rathaus gab es schon grünes Licht. Die Entscheidung liegt nun beim Landratsamt in Rosenheim.

Michael Fischer, Pressesprecher der Behörde, dämpfte auf Anfrage der Chiemgau-Zeitung die Hoffnung der Priener. Wenn davon auszugehen sei, dass nicht nur Bürger aus dem jeweiligen Ort, sondern auch viele Auswärtige zu einer Veranstaltung kommen, gebe das Landratsamt in der momentanen Lage eigentlich kein grünes Licht.

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Ein mögliches Szenario: Der Markt wird genehmigt, wenn er nicht überörtlich beworben wird. Der verkaufsoffene Sonntag wird dagegen nicht erlaubt, weil er zu viel Publikum anziehen könnte.

Corona-Lage kann alle Planungen zunichte machen

Reuther zeigte sich nach etlichen Vorgesprächen mit Mitarbeitern der zuständigen Sachgebiete im Landratsamt zuversichtlich, dass zumindest ein Teilerfolg erzielt werden kann.

Der Plan der PrienPartner sieht vor, feste Zugänge durch Absperrungen zu schaffen und eine Einbahnregelung für Marktbesucher zu organisieren. Wenn die Gäste hintereinander an den vorgesehenen 30 Ständen entlangschlendern, begegnen sich nicht so viele Menschen, so die Idee. Aufsichtspersonal oder Desinfektionsplätze gehören ebenfalls zum Konzept. Aber: „Ich kann heute nicht sagen, was morgen gilt“, spricht Reuther aus, was jeden Veranstalter umtreibt und die Planung extrem erschwert: Sobald sich die Corona-Lage verändert, könnten Vorgaben der Politik solche Pläne zunichte machen.

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So oder so: Das Straßenkunstfestival der PriMa als zusätzliches Zuckerl zum Erntedankmarkt ist jetzt abgesagt, bestätigt Geschäftsführerin Andrea Hübner. 2019 war dieses Event wegen des großen Zuspruchs der Besucher erstmals auf das ganze erste Oktober-Wochenende ausgedehnt worden. Heuer lassen die Vorgaben ein solches Festival nicht zu. „Mit Eintritt und festen Plätzen wären wir auf der sicheren Seite“, erläutert Hübner den entscheidenden Unterschied zu einzelnen Kulturveranstaltungen, die die PriMa inzwischen wieder im Chiemsee Saal anbietet. Dort lässt sich das Publikum steuern, bei einem Freiluftfestival nicht. Die PriMa arbeite jetzt, quasi als Ersatz, an einer Indoorveranstaltung für das erste Oktoberwochenende, so Hübner.

„Heimspiel“ soll stattfinden

Die PriMa-Chefin und ihr Team stricken im Haus des Gastes auch schon an einem Konzept für den Priener Christkindlmarkt. Den auf der Insel, den ebenfalls die PriMa veranstaltet, hatte sie schon vor Wochen für heuer abgesagt. Das Heimspiel soll aber stattfinden.

Wo sonst PriMa, Bauhof, Gärtnerei und Fieranten routiniert alle Vorbereitungen nach einem bewährten Programm abspulen, ist heuer Kreativität gefragt. Auch zwischen den Hütten wird Wert auf Abstand gelegt. Weil nicht alle Buden am angestammten Areal rund um die Pfarrkirche und vor dem Heimatmuseum Platz finden werden, soll der Markt auf den Rathausplatz, die Bahnhofstraße und sogar die Schären ausgedehnt werden. Michael Feßler von der Chiemsee-Schifffahrt habe bereits signalisiert, dass die Bockerlbahn dann im 30-Minuten-Takt pendeln würde.

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„Man will ja was machen und Stimmung soll auch aufkommen, aber wir wollen nicht zum Hotspot werden“, umschreibt Hübner im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung das Dilemma. Weihnachtliche Atmosphäre zu erzeugen mit einer Einbahn-Bummel-Regelung für Besucher – das ist die große Herausforderung.

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