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TREFFEN WIRD NACHGEHOLT

Städtepartnerschaft Graulhet-Prien: Mit der 50-Jahr-Feier wird‘s heuer nichts mehr

Unterzeichnung der Urkunden am 7. November 1971: (von links) die Bürgermeister Jean Lasserre und Franz Seebauer, Prien.
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Unterzeichnung der Urkunden am 7. November 1971: (von links) die Bürgermeister Jean Lasserre und Franz Seebauer, Prien.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Seit 50 Jahren pflegt der Markt Prien eine offizielle Partnerschaft mit der südfranzösischen Stadt Graulhet. Der Hauptort des gleichnamigen Kantons liegt im Südwesten Frankreichs im Département du Tarn im Dreieck zwischen Toulouse, Albi und Castres. Corona macht die Jubiläumsfeiern unmöglich.

Prien/Graulhet – Die ersten zarten Bande wurden im Jahr 1965 geknüpft, in den Folgejahren entwickelten sie sich intensiver und gipfelten schließlich in einer Urkunde: 1971 besiegelten die südfranzösische Gemeinde Graulhet und die Marktgemeinde Prien ihre bis dahin behutsam aufgebaute Beziehung mit einer offiziellen Städtepartnerschaft. Heuer steht im Oktober die 50-Jahr-Feier an. Woraus aber nichts werden kann – der Grund dafür ist hinlänglich bekannt.

„Blaise Aznar und ich sind übereingekommen, dass wir das großartige Jubiläum unserer Partnerschaft in diesem Jahr coronabedingt nicht feiern können“, bedauert Priens Bürgermeister Andreas Friedrich im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung, direkt nach seiner ersten Video-Konferenz mit seinem französischen Amtskollegen. Das Kennenlernen hätten sich beide anders vorgestellt – bei einem persönlichen Treffen in Graulhet oder in Prien.

„Wir wollen natürlich die Partnerschaft weiterleben lassen und – wenn es wieder geht – bei Besuchen vertiefen“, betont Friedrich. „ Zudem sind die Strukturen, die diese Partnerschaft eingefädelt haben, bei uns nach wie vor aktiv; Gleiches gilt für Graulhet.“

Akzente gesetzt und Fahrten organisiert

Einer der langjährigen Förderer der Beziehungen ist Dr. Hans-Rainer Hannemann. In seiner Funktion als Partnerschaftsreferent der Marktgemeinde von 2002 bis 2015 setzte der ehemalige Chefarzt des Kreiskrankenhauses Prien im Austausch mit Graulhet viele Akzente, organisierte Fahrten und empfing die Freunde aus Frankreich, wenn sie nach Prien kamen. „Das Schönste war immer die Herzlichkeit, mit der wir in Graulhet empfangen worden sind“, schwärmt der 85-Jährige, was er etwa zehn Mal erlebt habe. Zwischenzeitlich habe es zwar immer mal wieder „ein gewisses Erlahmen“ gegeben, das aber durch „verschiedene Initialzündungen auf beiden Seiten“ wieder kompensiert worden sei, so Hannemann.

An der Priener 850-Jahr-Feier beteiligten sich die französischen Freunde mit einem Festwagen. Archiv Berger

„Bei unserer ersten Bürgerfahrt wurden meine Frau und ich zur Unterbringung an einen Kollegen vermittelt: Mit Dr. Francois Danet und seiner Frau Jacqueline verbindet uns bis heute eine tiefe Freundschaft.“

Ausgezeichnet mit der Partnerschaftsmedaille: Dr. Hans-Rainer Hannemann.

Schüleraustausch seit 49 Jahren

„Sehr gute Kontakte“ in den Süden pflegt auch Winfried Kober: Als Französisch-Fachbetreuer organisiert der Studiendirektor am Ludwig-Thoma-Gymnasium (LTG) mit der Partnergemeinde Graulhet den Schüleraustausch, der seit 49 Jahren existiert. Auch die Kommunale Realschule Prien ist daran seit Jahren regelmäßig beteiligt.

Alle zwei oder drei Jahre geht Kober mit den achten oder neunten Klassen selbst gen Süden auf Tour, wie er unserer Zeitung erzählt. „Es ist schön, zu erleben, wie unsere Schüler ihr Französisch aktiv anwenden können.“ Gut befreundet sei er mit dem Lehrerkollegen Stéphane Raymond, der ebenfalls intensiv für die Partnerschaftspflege arbeite. Zur Zeit liegen Austauschpläne coronabedingt allerdings auf Eis, der letzte Besuch war Ende Januar 2020. „Da war die Welt noch in Ordnung“, so der 47-Jährige.

Nichts geht in dieser Hinsicht auch für den Priener Radfahrverein, den der Gymnasiallehrer seit zwei Jahren als Vorsitzender leitet. „Wir wollten zum Jubiläum in acht Etappen – täglich zwischen 150 und 200 Kilometer – per Rad Graulhet erreichen und unsere Freundschaft mit dem dortigen Verein weiterpflegen. Das wird wohl nichts vor dem nächsten Jahr“, bedauert Kober.

Dem Schwimmverein geht es sehr ähnlich

Dem Schwimmverein Prien geht‘s ähnlich: „Wir hatten auch fürs Jubiläumsjahr unseren obligatorischen Wettkampf und ein schönes Rahmenprogramm geplant – so wie immer bei unseren Begegnungen“, sagt Vorsitzender Karl Heinz Unger. Die werden bereits seit 45 Jahren gepflegt: „Mittlerweile haben über 1000 Schwimmer teilgenommen“, betont der 67-Jährige

Für die Pflege der Partnerschaft bleiben derzeit nur die virtuellen Besuche von Rathaus zu Rathaus übrig: „Alle zwei Monate wollen wir eine Videokonferenz schalten, um unsere verschobene Jubiläumsfeier für 2022 vorzubereiten“, freut sich Bürgermeister Friedrich dennoch auf die Kontakte. „Darin eingebunden werden unserer Partnerschafts-Komitees und –Referenten.“ Auf ein erstes persönliches Treffen mit seinem Amtskollegen Blaise Aznar hoffe er im Sommer oder Herbst.

Mitglieder des Priener Radvereins, unter anderem (von links) Silva Donnermeier und Vorsitzender Toni Harntasch, wurden 1985 am Rathaus in Graulhet von Bürgermeister Henri Argeles empfangen; rechts neben ihm sein Priener Amtskollege Lorenz Kollmannsberger.

Partnerstadt Graulhet zwischen Atlantik und Mittelmeer

Die südfranzösische Stadt Graulhet als Hauptort des gleichnamigen Kantons liegt im Südwesten im Département du Tarn im Dreieck zwischen Toulouse, Albi und Castres und zählt rund 13 700 Einwohner. Seit dem Mittelalter ist Graulhet für Tannin bekannt, das aus der Rinde von Eichenwurzeln gewonnen wird und Rindsleder seine unvergleichliche Robustheit verleiht. Die Lederverarbeitung in Graulhet hat seit dem 17. Jahrhundert Tradition. Damals waren es Weißgerber, Alaungerber, Sattler, Schuster und Hutmacher, die mit ihrem Handwerk den Ort und die Produkte international bekannt machten; Graulhet war lange Zeit Gerberstandort und Zentrum der Lederwarenindustrie. Dank der zentralen Lage in den Midi-Pyrénées zwischen Atlantik und Mittelmeer ist die Stadt auch als Urlaubsziel beliebt.“ Auszug aus dem neuen Priener Heimatbuch

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