HAUPTAUSSCHUSS

Auf den Spuren der Römer in Prien

Der Chiemsee-Rennerliegt, Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert, auf den Schären. Die Gemeinde wollte vor Jahren eine Überdachung für das historische Arbeitsboot bauen, die staatliche Verwaltung, die die Hand auch über den Uferbereich hält, lehnte das aber ab. Mit Römerspuren soll so etwas nicht passieren. Sie sollen entsprechend präpariert und präsentiert werden, wenn die Gemeinde sich an dem „Leader“-Förderprojekt „Römerregion Chiemsee“ beteiligt. Berger
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Der Chiemsee-Rennerliegt, Wind und Wetter schutzlos ausgeliefert, auf den Schären. Die Gemeinde wollte vor Jahren eine Überdachung für das historische Arbeitsboot bauen, die staatliche Verwaltung, die die Hand auch über den Uferbereich hält, lehnte das aber ab. Mit Römerspuren soll so etwas nicht passieren. Sie sollen entsprechend präpariert und präsentiert werden, wenn die Gemeinde sich an dem „Leader“-Förderprojekt „Römerregion Chiemsee“ beteiligt. Berger

Prien – Die Römer haben zur Zeit ihrer Herrschaft vor über 2000 Jahren auch rund um das Bayerische Meer vielfältige Spuren hinterlassen.

Die bekanntesten sind in Seebruck zu bestaunen, das damals Bedaium hieß und als Übergang über die Alz ein wichtiger Kontrollpunkt auf einer Handelsstraße war, die Iuvavum (Salzburg) und Augusta Vindelicorum (Augsburg) verband.

Die Gemeinde Bernau hat vor einigen Monaten eine Initiative angestoßen, die „Römerregion Chiemsee“ in einem Projekt mehrerer Gemeinden mit Geldern aus dem EU-Förderprogramm „Leader“ nach außen sichtbar darzustellen (wir berichteten). In der Priener Nachbargemeinde stand zum Beispiel ein römisches Landgut mit Badegebäude hinter dem heutigen Haus des Gastes am Fuße des Hitzelsberges.

In Prien ist beispielsweise in Trautersdorf eine „Siedlung der römischen Kaiserzeit“ als Bodendenkmal erfasst. Vor zehn Jahren, im Sommer 2008, hatten Funde bei Bauarbeiten für Aufsehen gesorgt. Nahe der Ortseinfahrt aus Richtung Rimsting wurden am sogenannten Römerfeld, das ebenfalls als Bodendenkmal erfasst ist, auffällige Gesteinsformationen entdeckt.

Auch das Landesamt für Denkmalpflege glaubte damals zunächst an Reste einer alten Römerstraße, zumal in der Vergangenheit in der Umgebung schon mehrfach Spuren der Römer entdeckt worden waren. Am Ende befand die Behörde aber, dass die neuen Funde doch nicht von den Römern stammten.

Im Projekt „Römerregion Chiemsee“ sollen nun möglichst viele Gemeinden mit individuellen Beiträgen unter einen Hut gebracht werden, um die „spannende Vergangenheit endlich sichtbar zu machen“, wie es Bernaus Bürgermeister Philipp Bernhofer bei der Auftaktveranstaltung im dortigen Rathaus formuliert hatte.

Andrea Krammer, provinzialrömische Archäologin und Spezialistin für Südostbayern, hatte dort über die Hinterlassenschaften der Römer in der Region referiert und dies Anfang März in Prien wiederholt. Dritter Bürgermeister Alfred Schelhas informierte nun im Haupt- und Werkausschuss über das Vorhaben. Das Gremium empfahl dem Marktgemeinderat, der am nächsten Mittwoch, 21. März, tagt, eine Beteiligung Priens zu befürworten.

Ziel des Projekts ist es, dass sich möglichst viele Gemeinden in der Chiemseeregion mit individuellen Aktivitäten einbringen. Ende April sollen interessierte Gemeinden dann am runden Tisch zusammenkommen.

Bürgermeister Jürgen Seifert betonte, dass bei einer Teilnahme Priens dann auch tatsächlich Taten folgen müssten und „Sachen, die wir finden, entsprechend ins Licht der Öffentlichkeit gerückt“ werden müssten.

Er erinnerte als Negativbeispiel an den „Chiemsee-Renner“ auf den Schären. Das alte Holzboot habe der Marktgemeinderat seinerzeit unbedingt haben wollen, als es aus dem Fundus eines geschlossenen Museums am Starnberger See angeboten wurde. Auf der Suche nach einem passenden Platz am Seeufer hatte dann aber die staatliche Seenverwaltung Veto eingelegt und sich gegen den Bau einer Überdachung nahe des Prienavera ausgesprochen „mit der Begründung, dass es da nicht hinpasst. Also der ,Chiemsee-Renner‘ passt nicht an den Chiemsee“, folgerte Seifert sarkastisch. Seitdem liegt das alte Holzboot neben dem König-Ludwig-Pavillon auf den Schären im Freien und verwittert beziehungsweise irgendwann „dafeid“, wie Zweiter Bürgermeister Hans-Jürgen Schuster befand und ebenfalls die Blockade der Behörde kritisierte.

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