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Berühmt-berüchtige Geschichte – eine Spurensuche

Das „Spukschloss“ am Alzufer von Truchtlaching

Spukt es hier immer noch? Der ehemalige Pfarrhof in Poing am Ufer der Alz bei Truchtlaching beflügelt mit seinem markanten Treppengiebel immer noch die Phantasie der Besucher, die vom gegenüberliegenden Ufer aus Richtung Niesgau auf das Gebäudeensemble blicken. Bis in 19. Jahrhundert stand auf der vorgelagerten Alzinsel noch ein Schloss.
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Spukt es hier immer noch? Der ehemalige Pfarrhof in Poing am Ufer der Alz bei Truchtlaching beflügelt mit seinem markanten Treppengiebel immer noch die Phantasie der Besucher, die vom gegenüberliegenden Ufer aus Richtung Niesgau auf das Gebäudeensemble blicken. Bis in 19. Jahrhundert stand auf der vorgelagerten Alzinsel noch ein Schloss.
  • Axel Effner
    VonAxel Effner
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Nebel, feuchter und modriger Geruch in der Natur, länger werdende Nächte, der Allerheiligen-Feiertag im Gedenken an die Verstorbenen - mit dem November beginnt eine Zeit, die nur allzuleicht Schwermut und Gänsehaut auslöst. Letzteres muss nicht nur der Kälte geschuldet sein, sondern könnte von der berühmt-berüchtigten Geschichte vom spukenden Mönch herrühren.

Lesen Sie selbst.

Truchtlaching – Wenn im Oktober die Herbstnebel über die Ufer der Flüsse und Seen heraufziehen, dann haben in manchen Stuben Spukgeschichten Hochkonjunktur. Auch an den Ufern der Alz bei Truchtlaching hat durch die Jahrhunderte ein imposantes Gebäude immer wieder die Phantasie der Menschen und Bewohner beflügelt: der ehemalige Pfarrhof in Poing, der heute ein Privatgut ist. Mit seinem mar-kanten Treppengiebel wirkt das malerische Ensemble in kräftigem Ocker wie aus der Zeit gefallen.

Edelsitz für Hanns von Truchtlaching

Die Volkskundlerin und Autorin Dorothea Steinbacher aus Ising zählt das „Spukhaus an der Alz“ zu den „111 Orten im Chiemgau und Rupertiwinkel, die man gesehen haben muss“, wie der Buchtitel lautet. Bis zum Jahr 1374 ist dort unter der Grundherrschaft des Klosters Seeon ein Bauernhof nachgewiesen, wie Meinrad Schroll im „Heimatbuch der Pfarrei Truchtlaching“ schreibt. Nach der Überlassung an Hanns von Truchtlaching baute dieser den Ort samt der Alzinsel zu einem Edelsitz aus. Als Sitz der Ritter von Truchtlaching wurde auf der Alzinsel bereits früh ein Schloss errichtet, das allerdings 1823 abgerissen worden ist.

Einen Eindruck von der mächtigen Anlage verschafft ein Modellnachbau, der heute auf dem Speicher der Grundschule Seeon ein vergessenes Dasein fristet.

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Kurz bevor aus dem Edelsitz 1643 der Pfarrhof für die Gemeinde Truchtlaching wurde, der bis 1803 Bestand hatte, ereignete sich dort nach den Erkenntnissen von Dorothea Steinbacher ein Mord. Demnach soll der letzte Spross der Herren von Ruesdorf im Gutshof 1640 ein gewaltsames Ende gefunden haben. „Seitdem soll es dort spuken“, schreibt die Isinger Autorin.

Hinweise, dass es dort nicht geheuer gewesen sein soll, liefert auch Gisela Schinzel-Penth in ihren „Sagen und Legenden um Chiemgau und Rupertiwinkel“. Im Kapitel über den „gespenstischen Mönch an der Alz“ schreibt sie, dass dieser zuweilen „nebelhaft über der Alz schwebt“ und dann wieder „geisterbleich durch die Fenster des Einödhofs blickt“.

Aber es kommt noch besser. Einer, der nicht unbedingt im Verdacht steht, an Geistererscheinungen zu glauben, war Dr. Friedrich von Reck-Malleczewen. Der ostpreußische Arzt und Reiseschriftsteller erwarb das Gut 1925.

Rätselhaftes Gepolter und Leichengeruch

Er starb 1945 im Konzentrationslager Dachau und galt als einer der bissigsten Kritiker der Nationalsozialisten. In seinem 1947 posthum veröffentlichten „Tagebuch eines Verzweifelten“, das die Publizistin Hannah Arendt zu den bedeutendsten Dokumenten aus der Hitlerzeit zählt, legt Reck die Nazibarbarei schonungslos offen.

Interessant ist das Werk aber noch aus einem anderen Grund. Reck berichtet darin, dass der Hof in Poing „ringsum als Spukhaus bekannt ist mit seinem rätsel-haften Gepolter und dem gespenstischen Mönch“, den er selbst allerdings nie gesehen habe. Unheimliches ereignete sich seinen Schilderungen nach aber im Dachzimmer „als Ausgangspunkt aller Spukerscheinungen“. Dort sei ein „abscheulicher Leichengeruch“ aufgetreten, der im ganzen Haus herum-gewandert sein soll. „Als das alljährliche Seelenamt für alle meine toten Freunde gehalten ist, verschwindet urplötzlich das gesamte, von gut und gern zehn Personen beobachtete Phänomen“, schreibt Reck.

Jetzige Bewohnern kann von Spukgeschichten nichts berichten

Ist vom Spuk aktuell noch etwas zu spüren? Die Tochter des berühmten Schriftstellers, die das Anwesen heute mit ihrer Familie bewohnt, gibt sich zugeknöpft. Sie führt den Autor zwar durch das Anwesen und verweist auf eine alte Zelle des früheren Gerichtssitzes – „an die allerdings nurmehr ein Kellerraum erinnert“ – sagt dann aber: „Über aktuelle Spukerscheinungen kann ich Ihnen leider nichts berichten und wenn, geht das auch niemanden etwas an“. So schwebt nach wie vor ein Geheimnis über dem mehr als 600 Jahre alten Gemäuer, das in den Abendnebeln immer noch ein wenig Gruselstimmung verbreitet.

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