Sprachrohr und Entscheidungsträger - 100 Tage im Amt: der neue Bürgermeister von Chieming: Stefan Reichelt.

Bürgermeister Stefan Reichelt (rechts) und Ewald Mayer, der geschäftsführende Beamte, bei einer Absprache im Rathaus.
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Bürgermeister Stefan Reichelt (rechts) und Ewald Mayer, der geschäftsführende Beamte, bei einer Absprache im Rathaus.

Chieming: Seit 4. Mai ist er in Amt und Würden und der neue Bürgermeister von Chieming: Stefan Reichelt. Zum 100-Tage-im-Amt-Interview stand er der Chiemgau-Zeitung Rede und Antwort und gibt einen Einblick, wie er sich als Rathauschef eingelebt hat.

Herr Reichelt, wie hat Ihre Amtszeit begonnen?

Stefan Reichelt:Ich war schon sehr gespannt, was mich alles erwartet. Wenn man vorher schon im Gemeinderat war, weiß man natürlich einiges, aber bei Weitem doch nicht alles, was auf einen zukommt. Die ersten Tage schaute ich mir die Abläufe in der Verwaltung an, was sind die Aufgaben der einzelnen Mitarbeiter und wie ist das Rathaus organisiert. Das war natürlich gleich mal eine Herausforderung, da bedingt durch die Corona-Pandemie die einzelnen Sachgebiete in zwei Schichten arbeiteten und sich nicht begegnen durften. Mittlerweile läuft das Rathaus aber wieder im Normalbetrieb, was den Mitarbeitern, den Bürgern und auch mir vieles erleichtert. Es wurde ein Hygienekonzept erarbeitet und umgesetzt, das den Parteiverkehr wieder erlaubt. Es freut mich, dass sich alle Bürgerinnen und Bürger wie auch die Angestellten an die Maßnahmen halten.

Wie muss man sich Ihr Aufgabenspektrum vorstellen?

Reichelt:Was ich schon erfahren durfte und was mir sehr viel Freude bereitet, sind die vielfältigen Aufgaben, die ich habe. Das macht das Bürgermeistersein erst richtig spannend. Ob eine Ortseinsicht im Gemeindegebiet, das Treffen mit verschiedenen Gremien oder die Besprechungen mit meinen Angestellten, jeder Tag im Amt bringt Neues. Und das Schöne daran, für viele, beziehungsweise die meisten Herausforderungen, finden wir im Gespräch gemeinsame Lösungen.

Welche Folgen ergeben sich aus Corona für die Gemeinde?

Reichelt:Die Corona-Pandemie war und ist nicht nur eine organisatorische Herausforderung, sondern auch eine finanzielle. Der Gaststättenbetrieb, die Vermietung von Ferienwohnungen oder das Betreiben der Campingplätze war lange Zeit nicht möglich. Dies und noch viel mehr wirkt sich auch negativ auf die Haushaltsplanungen unserer Gemeinde aus. Konkrete Zahlen über die Verluste der gemeindlichen Einnahmen können wir noch nicht nennen, unsere Kämmerei beobachtet die Situation und hat ein kritisches Auge auf die Finanzsituation. Wenn wir hier mit Vorsicht agieren, können wir ein größeres Haushaltsloch vermeiden, was natürlich unser Ziel ist. Bis jetzt ist es uns gelungen, noch keinen Nachtragshaushalt aufstellen zu müssen.

Das größte Bauprojekt der Gemeinde momentan ist die Sanierung der Grund- und Mittelschule. Wie geht es da voran?

Reichelt: Mittlerweile sind die Förderanträge bei der Regierung von Oberbayern eingereicht. Der Bauantrag des Schulverbandes war ebenfalls bereits auf der Tagesordnung des Gemeinderates, dem einstimmig zugestimmt wurde. Nun warten wir auf die Baurechtliche Genehmigung seitens der übergeordneten Behörden. Ein großes Lob gilt hier auch dem Gemeinderat, der zum Thema Schulhaussanierung sogar an einer Klausur an einem Samstag teilnahm, um sich ein Bild vom aktuellen Zustand der Schule zu machen. Die Arbeit mit dem Gemeinderat macht mir sehr viel Freude. Hier haben wir ein starkes Gremium, mit dem wir sicher viel erreichen werden.

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Mit dem Bürgermeisteramt sind einige „Nebentätigkeiten“ und Zusatzämter verbunden. Welche sind das, und welche Rolle spielen diese für Sie?

Reichelt:Ich bin Schulverbandsvorsitzender (Chieming/Grabenstätt) der Mittelschule Chieming, stellvertretender Vorsitzender des AUV Abwasser und Umweltverband) Chiemsee und Verbandsrat der Wasserversorgung der Harter Gruppe. Diese drei Einrichtungen sind enorm wichtig für unsere Gemeinde. Als Bürgermeister bin ich Sprachrohr und Entscheidungsträger für die Gemeinde, um die Weichen für die Zukunft zu stellen. Das gut funktionierende Wasser- und Abwassersystem wurde in den vergangenen Jahrzehnten aufgebaut. Hier müssen wir Sorge tragen, dass dies auch so bleibt und weiterentwickelt wird. Als Bürgermeister bin ich auch Standesbeamter und darf heiratswillige Paare trauen. Die ersten Trauungen habe ich schon absolviert. Ab September kann man bei uns in Chieming nun auch am Samstagvormittag heiraten. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass es seit Juli nun auch eine Bürgersprechstunde gibt, bei der die Bürger ohne vorherige Terminvereinbarung ihre Anliegen mit mir besprechen können. Dieses Angebot wird sehr gut angenommen. Natürlich sind auch weiterhin Terminvereinbarungen, vor allem bei größeren Anliegen, möglich.

Sie sind nun auch Chef der Mitarbeiter in der Gemeindeverwaltung, des Bauhofes, der Touristinfo und des Gemeindekindergarten. Wie geht es Ihnen in dieser Rolle?

Reichelt:In der Rolle des Chefs geht es mir sehr gut. Dank meiner breit gefächerten Ausbildung sowohl im technischen als auch im betriebswirtschaftlichen Bereich und meiner Führungskompetenz, können wir uns im Rathaus gut ergänzen. Themen, die mir noch nicht so geläufig waren beziehungsweise sind, werden mir von den Angestellten sehr gut erklärt. Auch die Literatur zu Verwaltungsvorgängen gibt einiges her. Der Besuch der Verwaltungsschule ergänzt das Ganze. Den gegenseitigen Respekt musste ich mir nicht erarbeiten, jeder Mitarbeiter ist sich seiner Aufgabe und Verantwortung bewusst. Dies gilt auch für mich als Amtsleiter.

Welche Projekte stehen auf der Aufgabenliste ganz oben?

Reichelt: Beim Thema bezahlbarer Wohnraum für Einheimische machen wir gute Fortschritte. Das erarbeitete Punktesystem, bei dem wir den Empfehlungen der übergeordneten Behörden gefolgt sind, wurde vom Gemeinderat genehmigt. Damit unterstützen wir nicht nur junge Menschen in unserer Gemeinde, sondern auch Senioren, die in unserer Gemeinde bleiben möchten.

Und weiter?

Reichelt: Das Ferienprogramm des Kreisjugendrings in Schützing kann nun stattfinden. Gemeinsam mit dem Team der Kindertagesstätte konnten wir die geplanten Schließzeiten im August von drei Wochen auf nur eine Woche verkürzen. Die Entlastung der Ortsdurchfahrt Chieming ist ebenfalls ein sehr wichtiges Thema für mich. Sie ist nach wie vor in der Dringlichkeitsstufe 1 Reserve. Aufgrund der vielen prioritären Aufgaben im Wirkungsbereich des Staatlichen Bauamtes, kann derzeit auch die Durchführung einer Raumempfindlichkeitsanalyse nicht in Aussicht gestellt werden.

Dies bedauere ich, da ich mir mit dieser Analyse Klarheit in Bezug auf eine mögliche Umsetzung der geplanten Trasse für die Ortsumfahrung erhofft habe. Interview: Arno Zandl

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