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Podiumsdiskussion über die Auswirkungen der Corona-Pandemie

Kinder wenden sich in Region Traunstein vom Sport ab - Mehr Depressionen und Knochenbrüche

Bei der Podiumsdiskussion dabei waren (von links) Monika Morrisson, Walter Picherl, Thomas Hoffmann, Tobias Angerer, Moderator Axel Effner, Dr. Bernd Geffken, Katja Karl und Franz Brecht.
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Bei der Podiumsdiskussion dabei waren (von links): Monika Morrisson, Walter Picherl, Thomas Hoffmann, Tobias Angerer, Moderator Axel Effner, Dr. Bernd Geffken, Katja Karl und Franz Brecht.

16 Prozent der Mitglieder bis 26 Jahre kündigten seit Beginn der Corona-Pandemie ihre Mitgliedschaft in Sportvereinen im Landkreis Traunstein. Kinderchirurg Dr. Bernd Geffken berichtete von mehr psychischen Beschwerden und Knochenbrüchen.

Traunstein/Traunreut – „Sport ist die schönste Nebenbeschäftigung der Welt“, sagte Thomas Hoffmann, Vorsitzender der Bayerischen Sportjugend (BSJ) Kreisverband Traunstein, vor kurzem beim Treffen der Sportverein im k1 in Traunreut. In einer Podiumsdiskussion ging es darum, wie dem Sport ein höherer Stellenwert in der Gesellschaft gegeben werden könnte und wie man die Kinder und Jugendlichen nach den langen Monaten des Stillstandes wieder „in Bewegung“ bekommt.

Mitglieder in die Vereine zurückholen

Vereinsvertreter, frühere Leistungssportler und ein Arzt diskutierten unter der Moderation von Axel Effner verschiedene Gesichtspunkte und kamen zum Schluss, dass nach der Corona-Pause viel Arbeit und Engagement notwendig ist, um die Mitglieder wieder zum Sport und in die Vereine zu bringen.

Für Hoffmann gehört es gerade in der aktuellen Zeit zur Aufgabe der Sportvereine, die Leute auf irgendeine Art und Weise wieder in Bewegung zu bringen. Dass es allerdings schwierig sei, die Jugendlichen zu motivieren berichtete Monika Morrisson, Jugendleiterin des TSV Heiligkreuz, aus ihrer eigenen Familie. Ihre Kinder seien während des Lockdowns „gefühlt tagelang nur im Schlafanzug“ gewesen, sie wollten gar nicht rausgehen. Und auch jetzt, wo Sport im Verein wieder möglich ist, seien manche Jugendliche nur schwer zu motivieren.

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Dr. Bernd Geffken, Leiter der Kinderchirurgie und –traumatologie am Klinikum Traunstein, erläuterte die Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und Jugendliche. Deren physische Gesundheit sei zwar kaum betroffen, die psychische dafür aber umso mehr. Essstörungen und Gewichtszunahme sowie Depressionen seien da nur einige Folgen von Corona. Außerdem habe es in diesem Frühjahr auffallend viele schwere Knochenbrüche bei jungen Leuten gegeben.

Für die Entwicklung von Kindern im Alter von sieben oder acht Jahren sei ein Jahr gleichbedeutend mit zehn Jahren bei einem 70-Jährigen. In der Pandemie sei ihnen aber mehr als ein Jahr in ihrer Entwicklung „gestohlen“ worden.

Deutlich auf die Mitgliederzahl der Sportvereine ausgewirkt hat sich Corona, wie Hoffmann näher erläuterte: „Im Landkreis Traunstein gab es im Zeitraum vom 31. Dezember 2019 bis 12. August 2021 einen Rückgang im Jugendbereich bis einschließlich 26 Jahren von 16 Prozent. Besonders schwerwiegend ist es bei den Kindern von ein bis fünf Jahre, hier lagen wir bei den Burschen bei einem Minus von 25 Prozent und bei den Mädels sogar bei minus 30 Prozent.“ Analog dazu sei auch ein sichtbarer Rückgang in der Altersklasse 41 bis 60 Jahre zu beobachten gewesen.

Nach und nach kommen wieder Neuaufnahmen

Der TSV Siegsdorf verlor laut Vorsitzenden Franz Brecht rund 170 Mitglieder. Jetzt kämen langsam nach und nach wieder Anträge zur Neuaufnahme. Bei den Austritten unterscheidet er zwei Gruppen: Spargründe oder fehlender Bezug.

Walter Pichler aus Ruhpolding, ehemaliger Leistungssportler und Olympiateilnehmer, sprach ein ganz anderes Problem der Sportvereine an. Er sehe immer wieder große sportliche Talente, die sich aber nicht entfalten können, da ihre Eltern unbewusst zu viel Druck aufbauten oder sie nicht richtig förderten. Tobias Angerer, ebenfalls früherer Leistungssportler und jetzt Nachwuchstrainer, war froh, dass Langlauf auch im Corona-Winter gut ausgeübt werden konnte, da diese Sportart alleine im Freien möglich ist.

Mehr Bewegung auf dem Stundenplan

Für ihn ist aber generell die Politik gefragt, wenn es um den Sport geht: „Sport und Bewegung kommen bei uns zu kurz. Der Sport hat nicht den Stellenwert, den er braucht.“ Ohne Breitensport gebe es schließlich auch keinen Leistungssport. Geffken forderte, dass an allen Schulen dreimal pro Woche zwei Stunden Schulsport auf dem Stundenplan stehen solle.

Angerer dazu: „Wir können uns alles kaufen, nur nicht Gesundheit. Die bekommen wir über den Sport.“ Für ihn ist er außerdem eine sehr gute Schule fürs Leben. Man bekomme Motivation, Zielstrebigkeit, lerne auch mal zu verlieren, Teamfähigkeit, sich organisieren und manches andere mehr.

Die Vereine forderte er auf, in die Schulen zu gehen, sich vorzustellen und Sportaktionen anzubieten, um wieder mehr junge Mitglieder zu gewinnen.

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