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Spendenaktion für die Ukraine

Vor allem Notwendiges für Babys gesucht: Priener Helfer erklären, was jetzt besonders wichtig ist

Jakob Steiner fährt gemeinsam mit seinem Sohn die dringend benötigten Hilfsgüter bis an die slowakisch-ukrainische Grenze. Auch beim Verladen der Pakete packt der 74-Jährige kräftig zu.
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Jakob Steiner fährt gemeinsam mit seinem Sohn die dringend benötigten Hilfsgüter bis an die slowakisch-ukrainische Grenze. Auch beim Verladen der Pakete packt der 74-Jährige kräftig zu.
  • Tanja Weichold
    VonTanja Weichold
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In der Nacht auf Donnerstag, 3. März 2022, rollt die erste Hilfslieferung mit dringend benötigten Gütern aus Prien in die Ukraine. Jakob und Christian Steiner fahren die rund 1000 Kilometer. Am Samstag werden weitere Spenden beim Feuerwehrhaus gesammelt.

Prien – In Prien laufen Hilfsaktionen für die Ukraine an. Der erste Lastwagen kommt bereits heute Vormittag an der slowakisch-ukrainischen Grenze an. Die Marktgemeinde unterstützt den Chiemgauer Helferkreis, der seit Jahrzehnten eine enge Verbindung mit der Diözese Ternopil im Südwesten der Ukraine pflegt.

Am Samstag, 5. März, werden beim Priener Feuerwehrhaus von 9 bis 15 Uhr Spenden gesammelt. Bürgermeister Andreas Friedrich hatte den Helferkreis im Jahr 2016 bei einem Besuch in das Priesterseminar Ternopil begleitet, ihn verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Land.

Stundenlang übers Land gefahren

„Da hat man ein Bild im Kopf, wenn Ortsnamen fallen“, schildert Friedrich im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Im Jahr 2016 war er mit dem Chiemgauer Helferkreis, der seinen Sitz auf Frauenchiemsee hat, nach Kiew und von dort weiter nach Lemberg geflogen. Dort seien sie von Pater Vasyl Shafran abgeholt worden und mit dem Kleinbus mehrere Stunden bis Ternopil gefahren, wo sie das Priesterseminar besichtigt hätten. Wenn er in diesen Tagen zum Beispiel Nachrichten von Bombardierungen auf den Flughafen Iwano-Frankiwsk hört, überkommen Friedrich die Erinnerungen: „Wo Bomben und Raketen einschlagen, ist man selbst schon gewesen.“

Die Menschen in der Ukraine habe er als „wahnsinnig offen“, freundlich und sehr bescheiden erlebt. Während er zum Beispiel Kiew und Lemberg als pulsierende und westlich geprägte Städte wahrgenommen habe, lebe die Landbevölkerung in einfachen Verhältnissen.

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Friedrich hatte sich am Montagabend mit der Helferkreis-Vorsitzenden Katharine Schmid aus Aschau in Verbindung gesetzt und ihr die Hilfe der Marktgemeinde angeboten. Er hatte von deren Vorhaben gehört, Hilfsgüter in die Ukraine zu bringen. Dem folgte ein gemeinsamer Spendenaufruf.

Das Priesterseminar in Ternopil hatte eine Liste geschickt, welche Dinge derzeit am Nötigsten seien (siehe unten). Die Kirchen und das Kloster seien für flüchtende Menschen geöffnet worden, das Priesterseminar kümmert sich um die Versorgung der Menschen.

Priener Feuerwehr sagte sofort Unterstützung zu

Die Solidarität in Prien ist groß. Die Priener Feuerwehr sagte sofort ihre Hilfe für die Sammlung von Spendengütern beim Feuerwehrhaus zu. Laut Bürgermeister Friedrich bleibt es nicht bei der Sammlung am Samstag, auch weiterhin bestehe montags bis donnerstags die Möglichkeit, im Priener Feuerwehrhaus Hilfsgüter abzugeben.

„Das Wichtigste ist...“

„Ich rechne mit einer großen Hilfsbereitschaft“, sagt Friedrich und ergänzt: „Das Wichtigste ist jetzt die humanitäre Hilfe, dass man zusammensteht und versucht, das Leid der Menschen in der Ukraine zu lindern.“

Seit dem Jahr 2001 leistet der Chiemseer Helferkreis in der Ukraine Hilfe zur Selbsthilfe. „Wir haben uns damals vor Ort angeschaut, wie mit dem Geld gewirkt wird“, so Friedrich weiter. „Ich bin froh, dass wir den Helferkreis und seine Verbindungen haben, weil ich weiß, das Geld kommt zu hundert Prozent sicher an.“

Der erste Hilfstransport von Prien in die Ukraine startete bereits vergangene Nacht. Als Fahrer stellten sich spontan Jakob und sein Sohn Christian Steiner zur Verfügung. Vor der Abreise erreichten ihn die OVB-Heimatzeitungen, als er gerade dabei, war, die Kartons mit den Spenden in den Sprinter einzuladen, den die Priener Firma Mey Maschinenbau samt Verpackungsmaterial spontan und unkompliziert zur Verfügung stellte, wie Steiner dankbar berichtet. Seine Frau Kathi ist im Vorstand des Helferkreises.

Jakob und Christian Steiner sind Fahrer

Der 74-jährige ehemalige Fernfahrer und Priener Bauhofmitarbeiter erzählt von riesiger Unterstützung und Hilfsbereitschaft von allen Seiten: „Von überall her bekommen wir Spenden.“ Der Abwasser- und Umweltverband (AUV), bei dem sein 45-jähriger Sohn beim Klärwerk in Stiedering arbeitet, habe für den Hilfstransport in die Ukraine zwei Tage Sonderurlaub genehmigt.

Vor der Abreise mussten Formalitäten beim Zoll erledigt werden. Was ihn und seinen Sohn auf der Fahrt erwartet, vermochte Steiner gestern nicht vorauszusagen. Die Route führe über Österreich, Ungarn und Slowakei bis über die Grenze in die Ukraine. Dort ist ein Treffpunkt mit Helfern des Priesterseminars Ternopil vereinbart. Die Hilfsgüter werden kurz nach der Grenze auf deren Fahrzeuge umgeladen. Dann geht es für die Priener wieder knapp 1000 Kilometer Richtung Heimat. Bis zum nächsten Hilfstransport.

Was die ukrainischen Flüchtlinge in Ternopil brauchen:

Auf der vom Priesterseminar aus Ternopil übermittelten Liste stehen folgende dringend benötigte Artikel: Baby- und Kindernahrung, Windeln, Babycreme, Hautpuder, Fläschen, Sauger und Schnuller, Süßigkeiten wie Kekse, Spielzeug (Malbücher, Stifte, Stofftiere). Die Erwachsenen benötigen Hygieneartikel aller Art (Damenbinden, Zahnbürsten, Waschpulver, Toilettenpapier), Fleisch- und Fischkonserven, Fertigsuppen, Reis, Nudeln, Instantkaffee, Tee, Desinfektionsmittel, Verbandmaterial, Schmerzmittel, Fiebermittel und Fieberzäpfchen für Kinder.

Ein Bild von einem früheren Besuch des Helferkreises in der Ukraine im Jahr 2018: Pfarrer Shafran und Pfarrer Firman (von links), Erzbischof Vasyl Smenjuk (5.v.r.) mit den Delegationsteilnehmern aus dem Chiemgau.

Die Spenden sollen in stabile Kartons verpackt und mit dem Inhalt beschriftet werden. Abgabe ist am Samstag, 5. März, von 9 bis 15 Uhr beim Priener Feuerwehrhaus möglich sowie auch montags bis donnerstags von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 16 Uhr.

Geldspenden können auf das Konto des Helferkreises Ternopil, IBAN DE44 7115 0000 0000 0535 38 überwiesen werden. Davon kauft der Helferkreis gezielt die Hilfsgüter. Bekleidung und Schuhe sind momentan nicht angefragt.

Der Helferkreis:

Im vergangenen August berichteten die Heimatzeitungen über die jüngste Jahresversammlung des Helferkreises für die Diözese Ternopil. Die Mitliederversammlung hatte Katharina Schmid aus Aschau als Vorsitzende bestätigt, ihr Stellvertreter ist der Rohrdorfer Altbürgermeister Fritz Tischner. Eigentlich hätte der Helferkreis, der seinen Vereinssitz auf Frauenchiemsee hat, im vergangenen Jahr sein 20-jähriges Bestehen gefeiert. Wegen Corona fiel dies ersatzlos aus. Der Helferkreis unterstützt das Priesterseminar Ternopil im Südwesten der Ukraine seit Vereinsgründung finanziell und leistet damit Hilfe zur Selbsthilfe. Zu den Projekten, die bereits verwirklicht wurden, zählt laut Priens Bürgermeister Andreas Friedrich zum Beispiel eine Wasserabfüllanlage. Die befinde sich an einer ergiebigen Heilwasser-Quelle nahe des Wallfahrtsortes Ternopil. Das Wasser werde in Flaschen in den umliegenden Einkaufsmärkten verkauft. So würden die Menschen mit sauberem Wasser versorgt und die dortigen Arbeitsplätze den Menschen aus dem Dorf ein Einkommen sichern, erklärt Friedrich. .