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Relikte aus vergangener Zeit

Spektakuläre Spuren von den alten Römern? Was Archäologen am Ortsrand von Prien entdeckt haben

Nach dem Abtragen der oberen Bodenschicht macht sich das Team des Archäologen Markus Fagner auf Spurensuche.
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Nach dem Abtragen der oberen Bodenschicht macht sich das Team des Archäologen Markus Fagner auf Spurensuche.
  • Ulrich Nathen-Berger
    VonUlrich Nathen-Berger
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Schon kurz nach Beginn der Arbeiten, müssen diese schon wieder ruhen: Dort, wo am Ortsrand von Prien ein Kuhstall entstehen soll, fanden sich Reste einer Antiken Mauer. Nun sind die Archäologen am Zug. Aber wie bedeutsam sind die Funde? Das haben die OVB-Heimatzeitungen den Leiter der Ausgrabung gefragt.

Prien – Schon nach den ersten Erdbewegungen für den Bau eines Kuhstalls auf einem landwirtschaftlichen Anwesen in Prien war gleich wieder Schluss: Freigelegte Steinstrukturen entpuppten sich als antike Mauerreste. Jetzt bewegen die Experten der Grabungsfirma „Farch Archäologie“ aus Icking bei Wolfratshausen mit Maurerkelle, Handfeger und Pinsel auf dem Areal Kubikzentimeter um Kubikzentimeter Erdreich, um die antiken Strukturen freizulegen und zu sichern. Die OVB-Heimatzeitungen sprachen mit Firmenschef Markus Fagner über das Vorgehen der Archäologen und die Bedeutung der Funde.

Auf ein genaues Alter der Relikte will sich der Archäologie Markus Fagner nicht festlegen. „Dafür brauchen wir noch genauere Funde“, sagt er.

Was haben Sie bislang gefunden?

Markus Fagner: Wir haben auf diesem Areal einige prominente Steinfundamente freigelegt, die auf einen römischen Standort in diesem Bereich hinweisen. Das machen die Funde wie „terra sigillata“ – das heißt, römische Keramik – und Metallteile deutlich. Aber ob dies alles zu dem vor Jahren gefundenen römischen Gutshof, der bereits bekannten „villa rustica“ zählt, lässt sich nicht sicher belegen.

Wird die Geschichte der Römer im Chiemgau neu gefasst werden müssen?

Fagner: Nein, so spektakulär ist das nicht. Es sind Zeichen römischer Besiedlung, die hier im Boden versteckt liegen und jetzt so weit wie möglich aufgedeckt werden. Wie zum Beispiel diese Struktur einer zweischaligen Mauer; innen wie außen verlaufen die Steinreihen sauber und gerade ausgerichtet, der Zwischenraum wurde eher ungeordnet verfüllt und dann gemörtelt. Zwischen den Mauern sehen wir Reste des Estrichs, sozusagen den Laufhorizont. Während diese Mauerstruktur sich hier sehr deutlich darstellt, ist von der anderen Mauer nur ein Versturz zu sehen. Das bedeutet: Als das Gebäude ruinös wurde, ist die Mauer irgendwann umgefallen.

Auf welches Alter schätzen Sie diese Fragmente?

Fagner: Wir tun uns derzeit noch relativ schwer, das genau zu datieren, weil wir von den Funden her noch nicht so weit sind. Ich schätze aber frühes zweites Jahrhundert nach Christus. Festlegen mag ich mich noch nicht, da brauchen wir noch genauere Funde.

Wie werden die weiteren Grabungsarbeiten jetzt verlaufen?

Fagner: Wenn wir auf der grünen Wiese stehen, wissen wir nicht, was uns erwartet. Deshalb wird zunächst unter genauer Beobachtung der Oberboden abgetragen, wie hier mit dem Schaufelbagger. So können wir im gewachsenen Boden jeden Eingriff sehen, der irgendwann mal stattgefunden hat, weil er sich farblich anders als sein Umfeld darstellt. So sind zum Beispiel Brunnen zu erkennen, Materialentnahmen aus dem Boden, Abfallgruben oder auch Gräber.

Was geschieht im Anschluss?

Fagner: Wenn der Oberboden abgetragen ist, werden die Befunde vermessen, beschrieben, fotografiert und dann ausgegraben. In unserem Fall hier wird in diesem Bereich, in dem wir überwiegend Funde sichern konnten, der Stall nicht gebaut werden. Es wurde umgeplant, die Baufläche wird dorthin verlegt, wo weniger im Boden zu finden ist. Ein Grund hierfür ist, auch Kosten zu sparen.

Und was passiert mit den freigelegten Gebäudefundamenten?

Fagner: Die werden wieder überdeckt und zugeschüttet.

Das Alter des freigelegten Mauerfundaments eines antiken Gebäudes wir auf das zweite Jahrhundert nach Christus geschätzt.

Eigentlich schade – es wäre doch eine Attraktion für Prien.

Fagner: Naja, um diese archäologische Fundstelle für Besichtigungen zu sichern und freizugeben, müsste dieser Bereich zunächst überbaut werden mit einem Witterungsschutz. Die Mauern müssten restauriert werden, damit sie nicht weiter verfallen. Dann gehört noch eine Schautafel mit Beschreibungen dazu – und das war’s dann. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis wäre für mich in diesem Fall aber mehr als fraglich.

Was ist dann der Nutzen für die Wissenschaft?

Fagner: Wir müssen zum Beispiel versuchen, mit dem Wenigen, was noch im Boden ist, die Lebensbedingungen der Menschen in der damaligen Zeit zu erschließen. In der Öffentlichkeit ist oft dieses Bild präsent: Archäologie bietet etwas Tolles und Spannendes im Museum. Tatsächlich geht es aber darum, wie und unter welchen Bedingungen haben welche Menschen wo gelebt zu welcher Zeit. Und das ist das Faszinierende an unserer Arbeit.

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