Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.


Ohne Zuwanderung sind Arbeitsplätze bald nicht mehr zu besetzten

Sozialraumanalyse für Grabenstätt – Mehr Wohnraum nötig

  • VonMarkus Müller
    schließen

Ein Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler hat dem Gemeinderat Grabenstätt die Sozialraumanalyse vorgestellt. Die Überalterung der Gesellschaft ist demnach eine große Herausforderung.

Grabenstätt – „Es gibt einen immer stärker werdenden Bedarf an Wohnraum“, so Dr. Herbert Tekles, Soziologe und Wirtschaftswissenschaftler, bei seiner Sozialraumanalyse. Im Gemeinderat Grabenstätt schilderte er, dass sich die Gesellschaft verändere. Von der „Babyboomer“-Generation gehen in den nächsten Jahren viele in den Ruhestand. „Sie sind dann aus der Arbeitswelt raus, aber keine Wohnungen werden frei“, so der Soziologe.

Sterbefälle würden nur zehn Prozent des Wohnungsbedarfs lösen. Der zunehmende Fachkräftemangel sei „eigentlich ein Arbeitskräftemangel“, meinte Tekles. „Ein Drittel der Arbeitsplätze kann in den nächsten 15 Jahren nicht mehr besetzt werden, es sei denn, es gibt viel Zuzug“.

Anteil der über 65-Jährigen Ende 2020 bei 24,8 Prozent

Dass die Bevölkerungszahl in Grabenstätt – aktuell rund 4450 Einwohner – moderat steigt, bedinge die Zuwanderung. Das Verhältnis von Geburten und Sterbefällen sei seit den 1970er-Jahren negativ. Die Geburtenrate liege im bayerischen Durchschnitt . Per Saldo gewinne die Gemeinde durch Wanderungen fast aller Altersgruppen, außer der 18- bis 30-Jährigen.

Es gibt einen hohen Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung. Ende 2020 betrug er 24,8 Prozent. Die Zahl der Bürger im Rentenalter werde bis 2035 weiter steigen. Die Bewohner hiesiger Altenheime seien eingerechnet. Josef Austermayer (FW) meinte, dass immer mehr aus der Stadt aufs Land ziehen, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten könnten. Dies gelte vor allem für Familien mit Kindern, so Tekles.

Hohe Arbeitsplatzdichte

Dass junge Erwachsene wegziehen, erklärte er mit der Aufnahme eines Studiums oder einer höher qualifizierten Berufstätigkeit sowie mit dem geringen Anteil kleinräumiger Wohnungen. Bei Zuzügen fielen besonders junge Familien mit Kindern sowie über 60-Jährige ins Gewicht.

Im Juni 2020 arbeiteten in den hiesigen Betrieben etwa 1700 sozialversicherungspflichtig Erwerbstätige. 38 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze pro 100 Einwohner sind eine höhere Arbeitsplatzdichte als in den meisten Gemeinden. Da heute 50- bis 65-Jährige auf die Rente zugingen, seien die Stellen bald neu zu besetzten. „Klappt das nicht, werden die Firmen Teile ihres Unternehmens verlagern oder die Gemeinde sogar ganz verlassen“ Die Firmen sollten ihre Angestellten dabei unterstützen, Beruf und Familie besser zu vereinbaren.

Weitere Artikel und Nachrichten aus dem Chiemgau finden Sie hier.

Die Frage von Dr. Martin Brunnhuber (Bürgergruppe), ob Ukraine-Flüchtlinge berücksichtigt wurden, verneinte Tekles. Langfristig könnte die Flüchtlingsbewegung den Arbeitsmarkt positiv beeinflussen. Die Zahl der Erwerbstätigen könne nur bei ausreichend neuem Wohnraum wachsen. Beim Geschosswohnungsbau gebe es Nachholbedarf. Im Ort sei die Anzahl der Wohnungen in den vergangenen Jahren nahezu unverändert. Die durchschnittliche Wohnfläche pro Einwohner liege auf hohem Niveau. Ein- bis Drei-Zimmer-Wohnungen machen nur ein Viertel der Wohnungen aus.

Der Bau kleiner Wohnungen könnte zu mehr Zweitwohnungssitzen führen, warnte Waltraud Hübner (CSU). Tekles geht davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren 177 zusätzliche Wohnungen, bis 2035 sogar 526 gebraucht werden. Von der Bautätigkeit hänge auch der Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen ab. Bei einer Entwicklung ohne Neubauten falle die Kurve stark ab, bei konservativem und maximalem Szenario bliebe sie auf gleichbleibendem Niveau. Der Bedarf an Altenheimplätzen, ambulanter Pflege, Tagespflege und betreutem Wohnen steigt.

/CLH

Mehr zum Thema